Birte Hanusrichter & August Wittgenstein

Die Schauspielerin, Musikerin, Optimistin, Feministin, Menschen- und Tier- und Bierfreundin Birte Hanusrichter und ihr halbschwedischer Nachbar, Schauspieler und Bierliebhaber August Wittgenstein haben sich bei gemeinsamen Dreharbeiten zu einer Serie kennengelernt. Seither treffen sie sich einmal wöchentlich auf zwei Bier, um über schaumgekrönte und mit schaumgekrönten Kaltgetränken zu fachsimpeln. (Zwei Bier, zwei Minuten, merkt ihr was?!1!11!!) Das Beste: sie lassen gut hörbar das Band mitlaufen und stellen die mit zunehmender Trinkdauer immer lustiger werdenden Episoden als “Schaumgeboren“-Podcast ins Netz. Wir haben den beiden auch ohne Zuhilfenahme von Alkohol (schwör!) jede Menge Geheimnisse und liebevolle Gedanken entlockt. Edit: Nach acht Bier verrät August vielleicht auch noch, was es damals in der Grundschule mit der Fahrradprüfung auf sich hatte.

Name: Birte Hanusrichter / August Wittgenstein
Alter: 41 / 39
Wohnort: Berlin / Berlin
Beruf: Schauspielerin, Musikerin, Podcasterin / Schauspieler und Podcaster
Schuhgröße: 37 / 43,5 (Wie schreibt man numerisch Dreiviertel?)
Lieblingspilzsorte: Pfifferlinge in einer Rahmsauce mit Knödeln / Schokopilze
Kontakt: Schreibt mir alle auf Insta @birtehanusrichter / @augustwittgenstein (Ich lese alle Nachrichten, am liebsten versaute.)

Fass euren Podcast in 3 Worten zusammen:
Birte: Trinkend viel reden.
August: Zu Bier lachen.

Was ist das Beste an deinem Beruf?
Birte: Immer neuen Situationen zu begegnen, offen, neugierig und empathisch bleiben zu müssen. Das hilft dabei kein Arsch zu werden.
August: Ich darf mit kreativen Menschen arbeiten, selbst kreativ sein und ganz viel Bier dabei trinken. (Zumindest beim Podcasten. Am Set ist das nicht so gerne gesehen.)

Was fasziniert dich?
Birte: Radikale Ehrlichkeit.
August: Alles, was nicht direkt mit Mathematik zu tun hat. Aber vor allem Menschen; ihre Eigenheiten – Mimik, Gestik, Körperhaltung.

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt!
Birte: Ein ruhiger Platz, an dem man den Himmel sehen kann. Geht überall auf der Welt und kostet nix.
August: „Trattoria Sostanza“ in Florenz. Spargel als Vorspeise, Huhn als Haupt- und Merengue-gato als Nachspeise. Thank me later!

Wenn dein Leben einen Soundtrack hätte, von wem wäre der?
Birte: Von mir selbst. Ich arbeite dran.
August: Joy Division.

Nun sag schon: Lieblingsbiersorte?
Birte: Orange Velvet Milkshake IPA von Lervig. Das erste Bier unseres Podcasts. Vielleicht habe ich es deswegen inzwischen etwas romantisiert. ;)
August: Ich mag Session IPAs, aber bin mittlerweile auch ein großer Stout-Fan. Die besten Brauereien: Lervig (Norwegen) & Garage Beer Co (Spanien) – da kann man nix falsch machen.

Eine Begegnung, die du nie vergisst:
Birte: Ein dreibeiniger Hund, der mir den Weg gezeigt hat, als ich mich verlaufen hatte. No joke!
August: Ich hab einen Abend mit Buzz Aldrin in Los Angeles verbracht. Der zweite Mann auf dem Mond. Cooler Typ und guter Tänzer. Don’t ask!

Birte, beschreibe August in einem Satz: Ein krass talentierter Künstler und vor allem loyaler Freund, der mich so laut zum Lachen bringt, dass wir regelmäßig die Kapazität vom Podcast-Mikro sprengen.

August, beschreibe Birte in einem Satz: Ein großzügiges Bündel von Klugheit, Großherzigkeit und Talent, die eine Runde von 30 Leuten ohne Probleme eine ganze Nacht unterhält.

Wovon hast du keine Ahnung?
Birte: Wein. Da ist bei mir nix zu machen.
August: Wie gesagt, Mathe und Fahrradfahren.

Du hast Besuch von Freunden, die zum ersten und letzten Mal in der Stadt sind. Was macht ihr?
Birte: Wir setzen uns an einen Ort, an dem man die Atmosphäre aufsaugen kann, und bleiben einfach dort, beobachten Leute, reden, essen. Durch ein Programm zu hetzen führt nicht dazu, einen Ort zu verstehen und man kann außerdem sehr schlecht Bier dabei trinken.
August: Also wenn sie sicher nicht wiederkommen, würde ich ihnen vielleicht was klauen, und mich viel einladen lassen in teuren Restaurants. Das „893“ ist zum Beispiel immer eine Berlinreise wert.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Birte: Ich wäre krass drauf: Menschen wären ab sofort wertvoller als Geld.
August: Ich finde alle Straßen sollten aussehen wie lange Zebrastreifen. Und nur da, wo der Zebrastreifen unterbrochen ist, darf man dann über die Straße gehen. Das wäre viel dekorativer. Die Regierung geizt halt leider mit der weißen Farbe.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Birte: Ein Thai-Curry mit vielen Kräutern und Nüssen. Falls ihr Fleisch wollt, müsstet ihr bei August klingeln, der wohnt um die Ecke.
August: Ich mache ziemlich böse schwedische Pfannkuchen. Den Schnaps bringt ihr mit.

Was sollte niemand von dir wissen?
Birte: Wie ich drauf bin, wenn ich zu spät esse. Ich werde leider „hangry“.
August: Im Fitnessstudio hänge ich die Gewichte nie zurück. Mit Absicht.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Birte: Wie ich meinen Dackel nennen würde.
August: Welches mein Lieblingsalter ist.

Das letzte Wort:
Birte: Immer Liebe!
August: Über berühmte letzte Worte hatten wir mal eine „Schaumgeboren“-Folge. Mein Favorit war Oscar Wilde als er im Sterben lag: „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“

FOTO: Oliver Look

Ilona Hartmann

Wer Ilona Hartmann nicht auf Instagram folgt, war noch nie auf Instagram. Nach eigener „BIO“ zu schüchtern für Rap und zu blöd für Lyrik, versorgt sie uns stattdessen mit lebensbejahenden Kurztexten aus ihrem Berliner Stadtleben („Warum heißt es Huckepack und nicht sich gehen lassen?“). Apropos Texte, die verfasst sie von Berufs wegen für Magazine oder für Werbung oder Fernsehen, Serien oder Podcasts. Meistens ziemlich lustig und pointiert. So und gestern dann erschien auch ihr erstes Buch „Land in Sicht“ (kaufen Sie hier!). Morgen muss sie zum Zahnarzt (Prophylaxe). Dazu gibt es natürlich auch einen passenden Kommentar von ihr ohne Punkt und Komma: „Arzt sagt Achtung Zahnfleischrückgang aber worauf soll ich denn sonst laufen“.

Name: Ilona Hartmann
Alter: 29
Wohnort: Berlin
Beruf: Autorin
Schuhgröße: 38
Lieblingswort: Prophylaxe
Kontakt: Triff mich bei Instagram als @ilona_hartmann

Fasse dein neues Buch in einem Satz zusammen: Eine junge Frau lernt ihren Vater erst als Erwachsene kennen und es ist nicht alles fun and games, aber ein bisschen schon.

Wenn alle Jobs gleich bezahlt werden würden, welchen Beruf würdest du dann wählen? Ich hätte einen Hofladen und würde kleine feste Äpfel, Heumilchkäse und Himbeeressig verkaufen in Flaschen mit handbeschriebenem Etikett und ich hätte immer so eine leicht verdreckte Schürze an und einen Hund um die Beine.

Was ist das Beste an deinem Beruf? Selbstbestimmtheit.

Wovon hast du keine Ahnung? Den meisten Dingen.

Was kommt als nächstes? Wegfahren.

Wonach bist du süchtig? Nur extrem gesunde Sachen.

Welches war das bisher schönste Kompliment, das dir jemand gemacht hat? “Ihr Zahnfleisch sieht wirklich astrein aus, Frau Hartmann!” (Prophylaxe letztes Jahr).

Was machst du, wenn dir langweilig ist? Mir ist echt sehr selten langweilig.

Wie alt wärst du gerne für immer? 27 war eigentlich ganz angenehm – man bekommt noch noch keine “Öhöhö-30”-Witze gedrückt, ist aber auch nicht mehr gebeutelt von der Quarterlife-Krise, sondern hat sich damit abgefunden, dass niemand irgendwas weiß, und am Ende eh egal ist, was man macht, solange man es gern macht.

Mit welchen drei Worten würden dich deine Freunde beschreiben? “Ilona kommt später.”

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Erstmal Matriarchat und dann sehen wir weiter.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Eigentlich backe ich besser als ich koche, es gäbe Sektschnitte und ein Glas Sekt dazu.

Was sollte niemand von dir wissen? Warum ich immer später komme.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? “Wie geht das Rezept für Sektschnitte?”

Das letzte Wort: Geht zur Prophylaxe, es ist sehr wichtig.

FOTO: Svenja Trierscheid

Angela Peltner

Angela „Ang“ Peltner hat mit ihrer tollen Dreierband „CLÄNG“ gerade die EP „Reise“ veröffentlicht. Sie schreibt von Herzen wunderbare Songs, spielt regelmäßig in Vorabendserien mit, schreibt für Magazine und immer öfter auch ein Buch. Der Arbeitstitel ihres neuen Romans lautet „Songs für Greta“ (Sorry an den Verlag für die gerissenen Deadlines!). Ang ist auf der Suche nach allem, was ihr Herz schneller pochen lässt. Dabei holt sie sich gern blaue Knie, aber auch Ausschläge, die bis zum Himmel reichen. Sie liebt das große Gefühl, eine Prise Drama und kann mittlerweile auch gut damit umgehen. Sie selbst sagt über sich: „Ich bin der lebende Beweis, dass es dauern kann mit der Erfüllung der Träume. Und dass genau dieser Umstand nicht schlimm ist. Jeder und alles hat seine Zeit.“

Name: „Ang“ Angela Peltner
Alter: Irgendwas zwischen 30 und 40.
Wohnort: Berlin Baby
Beruf: Wenn ich das wüsste. Irgendwas zwischen Künstlerin und Arbeiterin
Schuhgröße: 39
Lieblingsohrwurm: „I follow Rivers“ von Lykke Li
Kontakt: instagram.com/angelapeltner

Was ist gute Kunst? Dafür gibt es keine Tabelle, keine Quote. Gut ist, was gefällt. Was eine Verbindung schaffen kann. Ein Gefühl auslöst. Punkt.

Wer oder was inspiriert dich? Menschen, die ihr Talent, ihr gutes Herz und ihre Stimme nutzen. Die irgendwie nicht müde werden, nach dem „Warum nochmal war das die letzten 1000 Jahre so und warum können wir es nicht ändern?“ zu fragen.

Was schätzt du am meisten an deinen Bandkollegen? Bedingungslose Verbundenheit. Ich liebe diese zwei Männer. Lars, Christian und ich machen schon so viele Jahre zusammen Musik, da kennt jeder seine Aufgaben. Bei uns fährt niemand dem anderen in die Parade. Es ist ein loyaler Boden, auf dem ich tanzen kann, und, wenn ich zu viel getrunken habe, weiß ich, dass die Jungs es schaffen, mich zufrieden und versorgt in mein Bett zu bringen.

Zu welcher Musik tanzt du am liebsten? Alles, was meine Atome besonders mögen. Viel Melodie. Gerne mit etwas treibendem Beat. Ich bin tatsächlich sehr Pop- und Rockmusik orientiert.

Welche tolle Textzeile hättest du gerne selbst geschrieben? Dafür reicht kein Papier der Welt. Ich liebe die Texte von Alanis Morissette oder Lorde. Kann mich da kaum beschränken. Aber alles was todesehrlich und auch ironisch sein kann, kriegt mich.

Was wolltest du mal werden, wenn du groß bist? Ich weiß noch, dass ich mit circa sechs Jahren zu meiner Mama und Bruder gesagt habe, dass ich viel Freiheit brauche. Dass ich, wenn ich groß bin, „frei sein“ ausüben will. Es war ein Graus für mich, dieser sogenannte Alltag. Außerdem haben wir damals jeden Tag „Auf der Bühne performen geübt“. Also mein großer Bruder und ich. Ich glaube, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, hatte ich wohl mehr Spaß daran, die Sessel und das ganze Inventar zu einer großen Bühne zu bauen, als er. Zumal mein großer Bruder eigentlich die ganze Drecksarbeit machen musste. Also danke Martin, für die prägenden Jahre.

Wann hast du zuletzt etwas Neues ausprobiert und was war das? Wir mussten im Zuge der Corona-Problematik auf unsere Freunde und Fans zurückgreifen, als es darum ging unserer Single „Berlin, Berlin“ ein schönes Musikvideo zu verpassen. Sie sollten uns ihre Lockdown-Quarantäne-Rituale schicken. Also als Videoschnipsel. Das war grandios und hat super geklappt.

Was hat dich zuletzt emotional wirklich berührt? Puh. So viel. Da gibt es so viel Privates. Liebeserklärungen. Aber auch, wie sehr die Welt sich aufmacht. Ich spüre die Veränderung in der Gesellschaft, die vielen auch Angst macht, als eine große Befreiung. Das Alte ist immer laut. Aber ich glaube, es wird sich dauerhaft wirklich was ändern.

Du kannst einen Tag jemand anderes sein. Wer bist du und warum? Ich glaube, ich wäre gerne Marie Curie. Ich wäre auch gern so ein Genie gewesen. Physik und Chemie. Ich meine, Hallo. Ich würde auch so gerne etwas entdecken und erfinden. Sie hat mich sehr inspiriert. Darum habe ihr auch ein neues Lied gewidmet. Und mit meinem Wissen heute, hätte ich der Marie Curie von damals auch sagen können, dass sie mit der Radioaktivität aufpassen soll. :-)

Was bereust du bisher noch nicht getan zu haben? Ein Auslandssemester. Ansonsten gibt es nichts zu bereuen. Ich bin immer im Jetzt.

Wenn wir dich zu Hause besuchen, was würdest du für uns kochen? Puh. Hauptsache gute Zutaten, fettig und geil. Da spricht der Stier in mir. Ich muss genießen dürfen. Ich liebe alles mit Kartoffeln in Verbindung mit Ofen, viel Knoblauch, überbackenes mit Feta und Gemüse. Aber auch Bouletten. Mach dich auf ein Gelage gefasst!

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? So viel Macht will ich gar nicht. Viele Menschen bedeuten immer viele Probleme. Vielleicht müsste man zwischen Politik, Wirtschaft und Volk so eine Art Mediatoren-Team einsetzen, die quasi im ständigen Austausch untereinander sind. Ansonsten geht Veränderung nur mit Liebe, Bildung und Verständnis und Ausschluss von Religion. Das sollte auch im Schulsystem eine Rolle spielen.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Ob du anderen Leuten den Beruf der Musiker*in nahelegen würdest? Ich würde sagen ja. Aber mach es von Anfang an so. wie Du es willst. Sei fleißig und gib nicht auf.

Was sollte niemand von dir wissen? Ich kenn den Vorgarten von Jimmy Kimmel. Aber eingeladen hat er mich nicht. :-)

Das letzte Wort: Seid lieb zueinander! Ernsthaft. Und glaubt nicht den Scheiß der anderen. Ihr wisst schon, was für Euch gut ist.

FOTO: Philipp Christopher

Mercedes Lauenstein & Juri Gottschall

Die Schriftstellerin und Journalistin Mercedes Lauenstein und der Fotograf und Journalist Juri Gottschall haben sich zusammengetan, um der Welt, respektive uns, das Leben mit italienisch kulinarischer Lebensart – inklusive Tipps zu guten Lebensmitteln, hochwertigen Produkten und deren Erzeugern – zu versüßen. Kein Wunder, schließlich leben die beiden je zur Hälfte in München und Norditalien. Ihr Splendido Magazin steht ganz weit oben auf unserer persönlichen Online-Favoritenleseliste. Vor allem der liebevoll kuratierte Newsletter mit sieben Rezepten für die kommende Woche hat es uns angetan. Mamma Mia! Seit Neuestem gibt es auch noch einen Splendido Superstore (Hirn-Explosions-Emoji), in dem auch eine eigene Modekollektion und Juris Fotografien zu haben sind. Nebenbei schreibt Mercedes, die für ihr Prosadebüt „Nachts“ mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet wurde, an ihrem dritten Roman. Darauf nichts weiter als die beste Arrabbiata unseres Lebens!

Name: Mercedes Leona Lauenstein / Juri Gottschall
Alter: 32 / 40
Wohnort: München & Norditalien
Beruf: Schriftstellerin & Journalistin / Journalist & Fotograf
Schuhgröße: 39 / 42
Lieblingseissorte: Stracciatella / Zitrone
Kontakt: post@mercedeslauenstein.de / post@jurigottschall.com

Beschreibe deinen Job in drei Worten:
Mercedes: Butterbrot und Peitsche
Juri: Welchen der Jobs?

Was war die beste Entscheidung deiner beruflichen Laufbahn?
Mercedes: Neben dem Mut zum Bücherschreiben: Splendido.
Juri: Das Bekenntnis zur kompromisslosen Selbstständigkeit und zum Unternehmertum. Was zwar einerseits mit viel Arbeit und Verantwortung verbunden ist, auf der anderen Seite aber auch die größten Glücksgefühle und einen echten Lebenssinn bedeutet.

Was wäre eine Sache, die du uns beibringen könntest?
Mercedes: Die perfekte Parmigiana, und wie man mühelos möglichst viele Neurosen pflegt.
Juri: Wie gutes Olivenöl schmeckt.

Für was kann man dich nachts wecken?
Mercedes: Unverhoffte Reiseangebote, Nachtwanderungen.
Juri: Steigende Bitcoin-Kurse.

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt!
Mercedes: Mein Zimmer.
Juri: Die Terrasse von Delia Morinelli in Pioppi, einem kleinen Dorf im Cilento.

In welcher Beziehung bist du ein Spießer?
Mercedes: Extrem strenge To-Do-Listen.
Juri: Manche würden sagen: Ordnung. Ich finde das aber gar nicht spießig, sondern selbstverständlich.

Eine Begegnung, die du nie vergisst:
Mercedes: Die mit Juris Kochkünsten.
Juri: Paul McCartney in seiner Garderobe vor einem Konzert.

Mercedes, beschreibe Juri in einem Satz: Beneidenswerte Menschenkenntnis, feine Beobachtungsgabe, geradezu unheimliches Multitalent und wandelnder Wissensspeicher, außerdem zuverlässigster Mensch, den ich kenne und die beste Entscheidung meines Lebens.

Juri, beschreibe Mercedes in einem Satz: Mercedes hat ein großes Talent für nahezu alles.

Deine Regeln für eine erfolgreiche Party:
Mercedes: Keine Ahnung, aber wenn’s eine Mischung aus Grande Bellezza und Holly Golightlys Hausparty wird, ist es vollbracht.
Juri: Ein gutes Buffet und bitte keine schlechte Musik.

Italien ist…
Mercedes: … eines der schönsten Rätsel, die ich kenne.
Juri: …widersprüchlich und wunderschön.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Mercedes: Die Wertschätzung der Deutschen für den Preis guter, fair hergestellter Lebensmittel.
Juri: Ein größeres Bewusstsein für mehr gute Gestaltung und Qualität im Alltag. Es sind oft nur kleine Dinge, die einen großen Unterschied machen. Außerdem weniger billige Lebensmittel, Mode, Möbel usw., für die Menschen ausgebeutet werden, über die man sich als Konsument nur ärgert und die sowieso wieder sofort auf dem Müll landen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Mercedes: Je mehr ihr seid, desto unkomplizierter. Vermutlich nichts weiter als die beste Arrabbiata eures Lebens, dazu einen kühlen, trockenen Lambrusco.
Juri: Kommt auf die Jahreszeit an. Jetzt im Hochsommer bestimmt irgendwas mit frischem Gemüse und Kräutern. Später gäbe es Obst und eine Käseplatte.

Was sollte niemand von dir wissen?
Mercedes: Wie ich als Kind meine ungenießbaren Schulbrote entsorgt habe.
Juri: Meinen Kontostand.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Mercedes: Warum hasst du Fahrradfahren?
Juri: Wie spät ist es?

Das letzte Wort:
Mercedes: Trotzdem.
Juri: Fore!

FOTO: Splendido Magazin

Martin Schnippa

Könnt ihr euch noch an den Typen erinnern, der sich im BVG Spot in die Geheimnisse der Zugverspätungen und Lautsprecherdurchsagen einweihen ließ? Das war Martin. Oder Dieselmaat „Dieter“, wie er in der Neuverfilmung von „Das Boot“ hieß. Gut im Geschäft ist er also, der Freund unserer lieben Mitarbeiterin Anna. Oder besser gesagt, war er. Denn aktuell gibt es für Schauspieler*innen nicht viel zu tun, außer jeden Morgen den eigenen Kaffeesatz zu deuten, wann wieder Filme, TV-Sendungen oder Theaterstücke produziert werden. Viele Projekte liegen auf Eis, werden auf unbestimmte Zeit verschoben und Produktionsfirmen, Theatercompanys und Kinos geraten in finanzielle, existenzbedrohende Probleme. Was bleibt: Urban Gardening und Hochbeete bauen, zu Mischkulturen und Wildbienen lernen, Lastenfahrräder probefahren und Fotoshootings mit Milchbärten überstehen. Und schlecht tanzen natürlich.

Name: Martin Schnippa
Alter: 31
Wohnort: Berlin
Beruf: Schauspieler
Schuhgröße: 40
Lieblingsfilmzitat: „Is this real life?“
Kontakt: Meine Agentur: kontakt@agentur-gipfelstuermer.de

Worauf achtest du, wenn du jemandem zum ersten Mal begegnest? Augen, Hände, Offenheit, Schuhe. In dieser Reihenfolge.

Wer kennt dich wirklich? Meine Steuerberaterin. Liebe Grüße!

Wann macht dich deine Arbeit glücklich? Am glücklichsten bin ich, wenn ich mit Menschen gemeinsam an einer Vision arbeiten kann.

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Trust the process. Dranbleiben und ackern!

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt? Eher: Was hat mich in letzter Zeit wirklich kalt gelassen?

Was ist dein verstecktes Talent? Ich kann gut meine Meinung auf den letzten Drücker ändern. Die Leute in meinem Umfeld lieben das.

Was machst du gerne und wird nie langweilig? Erfolge feiern. Die kleinen und die großen.

Welches war das schönste Kompliment, das Dir jemand einmal gemacht hat? Den konkreten Wortlaut eines Kompliments merke ich mir selten. Eher, wie es sich anfühlt, wenn Personen etwas Nettes sagen.

Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte: „Der Bär, der nicht da war“ von Oren Lavie. Danke, aus!

Würdest du lieber gegen eine Ente kämpfen, die so groß ist, wie ein Pferd, oder gegen hundert Pferde, die so klein sind, wie Enten? These: Egal, ob Dich hundert entengroße Pferde, Hundewelpen oder Maikäfer angreifen, alles macht Dich fertig, weil es so viele sind. Eine pferdegroße Ente könnte ich besser verkraften, weil die alleine ist.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Der S-Bahn Ring in Berlin wird autofreie Zone.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Thüringer Klöße (die schmecken mir am besten…).

Was sollte niemand von Dir wissen? Ich hab keine Geheimnisse. Versprochen.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Leberwurstbrot: mit Butter oder ohne?

Das letzte Wort: Seid lieb zueinander!

FOTO: Bernd Brundert

Else Edelstahl

Else Edelstahl verpflichtete sich im Alter von 16 Jahren „der Hommage an das Nachtleben der Zwanziger Jahre“. Also nicht die jetzigen 20er, sondern die vor 100 Jahren. Mit ihrer Veranstaltungsreihe „Bohème Sauvage“ in Berlin, Köln, Hamburg, Wien und Zürich schuf sie dem Jahrzehnt und irgendwie auch sich selbst ein weltweites Denkmal (die Formulierung wird sie hassen). ;) Aber ohne Quatsch, wer jemals irgendwo, irgendwas mit 20er Cabaret, Zirkus, Burlesque und sonstigen Events rund ums Thema erleben möchte, kommt an ihr aus gutem Grund nicht vorbei. Wir haben auch schon bei zahlreichen Events von ihrer Expertise und wundervollen Art profitiert. Else ist außerdem Koproduzentin des „Kabarett der Namenlosen“, sowie des „Berlin Burlesque Festivals“. Doch genug der Vorrede, die nächsten 2 plus X witzigen, inspirierenden, schlauen Minuten gehören dir, liebe Else.

Name: Else Edelstahl
Alter: 39
Wohnort: Berlin
Beruf: Veranstalterin
Schuhgröße: 40
Lieblingsepoche: 20er (19hundert!)
Kontakt: bureau@boheme-sauvage.de

Du kannst mit einer Zeitmaschine reisen, welches Jahr stellst du ein und warum? Ich würde gerne dahin reisen, wo es noch keine Zeitmessung gab, keine Zivilisation, kein Besitz, also ähnlich wie in einem noch von uns unentdeckten Urvolk geboren worden zu sein. Oder natürlich 1926 in Berlin, weil das eine aufregende Zeit war.

Wer oder was inspiriert dich? Mikro- und Makrokosmos, Natur, Philosophie, gute Bücher und außerdem Menschen und Dinge, die ich nicht verstehe, aber irgendwie mag.

Was bedeutet beruflicher Erfolg für dich? Aktuell: Etwas geschaffen zu haben, was es vielen Menschen wert ist zu unterstützen – unsere Crowdfunding Kampagne. Meinen – nicht zu viel und nicht zu wenig – Lebensstandard mit etwas aufrecht erhalten zu können, was mir und anderen gefällt, ohne jemandem oder etwas dabei zu schaden. Ansonsten hab ich lieber Zeit als Geld.

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Nicht schlecht über andere hinter deren Rücken reden, blöde Gefühle und Konflikte direkt mit der Person besprechen. Ich übe noch! Eigenes Handeln und Denken ständig hinterfragen, updaten, Sinne schärfen.

Welches Kunstwerk würdest du gerne besitzen? Gar keins. Kunst ist für alle da.

Welche drei Dinge dürfen auf einer 20er Jahre-Party nicht fehlen? Abgesehen vom offensichtlichen: Gäste aller Couleur mit Phantasie, Esprit und Verve, die sich nicht in Klischees verlieren, ein Hazer, die geheimen Separées.

Wenn dein Leben verfilmt würde, welche*r Schauspieler*in würde dich spielen? Ohne Make-Up wird mir oft gesagt, ich hätte Ähnlichkeit mit Uma Thurman. Mit Make-Up: Marlene Dietrich.

Was wolltest du mal werden, wenn du groß bist? Regisseurin oder Prinzessin.

Wenn du drei historische Personen zum Essen einladen könntest, welche wären das? Maria Magdalena, Kurt Tucholsky und Erich von Stroheim.

Dein Song für die Ewigkeit? „Talk to me“ von den Tindersticks.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die gesamte Macht auf alle gleichmäßig verteilen, sodass sie sich quasi selber abschafft.
Ansonsten:
– Alle AFD-Wähler für zwei Jahre mit Fahrrädern auf Weltreise schicken, in der Hoffnung, dass sie was merken.
– Anarchie als Fach im Lehrplan unterbringen – ich denke nämlich, das kann man lernen.
– Trump entmündigen und in die Obhut meiner Mutter geben.
– Vom Menschen domestizierte Tiere zu Staatsbürgern erklären. Wilde Tiere in Ruhe lassen.
– Kater und Liebeskummer werden abgeschafft.
– Anti-LGBTQler in Regenbogeneinhörner verwandeln. Dann könnten wir in Polen auf Safari gehen.
– Rassisten bekommen am ganzen Körper etwa tennisballgroße lustige, bunte Beulen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Sauerkraut mit Kartoffelpüree (vegan) und gebratenen Apfelstückchen, Räuchertofu und Zwiebeln, Kümmel und Muskat.

Was sollte niemand von dir wissen? Ich würde mit Martin Sonneborn knutschen, mit dem Ziel für „Die Partei“ ins Europaparlament einzuziehen.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Welche Zahlen gewinnen morgen im Lotto?

Das letzte Wort: Mein Lieblingszitat von Karl Valentin: Heute ist die gute, alte Zeit von morgen!

FOTO: Ronny Zeisberg

Mounira Latrache

Mounira Latrache ist Co-Founderin von Connected Business, Trainerin und seit diesem Jahr Buch-Autorin. In leitenden Funktionen bei Google, Red Bull und BMW lernte sie viel über neue Führung. Bei Google war sie außerdem als Leitung des YouTube Spaces eine der PionierInnen in Sachen Mindful Community Gründung. Heute beschäftigt sie sich vor allem mit den Themen Greater good economy, Achtsamkeit & Mitgefühl im Business, Selbstführung & Führung, Diversity & Mother Earth und widmet ihre Lebenszeit der Mission, eine Welt zu schaffen, die wir den nächsten sieben Generationen gern und mit Freude übergeben können. Kein Wunder also, dass ihr so gut wie nie langweilig ist.

Name: Mounira Latrache
Alter: 38
Wohnort: Berlin
Beruf: Co-Founder & CEO Connected Business
Schuhgröße: 38
Lieblingsfilmzitat: “Who we are is how we lead” – Brene Brown
Kontakt: contact@connected-b.com

Worauf achtest du, wenn du jemandem zum ersten Mal begegnest? Auf die Art und Weise, wie die Person interagiert.

Was war die bisher größte Herausforderung in deinem Leben? Mir zu erlauben authentisch ich selbst zu sein und meiner Intuition zu vertrauen.

Fasse dein neues Buch in einem Satz zusammen: In einer Welt, die immer weniger vorhersagbar ist, in der mehr passiert als wir erfassen können, brauchen wir einen inneren Kompass. Sich selbst zu führen und seinen eigenen Weg zu verstehen ist der erste Schritt dafür – und auch dafür, gemeinsam mit anderen neue Lösungen für eine sich verändernde Welt zu schaffen.

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt? Das Black Lives Matter Movement – weil diese Diskussion wichtig ist und es mich bewegt zu sehen, wie wir global gemeinsam trauern und über Lösungen diskutieren. Kollektiver Schmerz fasziniert mich als Teil der kollektiven Bewusstseinsveränderung, die uns bevorsteht.

Dein Soundtrack für den Sommer? Unci Maka (Grandmother Earth) von Ayla Schafer

Eine Begegnung, die du nie vergisst: Die Begegnungen mit dem Red Bull Gründer Dietrich Mateschitz – habe so vieles dabei gelernt, was mich noch heute bewegt.

Welches war das bisher schönste Kompliment, das dir jemand gemacht hat? “Du hilfst mir weniger bullshit und mehr ich selbst zu sein.”

Warum sind Pizzakartons eckig? Weil rund schon vergeben war.

Bitte vervollständige: In Berlin… können wir die Zukunft mitgestalten.

Was machst du, wenn dir langweilig ist? Mir ist so gut wie nie langweilig.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Mehr Bildung in Selbstführung, vor allem die Bereiche Emotionale Intelligenz & Kompetenz, Purpose, Schattenarbeit & Kommunikation. Die Art, wie wir Business auf dieser Welt machen – jedes Unternehmen würde die Einzigartigkeit von Einzelnen fördern, alle wüssten, was das für sie ist und gleichzeitig würde der Purpose unserer Welt und den sieben Generationen nach uns dienen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Gemüsecurry mit Quinoa und frische Erdbeeren mit dunkler Schokolade.

Was sollte niemand von dir wissen? Ich übe mich darin, genau solche Dinge laut vor Publikum auszusprechen – eine Übung mich voll und ganz zu akzeptieren, unglaublich befreiend und das Schöne daran: es verbindet ungemein.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? “Was bringt dich zum Strahlen?”

Das letzte Wort: Was sagt deine Intuition?

FOTO: Michael Romacker

Bodo Haas

Bodo und seine Firma Eventwide Berlin gehören zu unseren heimlichen Helden. Sie sind ein Grund dafür, warum es auf unseren Events immer so schön aussieht. Denn Eventwide Berlin entwirft, produziert und vermietet seit nun fast zehn Jahren Mobiliar für Veranstaltungen, Messen oder Kongresse. Seit 2016 arbeitet das Unternehmen CO2-neutral. Aktuell wird auch der gesamte Produktionsprozess der Möbel als nachhaltig zertifiziert. Der nicht vermeidbare CO2-Ausstoß dazu komplett kompensiert. Einen besseren Partner für die Realisierung unserer Veranstaltungskonzepte können wir uns einfach nicht vorstellen. Genug der Vorrede: Bodo ist nicht nur ein unheimlich sympathischer Mensch, er hat auch die ultimative Antwort auf die Schmetterlingsfrage geliefert. Das Thema Schmetterlingsfrage ist damit hochoffiziell durchgespielt und wird nicht neu vergeben.

Name: Bodo Haas
Alter: 42
Wohnort: Berlin
Beruf: Inhaber Eventwide Berlin
Schuhgröße: 43
Lieblingsmöbelstück: AP19 Papa Bear, der Armlehnstuhl von Hans Wegner
Kontakt: bodo.haas@eventwide.com

Wie sieht es bei dir zuhause aus? Von Minute zu Minute anders, da alles ständig in Bewegung ist (wir sind zu fünft…).

Was machst du morgens als Allererstes? French Toast für die Kinder (nein, nicht jeden Tag) und grünen Tee für mich (unbedingt jeden Tag)

Worauf bist du stolz? Das ist stark tagesformabhängig: mal auf die gelungene Umsetzung eines großen und langwierigen Kundenprojekts, mal auf die nicht angebrannten French Toasts.

Auf welche Idee wärst du gerne selbst gekommen? Auf die Erfindung des Klettverschlusses

Welche drei Teile hast du auf Produktion immer dabei: Handschuhe, Maßband und einen Apfel

Woran merkst du, dass du erwachsen geworden bist? Leider gar nicht: die Fettnäpfchen und das Lehrgeld sind nach wie vor stark präsent. Man sollte ja meinen, das wird irgendwann besser. Man wird älter, ja klar. Und auch die Erfahrungen im Guten wie im Schlechten sind größer und mehr. Aber irgendwie nimmt man sich selbst ja doch immer mit…

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt! Das obere Kirnitzschtal in der sächsischen Schweiz

Was haben Schmetterlinge im Bauch, wenn sie verliebt sind? Nektar? Warme Luft? Nein, Helium, ganz klar! Ist leichter als Luft und macht eine Mickeymaus-Stimme. Und anscheinend auch high, wenn man der Flugbahn eines frischverliebten Schmetterlingpaars nachschaut.

Du liest ein Buch und stellst fest, dass es ein Roman über dein Leben ist. Liest du weiter? Da ich ein sehr langsamer Leser bin, wäre die Story immer tagesaktuell und somit wie ein Tagebuch. Also eher zeitgleich und keine Vorausschau… und wenn es dann noch griffig formuliert ist, würde ich das Buch wohl gerne lesen.

Woraus schöpfst du Energie? Kurzfristig aus dem Apfel. Und natürlich aus der Hoffnung, durch verantwortungsvolles Handeln in meinem kleinen Kosmos einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten.

Wem möchtest du gern ein Kompliment machen und welches? Ich mache viel zu selten Komplimente, merke ich gerade. Vor allem spreche ich sie nicht aus! Man kritisiert ständig und an allem rum und glaubt auch noch, wenn es argumentativ belegbar ist, müsse es jeder verstehen und darf nicht gekränkt sein. Aber ein Lob spricht man sehr selten aus, obwohl es einem weder weh tut noch erklärt werden muss. Einfach sagen, was man gut findet. Also los, und zwar sofort.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Im Winter Hühnersuppe, eh klar. Im Sommer aber wahrscheinlich auch, weil ich wenig Gerichte zubereiten kann, die aus fünf Zutaten so viele Geschmacksnuancen hervorbringen können. Außerdem werden auch sicher alle satt, nach dem Sprichwort: “Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß´ alle willkommen.“

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ungerechtigkeit abschaffen, im Großen wie im Kleinen: jeder Mensch hätte die gleichen vorurteilsfreien Chancen (möglichst viele), hätte aber auch die gleichen Ansprüche auf den Verbrauch von Ressourcen (möglichst wenig).

Was sollte niemand von dir wissen? Warum ich manchmal Dinge verschweige.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Warum ich mich beruflich für die Möbel und gegen die Fotografie entschieden habe.

Das letzte Wort: Vielen Dank für die schönen Fragen und die Geduld mit mir (siehe Kompliment-Frage, hihi)

FOTO: privat

Kristin Graf

Kristin Graf hat drei Kinder. Die ersten beiden Geburten erlebte sie wie viele Frauen als extrem schmerzhaft, beinahe traumatisch. Beim dritten Kind sollte alles anders werden. Und das wurde es. Durch eine selbst entwickelte, aber an HypnoBirthing angelehnte Methode erlebt sie eine komplett schmerzfreie dritte Geburt. Das hat sie so tief beeindruckt, dass die Schauspielerin für immer von der Bühne kletterte, um seither so viele Frauen wie möglich auf dem Weg zu einer positiven Geburtserfahrung zu unterstützen. Ihre Coachings und Kurse zur „Friedlichen Geburt“ sind uneingeschränkt großartig und völlig zurecht wahnsinnig erfolgreich. Aktuell gibt Kristin täglich um 10 Uhr auf Instagram eine Live-Meditation, nimmt wöchentlich eine neue Podcastfolge auf und arbeitet an einem schönen, geheimen Projekt, das sie aber noch nicht verraten darf…

Name: Kristin Graf
Alter: 41
Wohnort: Noch Berlin, aber wir ziehen in drei Wochen nach Kleinmachnow.
Beruf: Mentaltrainerin und Hypnose-Coach, Podcasterin, YouTuberin und natürlich Mama
Schuhgröße: 39
Lieblingsort in Berlin: „Mutter Fourage“ in Wannsee
Kontakt: info@die-friedliche-geburt.de

Hast du Kinder? Ja, sie sind 8, 12 und 14 Jahre alt.

Die wichtigste Botschaft, die du in deinen Kursen vermittelst, lautet: Freue dich auf deine Geburt und bereite dich gut auf sie vor, so wie du es auch bei anderen körperlich und mental herausfordernden Ereignissen wie einem Marathon oder einer Abschlussprüfung tun würdest. Konzentriere dich während der Geburt ganz auf dich und deinen Körper und entspanne dich gleichzeitig tief. Sorge immer für dich und hole dir Hilfe, wenn du Unterstützung benötigst.

Wann macht dich deine Arbeit glücklich? Wenn ich die Geburtsberichte meiner Teilnehmerinnen lese und sie so glücklich klingen wie ich nach der Geburt meiner Tochter. Und natürlich auch, wenn mich Hebammen und Ärzt*innen empfehlen oder Frauen nach der Anmeldung in der Klinik berichten, dass die Hebamme sagte: „Ah, mit Kristin, das ist großartig!“

Was hast du in den letzten Wochen über dich selbst gelernt? Dass nur ich selbst für mein Glück verantwortlich sein kann. Dass die Beziehungen im Außen meine Beziehung zu mir selbst spiegeln und es genauso wichtig ist, für mich selbst zu sorgen, wie für andere.

Was nimmst du dir schon länger vor, schaffst es aber irgendwie nicht? Ein Wochenende frei zu haben und wirklich nicht zu arbeiten. Und wenn ich das geschafft habe, nehme ich mir das gleiche für eine Woche Urlaub vor! Das wird herrlich!

Wen rufst du am häufigsten an? Ganz eindeutig meinen Mann.

Wessen BRAVO-Poster hattest du früher an der Wand? Oh Gott, wie hieß der denn noch mal? Richard Grieco! Da war ich aber noch echt jung…

Was tust du, wenn dich etwas bedrückt? Ich versuche, dem Gefühl auf den Grund zu gehen und es zuzulassen, damit es sich lösen kann. Und oft kann man ja auch ganz praktisch etwas tun, dann schaffe ich die Ursache gern schnell aus der Welt.

Wer kennt dich wirklich? Mein Mann!

Wann hast du dir das letzte mal gewünscht, dass der Tag nie aufhört? Das war bestimmt an meiner Lieblingsstelle am Wannsee mit meinen Kindern.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde den Hunger in der Welt ausrotten, Kriege befrieden und Genitalverstümmelung an Mädchen verhindern.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Wahrscheinlich ein Cocos-Curry-Gericht mit Reis und Gemüse.

Welche Superheldenkraft hättest du gern? Teleportation!!!

Was sollte niemand von dir wissen? Dass ich überhaupt nichts von Technik verstehe, obwohl ich ein Online-Unternehmen leite.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Ob ich auch mal überfordert bin, gereizt und unperfekt, so wie alle anderen Mütter. Die Antwort ist: Ja! Instagram zeichnet immer eine schöne Fassade, und ich mag das auch, aber niemand sollte sich davon unter Druck setzen lassen.

Das letzte Wort: Wenn du gerade schwanger bist, schau dir Tiergeburten an. Wie friedlich die Tiere in freier Wildbahn ihre Jungen gebären ist so beeindruckend, und genau so können wir Menschen das auch, wenn wir wieder zurückfinden zu unserem Instinkt.

FOTO: Josephine Neubert

Oliver Bischoff

Stell dir vor, du hast noch nie einen Kuchen gebacken, eröffnest trotzdem ein Restaurant, das ausschließlich Dessert serviert, bekommst deinen zweiten Michelin-Stern im März 2020 und dann das! Gut, man könnte die Pandemie-bedingte Zwangspause als Katastrophe erleben, man kann sie aber auch als eine Phase verstehen, die uns zu Innovation anspornt und Chancen hervorbringt. So sieht das zumindest Oliver Bischoff. Der gebürtige Hamburger hat mit seiner Gastronomie-Beratung ett la benn nicht nur bei gefühlt jeder gastronomischen Innovation seit 2006 die Finger im Spiel, er betreibt auch gemeinsam mit René Frank das weltweit gefeierte CODA in Berlin und ist Gründungsmitglied des Berlin Food Kollektiv, einem neu gegründeten Zusammenschluss selbstbestimmter Gastronomen und Hoteliers. Was sonst noch so ansteht? Wird nicht verraten. Nur so viel: es hat mit dem größten Transformationsprozess aller Zeiten zu tun. Hallo, nachhaltigere Welt!

Name: Oliver Bischoff
Alter: 41
Wohnort: Berlin
Beruf: Gestalter, Gastronom, Gastro-Consultant
Schuhgröße: 43
Lieblingsgewürz: Kardamom
Kontakt: oliver@coda-berlin.com

Silvester 2020: Was werden wir uns über das vergangene Jahr erzählen? Wir werden lange warten müssen bis ein Jahr wieder so viel Innovation und Chancen hervorbringt. Wer auf soliden Beinen stand und querdenken kann, wird von diesem Jahr eher profitieren als verlieren.

Beschreibe deinen Job in drei Worten: Innovation in Food

Was hast du in der letzten Woche über dich gelernt? Mal wieder bestätigt sich, dass ‘Entschlossenheit‘ eine große Stärke ist. Die Füße still zu halten ergibt für mich derzeit sehr viel Sinn. Chancen ergeben sich zu oft im Leben, da macht es am meisten Spaß auf die richtigen zu warten.

Worauf achtest du, wenn du jemandem zum ersten Mal begegnest? Dass mein Gegenüber anders ist und mindestens zwei Dinge viel besser kann als ich.

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt? Das CODA bekam im März 2020 seinen zweiten Michelin Stern. Wir sind erst dreieinhalb Jahre alt, das war sehr überwältigend. Dabei wollten wir eigentlich nur das Dessert revolutionieren. Insgesamt sind unsere Bewertungen so positiv, dass wir jetzt auch nicht Halt machen werden.

Welche geniale Idee hättest du gern selbst gehabt? Keine, weil ich sie wahrscheinlich nicht so gut umgesetzt hätte wie die- oder derjenige, der sie selbst hatte.

Was müsste unbedingt noch erfunden werden? Eine Maßeinheit, die den Einfluss jedes Einzelnen auf unsere Umgebung messbar macht.

Was kannst du gar nicht? Nichts tun, und das ist ein Problem, weil nichts tun bei mir zu einer inneren Unruhe führt. Ich würde recht oft gern einfach mal nichts tun, geht aber nicht.

Wie würden dich deine Eltern beschreiben? Ich kann so viel sagen: Meine Eltern haben anfangs immer Zweifel, ob meine Pläne aufgehen. Ich folge meiner Überzeugung hingegen so lange, bis das Ziel erreicht ist. Das würden meine Eltern mittlerweile unterschreiben.

Was bereust du bisher noch nicht getan zu haben? Ein Sabbatical, auch wenn es sich grad ein wenig danach anfühlt – und eine Familie gründen, da ich den Beruf bislang immer vorgezogen habe. Aber das kann sich ja noch ändern.

Wen bewunderst du und warum? Menschen, die ohne Angst durchs Leben gehen und dabei die Welt positiv verändern.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Alle Menschen mit überdurchschnittlicher sozialer Intelligenz und viel Empathie versehen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Gemüse der Saison im Ganzen gegrillt, ganz pur und nur das Produkt im Fokus. Es gibt wenige Dinge, die ich lieber tue als Kochen, und, zum Leid anderer, dauert es immer Stunden, auch wenn ich nur Gemüse grille.

Was sollte niemand von dir wissen? Ich habe noch nie einen Kuchen gebacken. Als ich mit der Idee um die Ecke kam, ein Dessert-Restaurant zu eröffnen, hielten mich eigentlich alle für bekloppt.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Was ich privat so mache…

Das letzte Wort: Gemeinsam sind wir stark. Einzelkämpfer werden gegen ein Kollektiv verlieren.

FOTO: Lisa Dietermann

Sandy Bartsch & Felix Göllner

Ein besonderer Reiz unserer 2 Minuten-Doppel-Interviews besteht darin, dass wir die Protagonisten getrennt voneinander befragen. Selten, nein NIE zuvor hat das zu so wunderbar komischen, sympathischen und – man muss es so sagen – grund unterschiedlichen Antworten geführt. Sandy und Felix sind ein Paar, also ein echtes. Sie arbeiten beide in der Musikbranche und machten sich im Winter 2019/20 auf eine fünfmonatige Elternzeitreise mit ihrem Sohn Filip und Säugling Benedict nach Südostasien. Zum Ende der Reise war die Welt plötzlich eine andere und sie saßen im Paradies fest, bis sie per Rückholaktion wieder nach Deutschland kamen. Die freiwillige Elternzeit hat sich seither um zwei unfreiwillige Monate verlängert. Wie das so ist und warum das Ganze? Lest selbst!

Name: Sandy / Felix
Alter: noch 36 / 36
Wohnort: Berlin-Mitte / Berlin
Beruf: Angestellte Officemanagerin bei Beatport in Teilzeit & selbstständige Visionärin immer auf der Suche nach neuen Business-Möglichkeiten / Musik-PR
Schuhgröße: 37/38 / 44
Lieblingslied: Massive Attack – Unfinished Sympathy / Hot Chip – Flutes (Aber eigentlich jeden Tag ein anderes)
Kontakt: via Instagram / info@unreeel-records.com

Hand aufs Herz, würdest du alles nochmal genau so machen?
Sandy: Nein, es gab viele Verirrungen in meinen 20ies muss ich zugeben, weil ich ziemlich naiv war/bin, was mir andererseits auch viele Türen geöffnet hat. Jedoch hätte ich im Nachhinein niemals studieren sollen. Alles, was ich jetzt gut kann und liebe, habe ich intuitiv und autodidaktisch gelernt.
Felix: Klar, aber ob alles noch mal genau so passiert?

Was machen mehrere Monate Elternzeit auf Reisen mit einem?
Sandy: Es lässt dich erkennen, dass Erziehung nicht weniger anstrengend im Paradies ist. Du lebst auch in die Tage hinein, aber diese werden durch deine Kinder bestimmt. Von der freiwilligen Familienzeit sind wir aktuell in eine unfreiwillige hineingerutscht. Wir kleben somit schon fast 7 Monate aneinander, ohne wirkliche Hilfe von außen. Schlafen, Yoga und Qualitytime alleine oder zu zweit werden auf unbestimmte Zeit verschoben.
Felix: Organisationstalent schmieden, Perspektive schaffen und Familienbund stärken

Was bereust du, nicht getan zu haben?
Sandy: Ich hab so viel erlebt und auf so vielen Festen die Nächte durchgetanzt. Alles was davon geblieben ist, ist diffus und kaum in Bildern mehr vorhanden. Deswegen bereue ich es, dass die Umstände nicht schon viel früher gegeben waren, dass ich hätte Felix früher treffen und eine Familie gründen können.
Felix: Auf Reisen? (M)einen Tauchschein

Was werden wir uns in zehn Jahren über die Corona-Krise erzählen?
Sandy: Die Corona-Krise wird ein Wendepunkt für uns alle und in Pre- und Post-Corona-Zeiten eingeteilt.
Felix: Weißt du noch, wieviel Zeit wir damals mit den Kindern verbracht haben?

Deine drei besten Tipps für Homeoffice mit Kindern:
Sandy: 1. Viel Obst und Gemüse essen. Felix schnibbelt jeden Morgen einen Obstteller zurecht, von dem wir alle den Tag über naschen. 2. Kids first: Filip ist in einem Alter, in dem er sich eine gewisse Zeit gut alleine beschäftigen kann, vorausgesetzt, man hat zuvor intensiv mit ihm gespielt und bildlich gesprochen den ‘Liebesspeicher’ aufgefüllt. 3. Das richtige Mindset! Ministeps und Miniziele pro Tag, pro Woche setzen und alles andere ist zum größten Teil auch selbst gemachter Stress.
Felix: Hörspiele, Snacks, Kinderdisco

Was war bis jetzt dein größter beruflicher Erfolg und warum?
Sandy: Mein größter beruflicher Erfolg geht einher mit dem beruflichen Scheitern und der Einsicht nach dem Lehramtsstudium und inmitten des Referendariats, dass ich mich überhaupt nicht mit der Rolle des Lehrers identifizieren kann. Alles, was danach kam, war pure Selbstbestimmung.
Felix: Äh, ich hab schon mal in der Panoramabar aufgelegt?!

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt?
Sandy: Die freiwillige Arbeit und Spendenaktion von meiner Freundin Julia auf Bali (Blonde Communication via Instagram), denn dort trifft die Menschen die Corona-Krise sehr hart.
Felix: Die (Haus)Geburt unseres 2. Sohnes

Was wolltest du mal werden, wenn du groß bist?
Sandy: Das hat sich jede Woche geändert: Schauspielerin, Umweltaktivistin, Sängerin, Rechtsanwältin… :D
Felix: Pilot

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt!
Sandy: Der Liepnitzsee ist und bleibt mein magischer Ort!
Felix: Ceglarnia, Polen (der Ort, an dem wir geheiratet haben)

Sandy, beschreibe Felix in einem Satz: Vom ersten Kuss im Berghain zum Vater unserer beiden Kinder, mit dem man fünf Monate auf Elternzeitreise gehen kann – mit ihm ist das alles möglich!
Felix, beschreibe Sandy in einem Satz: Sandy ist die heißeste Frau, die ich kenne, multitalentiert, stets bedacht zu helfen und die beste Frau und Mutter, wo gibt.

Wenn du nicht mehr schlafen müsstest, was würdest du mit der zusätzlichen Zeit anfangen?
Sandy: YouTube-Videos abdrehen, Bücher/Ratgeber/Blogs schreiben, Programme lernen, mich online weiterbilden.
Felix: Ich würde ein Studio aufbauen und mir Musikproduktion beibringen, inklusive Gitarre und Keyboard. Das wär geil.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Sandy: Das aktuelle Finanzsystem durch ein gerechteres austauschen.
Felix: Armut, Obdachlosigkeit, Massentierhaltung, Müllproduktion, Krieg, Telefongebühren

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Sandy: Gemüselasagne geht immer!
Felix: Buchstabensuppe?

Was sollte niemand von dir wissen?
Sandy: Dass ich von Felix, der ein penetranter Klugscheißer ist, tagtäglich auf meine grammatikalisch falsche Aussprache hingewiesen werde, obwohl ich diejenige bin, die Germanistik studiert hat.
Felix: Sag ich nicht.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Sandy: Was hast du in den vergangenen Wochen neues gelernt? Brot backen!
Felix: Hätte hätte Fahrradkette

Das letzte Wort:
Sandy: Eine Elternzeitreise überhaupt machen zu können und in der Corona-Krise so abgesichert zu sein, zeigt mir aktuell, wie unglaublich privilegiert wir in Deutschland sind.
Felix: Supercalifragilisticexpialigetisch

FOTO: Ania Margoszczyn

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 19. Mai 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Dennenesch Zoudé

Die wunderbare Schauspielerin Dennenesch Zoudé bereitet sich gerade auf drei Filmprojekte vor, die demnächst gedreht werden sollen. Mal sehen, was Corona dazu sagt. Zuletzt war die gebürtige Äthiopierin in der Netflix Kultserie „Unorthodox“ zu sehen. Gerade wurde sie zum Mitglied des Vorstands der Deutschen Filmakademie gewählt, wo sie sich für das Thema Diversität einsetzt, damit sich die Vielfältigkeit der Gesellschaft auch auf der Leinwand abbildet. Seit 15 Jahren ist sie außerdem Schirmherrin der Stiftung Fairchance, die es sich zum Ziel gemacht hat, Kinder aus sozial benachteiligten Familien und insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund durch gezielte Sprachförderung zu unterstützen.

Name: Dennenesch Zoudé
Alter: Ist nur eine Zahl
Wohnort: Berlin/Frankfurt
Beruf: Schauspielerin
Schuhgröße: Ich lebe auf großem Fuß.
Lieblingszitat: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“ (Buchtitel)
Kontakt: denneneschzoude.com

Was erzählen wir uns in zehn Jahren über das Frühjahr 2020? Die Krise kam schleichend, wir konnten uns die weltweiten Auswirkungen nicht vorstellen. Und doch genossen wir die Verlangsamung, das Innehalten.

Drei Wörter, die dir zu „Corona“ direkt einfallen: Nicht zu schmecken, nicht zu riechen, nicht zu sehen.

Wann macht dich deine Arbeit glücklich? Wenn ich gute Drehbücher bekomme und mit Kreativen im Austausch bin.

Was ist wichtiger: Theorie oder Praxis? Für mich ist es die Praxis, ich muss Dinge umsetzen. Allerdings gilt auch: Wie soll man etwas wollen, was man es gedanklich nicht vorbereitet hat?

Die ganze Welt hört dir zu: Was sagst du? Liebt – Lebt – Genießt das Leben.

Mit welchen drei Worten würden dich deine Freunde beschreiben? Sensibel und stark, zart aber zäh. Ich weiß es sind vier..

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt! In Äthiopien, auf dem Hochplateau. Wenn man in die Weite schaut ,meine ich zu spüren, das ist der Ursprung der Menschheit.

Wie sieht es bei dir zu Hause aus? Kein Kommentar! Ich renoviere gerade…

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen? Für meine Familie und Freunde. Für ein gutes einmaliges Erlebnis – sei es die Oskar-Verleihung, ein Boxkampf oder ein Konzert.

Wenn du drei historischen Persönlichkeiten zum Essen einladen könntest, welche wären das? Muhammad Ali, Hildegard Knef, Dorothy Parker

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Armut

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Pasta Puttanesca

Was sollte niemand von dir wissen? Hahaha

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Bist Du glücklich?

Das letzte Wort: Liebt als gäbe es kein Morgen!

FOTO: Mirjam Knickriem / photoselection.de

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 13. Mai 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Anne Lakeberg

Anne ist ein schüchterner Mensch. Immer schon gewesen. Wenn ihre Mutter sie beispielsweise in der Oerlinghausener Einkaufsstraße vorschickte, um dem Gitarrenspieler auf der Straße Münzen in seinen Hut zu werfen, behagte ihr das gar nicht. Das hat sich bis heute nicht geändert. Trotzdem moderiert sie seit drei Jahren die Berlinale-Sektion ‚Berlinale Goes Kiez‘ an sieben Tagen in sieben verschiedenen Kiezkinos in der Hauptstadt. Und das kam so: Neben ihrem Studium der Soziologie und Lateinamerikanistik in Bielefeld fing sie an im Kino zu jobben. Über Umwege, einige Praktika und eine Weiterbildung zur Filmtheatermanagerin kam sie an das City Kino Wedding, eröffnete es wieder und machte diesen wunderschönen Ort auch über die Bezirksgrenzen und die Cineastenaficionadosszene hinaus bekannt.

Name: Anne Lakeberg
Alter: 37
Wohnort: Berlin
Beruf: Kinobetreiberin
Schuhgröße: 39
Lieblingsfilmzitat: Wenn ich Filmzitat mal nicht als Satz oder Sprache sondern als filmisches Zitat, also eine Szene eines Films verstehe, dann wäre es aktuell wohl das Ende von PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN. Die Kamera beobachtet Adèle Haenel, wie sie eine Oper schaut und dabei viele, viele Emotionen durchlebt, die gleichzeitig die ganze Geschichte des Films quasi Revue passieren lassen. Ich hätte diesem Gesicht und seinen Reaktionen noch Stunden zuschauen können.
Kontakt: info@citykinowedding.de

Beschreibe das City Kino Wedding in fünf Worten: Einladend, großzügig, elegant, 60ies, abwechslungsreich.

Was können wir tun, um in der Corona-Krise Kinos zu helfen? Zum Einen ist es wirklich eine große Hilfe – und viele, viele Menschen haben das schon getan! – wenn Gutscheine gekauft werden. Das kann ganz bequem online unter: citykinowedding.de/kinogutscheine gemacht werden. Damit haben wir jetzt Einnahmen und später dann die Gäste, auf die ich mich natürlich sehr freue! Zum Anderen habe ich gemeinsam mit anderen Berliner Programmkinos eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext initiiert. Damit unterstützt ihr nicht nur mein Kino, sondern eben die Vielfältigkeit der Berliner Programmkinoszene, was mir selbst auch ein großes Anliegen ist.

Was können wir alle aus den vergangenen Wochen lernen? Ich finde es sehr faszinierend, mit wie viel Unsicherheit die Menschen doch umgehen können. Ich selbst bin schon auch ein stückweit ein Kontrollfreak und ich denke, viele Menschen heutzutage sind das. Gerade lässt sich aber wenig kontrollieren, planen, vorausschauen. Verrückt, dass wir nicht alle komplett durchdrehen deshalb! Irgendwie finde ich das auch eine gute Herausforderung, mal loszulassen und sich zu lösen von dem großen Bedürfnis alles in der Hand zu haben.

Welchen Film möchtest du als Erstes zeigen, wenn das Kino wieder öffnen darf? Wie auch schon vor der Corona Krise darf WEDDING von 1989 nicht fehlen. Das ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, denn der erzählt eine kleine (fiktive) Geschichte aus dem Berliner Wedding vor der Wende und ist ein Stück Kiezkultur und irgendwie schon Kult, obwohl wir ihn erst seit einem Jahr ausgegraben haben und bei uns zeigen. Und fast immer, wenn er läuft, ist einer der Hauptdarsteller, Harald Kempe, zu Gast und erzählt den Gästen vom Dreh, von der damaligen Zeit etc. Abgesehen von WEDDING hoffe ich auf Filme, die eigentlich schon hätten starten sollen wie BERLIN ALEXANDERPLATZ von Burhan Qurbani und UNDINE von Christian Petzold. Als erstes werde ich sie wohl nicht zeigen, aber so schnell wie es mir der Verleih erlaubt!

Was macht dich an deiner Arbeit glücklich? Natürlich macht es mich sehr glücklich, wenn das Kino voll ist, die Leute kurz vor der Vorstellung alle aufgeregt in ihren Sesseln sitzen, es kaum erwarten können, dass der Film losgeht. Diese Stimmung, die fühlt man richtig in der Luft, wie ein Vibrieren, und die ist toll. Aber ich mag es auch die Leute zu beobachten wie sie aus dem Saal kommen, zu schauen, wie ihre Stimmung ist. Und letztlich macht es mir auch Spaß, ganz allein am Schreibtisch ein Programm fertigzustellen, es in seiner Gänze zu sehen und zu rätseln, wie es wohl ankommt. Sobald ich es in die Welt hinauslasse und sehe zum Beispiel wie der Vorverkauf läuft oder wie die Reaktionen in den Sozialen Medien sind, sehe ich auch, wo ich einen guten Riecher hatte und wo eher nicht. Und das ist echt oft sehr erstaunlich.

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Dass man sich selbst und seinen Werten und Vorstellungen treu bleiben muss. Wenn man sich verbiegt, kommt meistens einfach nichts Gutes dabei raus. Das ist eben so.

Wann hast du zuletzt etwas Neues ausprobiert und was war das? Ich bin kürzlich mit meinem Freund zusammen gezogen und tatsächlich ist es das erste Mal, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Aufregend, aber es ist toll! Manchmal muss man sich eben aus der comfort zone hinauswagen!

Wenn dein Leben einen Soundtrack hätte, von wem wäre der? Leonard Cohen und Sufjan Stevens zusammen! Und vielleicht noch eine Prise Cocorosie. Puh, klingt nach einer wilden Mischung. Umso besser!

Wer war der Held deiner Kindheit und wer ist es heute? Es gab in meiner Kindheit einen Grundschullehrer, den ich sehr bewundert hab und der mich irgendwie beeindruckte. Er war sehr groß und hat immer schwarze Anzüge getragen und eigenwillige Exkursionen mit uns Kindern gemacht, in die Natur, aber auch zu Künstlerhäusern und so was. Und er hat mich gefordert und gefördert. Ein bisschen war er wohl mein Held. Sonst konnte ich mich immer zwischen solchen Figuren wie Old Shatterhand oder Winnetou nicht entscheiden. Ich fand immer beide toll und wusste nicht, ob besser der „Indianer“ oder doch lieber der Cowboy. Heute kann ich das schwer sagen, es gibt Menschen, die ich bewundere, aber so EINE*N Held*in hab ich gar nicht.

Was ist dein wertvollster Besitz? Ich habs nicht so mit Besitz. Ich meine, ich habe schon gerne Sachen, schöne Dinge, die mich umgeben, aber ich merke doch bei vielem, dass ich auch darauf verzichten könnte wenn es sein müsste. Was mir sehr wichtig ist, ist meine Wohnung oder ein zu Hause! Aber ich bezweifle, dass ich jemals eins haben werde, das wirklich mir gehört :-)

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde gerne die Angst abschaffen. Klar ist sie ein Gefühl, das nützlich sein kann, wenn wir instinktiv Gefahr spüren und wegrennen oder so. Aber mir erscheint, dass die Angst heute in der Gesellschaft, in der wir leben, oft unnütz ist und sogar gefährlich. So oft entsteht Gewalt, Ablehnung oder Hass aus einer Angst, die nicht begründet ist. Gäbe es die Angst nicht, dann gäbe es bestimmt viele Probleme weniger in der Welt.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Ehrlich gesagt, ich kann nicht gut kochen. Ich denke, mein Freund müsste das übernehmen, denn er ist einfach viel besser darin! Vielleicht würde ich ihn fragen, ob er was mit Salbei macht. Ich liebe gerade Salbei!

Was sollte niemand von dir wissen? Ein paar Geheimnisse sollte man wohl haben!

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Was würdest du sein/machen, wenn dein Leben anders verlaufen wäre? Ha!

Das letzte Wort: Unbeschwertheit, bitte komm zurück – irgendwann!

FOTO: Anne Lakeberg

Peter Putz

Wenn in einem Interview Aristoteles, Niccolò Machiavelli und Sir Karl Popper vorkommen und dazu Nietzsche und Kant zitiert werden, dann hört man besser zu. Oder liest weiter, wie in diesem Fall. Peter Putz ist Co-Founder der Künstler*innen-Management-Agentur KARAKTER WORLDWIDE, der Talent Agentur Heavy German Shit und von Love Your Artist, einem fairen und transparenten one-stop-Onlineshopsystem für Veranstaltungen und Kreative. Darüber hinaus ist Peter als Projektconsultant tätig und hält Vorlesungen an Universitäten und bei Austausch-Programmen. Seit 2005 begleitet er Künstler*innen und Acts wie Get Well Soon, Anais Mitchell, Hundreds oder die einzigartigwunderbare Wallis Bird auf ihrem Weg. Ihm haben wir es übrigens auch zu verdanken, dass Wallis uns mit ihrem Auftritt beim MMW Festival #5 einen physisch musikalischen Moment für die Ewigkeit schenkte. Auf die müssen wir aktuell leider verzichten, was für uns natürlich ärgerlich ist. Für viele Kreativschaffende gilt es hingegen, eine wahrhaft existentielle Herausforderung zu meistern und das geht nur gemeinsam. Check: LYA

Name: Peter Putz
Alter: 42
Wohnort: Berlin
Beruf: Unternehmer in der Kreativindustrie
Schuhgröße: 45
Lieblingsohrwurm: Europa-Hymne
Kontakt: peter@karakter-worldwide.com

Was wird sich nach der Krise positiv verändert haben? Hoffentlich die bestärkte Erkenntnis, dass Nietzsche Recht hatte, als er sagte: „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“ Und ganz wichtig: Die Wertschätzung für Kitas ;-)

Fasse den letzten Monat in einem Satz zusammen: „The unexpected can happen.“

Was war bis jetzt dein größter beruflicher Erfolg und warum? Die Art und Weise, wie wir als Team gemeinsam mit den Menschen, die wir vertreten dürfen, Herausforderungen meistern und trotzdem unseren moralischen Kompass und die Lust an der Herausforderung, an Neuem und unsere Freundschaften erhalten.

Auf was könntest du in Deinem Leben nicht verzichten? Menschen um mich herum. Interessante Gespräche. Momente.

Du begegnest deinem 18-jährigen Ich. Welchen Rat gibst du dir? Zwei wichtige Punkte, an die man sich unbedingt orientieren sollte: 1. „If the grass looks greener on the other side, it’s because they take care of it.“ 2. „Gemütlichkeit ist die Relation von Zeit, Bier und Geld.“ (Gerhard Polt)

Wenn du drei geschichtliche Personen zum Essen einladen könntest, welche wären das? Aristoteles, Niccolò Machiavelli und Sir Karl Popper

Was ist das lustigste deutsche Wort? Fremdschämen

Wo fühlst du dich zuhause? In Berlin.

Was ist dein wertvollster Besitz? Optimismus. Kant soll einmal gesagt haben, es gebe auch eine sittliche Pflicht zum Optimismus.

Welche Superheldenkraft hättest du gern? Zeitmanipulation

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die Frage ist so groß, dass sie schwer zu beantworten ist. Ich könnte jetzt die offensichtlichen Punkte, wie Auf Mutter Erde zu schauen, Verteilungs-Gerechtigkeit, Weltfrieden, den Respekt unter Kulturen etc aufzählen. Das ist hoffentlich alles klar. Ich glaube die Antwort, die das alles eher real machen würde, wäre: Zugang zu bestmöglicher Bildung für alle Menschen. Das würde viele andere Probleme lösen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Wiener Schnitzel. Oder Käsekrainer.

Was sollte niemand von dir wissen? Eben.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Nicht diese.

Das letzte Wort: Omega.

FOTO: Jens Öllermann

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 29. April 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Kübra Gümüşay

Kübra Gümüşay ist Autorin und Aktivistin. Sie studierte Politikwissenschaften in Hamburg und an der School of Oriental and African Studies der Universität von London. Laut Deutschlandradio gehört sie zu den prägenden Köpfen des Islam in Deutschland. Ihr erstes Buch „Sprache und Sein“ handelt von der Sehnsucht nach einer Sprache, die Menschen nicht auf Kategorien reduziert. Sie geht darin der Frage nach, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Sie beschreibt, wie Menschen als Individuen unsichtbar werden, wenn sie immer als Teil einer Gruppe gesehen werden – und sich nur als solche äußern dürfen. Momentan arbeitet sie neben einigen spannenden Projekten, von denen sie allerdings noch nicht mehr erzählen kann, auch an ihrem nächsten Buch. Wir können es kaum erwarten. Teşekkür ederim!

Name: Kübra Gümüşay
Alter: 31
Wohnort: Hamburg
Beruf: Autorin
Schuhgröße: 39
Lieblingsort: Überall dort, wo ich mich inmitten von Herzensmenschen bewegen kann – an festlichen Tischen, bei gemeinsamen Projekten, in unseren Wohnzimmern – oder auch: in den Büchern, also Bergen von ihnen, in Bibliotheken.
Kontakt: kubragumusay.com

Fasse die letzten drei Wochen in drei Worte zusammen: Umbrüche, Neuanfänge, Zukunft

Was erzählen wir uns in zehn Jahren über die Corona-Zeit? Ich werde für mich persönlich wahrscheinlich eben diese drei Wörter nutzen. Was für eine gesamtgesellschaftliche Erzählung stattfinden wird, hängt davon ab, was wir aus und in diesen Zeiten machen. Unsere Zukunft, so viel steht fest, wird uns nicht einfach passieren. Und das, was an den Grenzen unserer Gesellschaft und unseren künstlichen Landesgrenzen passiert, erzählt aber jetzt schon viel über uns und diese Zeit.

Was macht dich richtig zufrieden? Wenn ich spüre, wie ich dazulerne, wachse. Wenn ich mit einem Menschen eine neue, tiefe Verbindung aufbaue. Wenn ich in einem Raum Liebe, Zugewandtheit, Freude füreinander spüre.

Welche Eigenschaft hast du von deinen Eltern geerbt? Die Freude am Helfen und Mitdenken.

Was kommt als nächstes? Diese Woche beginnt die Fastenzeit. Sie wird anders als sonst, aber ich hoffe, umso nachdenklicher, reflektierter und damit womöglich erfüllender, bewegender.

Du darfst den Duden um drei Wörter deiner Wahl ergänzen. Bitteschön: Muhabbet (Liebe & Zuneigung zwischen Menschen, die durch ein Gespräch entstehen kann), Yakamoz (die Reflexion des Mondes in der Nacht auf dem Wasser), yardımsever (Übersetzungsmaschinen sagen „karitativ“ sei eine gute Übersetzung. Finde ich nicht. Grob übersetzen ließe sich dieses Wort als die Beschreibung einer Person, „die es mag zu helfen“.)

Was ist gerade das Hintergrundbild auf deinem Telefon? Mein Sohn.

Was ist deine größte Schwäche? Mit jeder Stärke ist auch Schwäche verbunden, mit jeder Schwäche eine Stärke. Deshalb kann ich die meisten Eigenschaften nicht klar in „Schwäche“ oder „Stärke“ einordnen. Aber meine ausgeprägte Begeisterungsfähigkeit für ALLES, die manchmal in Zerstreuung zu kippen droht, finde ich aktuell sehr nervig.

Wen rufst du am häufigsten an? Aktuell via Mobiltelefon: Meine Familienmitglieder. Digitale Anrufe: Kolleg*innen, mit denen ich an diesen neuen Projekten arbeite.

Wofür hast du kein Talent? Zum Abmessen oder Abschätzen von Zeit.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die Strukturen unserer Gesellschaft in solche ändern, die alle gleichberechtigt umfassen und beheimaten können.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Kürbissuppe und Ofengemüse mit Hummus. Aber am liebsten koche ich mit meinen Gästen zusammen.

Was sollte niemand von dir wissen? That would defeat the purpose.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Welche Frage ich in diesem Bogen falsch beantwortet hatte (inzwischen korrigiert). (Ich hab beim Nachdenken über diese Frage gemerkt, dass ich ein höheres Alter eingetragen hatte. Wird wahrscheinlich mit meinem mangelnden Zeitgefühl und meiner Begeisterung für das nächste Alter zusammenhängen – oder auch der Tatsache, dass sich die ersten Monate dieses Jahres angefühlt haben wie ein ganzes Leben.)

Das letzte Wort: Loslassen.

FOTO: Mirza Odabaşı

Fiona Weber-Steinhaus

Was haben Stern Magazin, Spiegel Online, Guardian, Reportagen, Die Zeit und viele weitere internationale Toptitel gemeinsam? Richtig, sie alle veröffentlichen regelmäßig herausragende Reportagen von Fiona Weber-Steinhaus. Für ihre Rechechen und Geschichten ist die Deutsch-Schottin (sorry für that) auf der ganzen Welt unterwegs, beispielsweise im Nordosten des Kongo, in Bangladesch, den USA oder Sauen in Brandenburg. Dorthin hat sie die erste Frauenklasse der Ernst Busch Hochschule begleitet. Das Porträt dazu findet ihr in der aktuellen Zeit Campus. Die momentane Situation bedeutet für die Homeoffice-erprobte Fiona vor allem fertige Reportagen noch einmal anzufassen, damit sie auch in Corona-Zeiten noch aktuell zu lesen sind und das geliebte Fußballtraining mit ungleich eintönigerem Joggen zu kompensieren (we feel u). Ach ja, und dass sie sich hinten im Haar einen Dreadlock eingerubbelt hat, vom Holzwachs, mit dem sie ihren Stuhl lackiert hat (den sieht man aber bei Videokonferenzen nicht, ha!).

Name: Fiona Weber-Steinhaus
Alter: 33
Wohnort: Hamburg
Beruf: Journalistin
Schuhgröße: 38 (aber ich trage oft größere Schuhe, damit meine Füße nicht so klein aussehen)
Lieblingswort: Viele! Ich würde hier aber gerne für Satzzeichen plädieren. Wenn man ein Säckchen Satzzeichen zum Schreiben mitnimmt und nicht nur zwischen Punkt und Komma hin- und her wechselt, werden viele Texte besser – versprochen!
Kontakt: fionaws.com und hello@fionaws.com

Wie haben sich die letzten vier Wochen für dich angefühlt? Komisch. Auf der einen Seite habe ich normal Texte geschrieben und Sachen abgearbeitet, ich habe einen geregelteren Tagesablauf als sonst und das tut mir gut. Auf der anderen aber habe ich von Freunden und Bekannten aus eher politisch instabilen Ländern plötzlich Nachrichten bekommen, wie es mir ginge und ob meine Familie sicher sei. Es gibt so viele unbekannte Faktoren: Wie wirkt es sich auf die Menschen aus? Werden sich die Gräben zwischen Arm und Reich vertiefen? Wann werde ich meine Familie in Schottland wiedersehen können?

Welche drei Dinge werden nach der Corona-Zeit anders sein? Hoffentlich: zeigt diese Krise, dass vieles, was unmöglich schien, plötzlich doch möglich ist; Klimaziele erreichen, den freien Markt zu hinterfragen, Grundeinkommen. Wahrscheinlich: werden sich viele Menschen daran erinnern, wie wichtig es ist, sich gegenseitig in den Arm zu nehmen – und, leider, glaube ich, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehen wird. Ganz sicher: werde ich besser schleifen, sägen und streichen können. Mein Balkon ist schon jetzt viel schöner!

Wer gab dir den besten beruflichen Rat und welcher war das? „Andere kochen auch nur mit Wasser“ von meiner weisen und witzigen Großmutter. Der Satz hilft in Momenten des Selbstzweifels, wenn man denkt, man müsse erst promoviert haben, bevor man eine Meinung zu einem bestimmten Thema haben kann.

Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte: Ich bin eher davon überzeugt, dass die Welt besser wäre, wenn mehr Leute ihren Bibliotheksausweis ausreizen würden (oder sich Hörbücher anhören würden) – also einfach mehr lesen. Zwei Bücher, die ich immer wieder gerne verschenke: „A Little Life“ von Hanya Yanagihara und das „Das achte Leben – für Brilka“ von Nino Haratischwili (das kann man sich nach Corona auch im Hamburger Thalia Theater anschauen).

Für welche Sache kannst du dich so begeistern, dass du Essen und Trinken vergisst? Ehrlich gesagt: nichts, haha!

Welchen Beruf würdest du gerne mal für einen Tag ausüben? Profilerin. Dann kann ich endlich mein Geheimtalent, dass ich mir sehr gut Gesichter merken kann, ausnutzen – wenn sich denn Profilerinnen überhaupt Gesichter merken müssen?

Wenn Dein Leben verfilmt würde: Welche*r Schauspieler*in würde Dich spielen? Bjarne Mädel? Scarlett Johansson? Irgendwie wirken alle Antworten ein bisschen doof, oder?

Eine Begegnung, die du nie vergisst: Ich war mal mit zwei Kolleginnen bei einer Wahrsagerin, die mich sofort richtig analysiert hat. Eine Woche vorher sind wir über verquere Ecken auf einer Dachterassen-Party eines Literaturfestivals in Dhaka gelandet, wo plötzlich Tilda Swinton neben uns an der Bar stand. Das war einigermaßen skurril.

Welches war das schönste Kompliment, das Dir mal jemand gemacht hat? Mit Dir lache ich am liebsten!

Apropos: Bei welchem Film fängst du an laut zu lachen, auch wenn du ihn alleine guckst? Ich lache immer alleine bei Filmen! Wo ich wirklich laut gelacht habe (und nicht nur gekichert) war bei der Serie Fleabag (und habe mich, wie Tausende andere auch in den Priester verliebt)

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Mehr Warmherzigkeit an alle, viel mehr Geld in Kindergärten und Schulen, gerechter Lohn und gelebte Solidarität. Für mich persönlich: dass meine Haut mehr als nur Sommersprossen im Sommer bekommt; ich hasse LSF 50.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Rote-Bete-Mandel-Petersilien-Apfelsalat mit Feta – ein Gericht, das gleichzeitig Rezept ist (bzw. man sollte alles noch kleinschnippeln und zusammenhauen)

Was sollte niemand von Dir wissen? Erzähl ich nur nach 15 Gläsern Bier.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Worüber ich mich heimlich aufrege.

Das letzte Wort: Seid nett zueinander.

FOTO: Martin Jäschke

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 14. April 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Nina Skarabela-Brennenstuhl

„Iris Apfel ist mein Spirit Animal!“ Wer Nina Skarabela-Brennenstuhl zum ersten Mal trifft, weiß was sie meint. Bunt, straight und immer mit der nächsten guten Idee im Anschlag. Nina ist quasi von Geburt an Freiberuflerin, einen Angestelltenvertrag hat sie noch nie aus der Nähe gesehen. Jede Menge Grund für Unmut und Panik also momentan? Weit gefehlt. Denn sie betreibt nicht nur das vegane Beauty und Nagellack-Label OZN (schöne Finger braucht man auch für die Video Conference), sondern arbeitet außerdem als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Im Homeoffice hält sie ihre 12-jährige Tochter in Schach und telefoniert außer mit ihren regulären Klienten momentan auch mit besonders vielen Menschen, denen die aktuelle Situation zu schaffen macht oder die wieder mit alten Problemen wie Panik-Attacken zu kämpfen haben. Für die erste Stunde Beratung am Telefon verlangt sie nichts, weil sie froh ist, während der Krise etwas tun zu können, damit es anderen besser geht. Danke Nina.

Name: Nina Skarabela-Brennenstuhl
Alter: 41
Wohnort: noch München, aber ab 1.7. ziehe ich nach 5 Jahren Fernbeziehung endlich zu meinem Mann nach Berlin
Beruf: Heilpraktikerin für Psychotherapie und Gründerin des Beauty Brands OZN
Schuhgröße: 40
Lieblingsfarbe: Bunt
Kontakt: ninaskarabela.com und ozn-vegan.de

Fasse die letzten zwei Wochen in drei Worte zusammen: Homeschooling, Spazieren gehen und telefonieren.

Was macht Corona mental mit uns? Wir haben null Kontrolle über die Situation und wissen nicht, wie es weitergeht. Das macht erstmal Angst. Dazu kommt, dass viele von uns jetzt neue Strategien zur Krisenbewältigung erlernen müssen. Bislang ging man raus und hat sich abgelenkt, wenn es einem nicht gut ging. Das ist nun von heute auf morgen nicht mehr möglich.

Was wird sich nach der Krise positiv verändert haben? Ich glaube, die Erfahrung, dass sich das Blatt ganz fix wenden kann, das wird uns lange im Bewusstsein bleiben. Wir werden hoffentlich genügsamer und achtsamer sein.

Du findest einen Roman über dein Leben. Liest du weiter? Ich glaube nicht, wer will schon wissen, wie es weiter geht? Das ist doch langweilig.

Du kannst mit einer Zeitmaschine reisen, welches Jahr stellst du ein? 2500 v. Chr. Ich würde zu gerne wissen, wie die damals die Pyramiden gebaut haben, ich hab schon unzählige Reportagen darüber gesehen und so recht erklären kann das ja bis heute niemand.

Welche Superheldenkraft hättest du gern? Die Welt retten. Und als kleines Ad On: aus Sch… Gold machen.

Ohne was verlässt du nie das Haus? Handy und Labello

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Dass ich ganz allein für mich und mein Wohlbefinden verantwortlich bin.

Über welches Geschenk hast du dich in deinem Leben am meisten gefreut? Über die Frage musste ich echt richtig lange nachdenken. Ich habe in meinem Leben schon so viele wunderbare Geschenke bekommen, große und kleine, materielle und ideelle, die mir alle wahnsinnig viel bedeutet haben, ich will mich da gar nicht entscheiden müssen.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Oh Gott, da fallen mir 1000 Sachen ein, vom Klimawandel bis hin zu meinen Haaren!

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Homemade Pizza. Ich hab es leider nicht so mit kochen – sehr zum Leidwesen meiner Familie. Bei uns gibt es drei mal die Woche Pizza: den Teig macht der Thermomix und das Belegen bekomme ich gerade noch so hin.

Was sollte niemand von dir wissen? Haha, das werde ich hier gerade verraten!

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wie ich meinen Mann kennengelernt habe…

Das letzte Wort: Old ways won’t open new doors.

FOTO: Christian Brennenstuhl

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 07. April 2020 | Tags: , , Keine Kommentare

Andreas Tuffentsammer

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt.“ Der Satz stammt nicht von Andreas Tuffentsammer sondern von Forrest Gumps Mama. Schade eigentlich, denn zu ihm passen würde er allemal. Andi wurde vor neun Jahren als jüngster Koch mit dem Michelin Stern ausgezeichnet. Seitdem hat er seine eigene gastronomische Welt geschaffen, in der er sich mit allem auseinandersetzt, was gutes Essen ausmacht. Er entwickelt eigene gastronomische Lösungen, von Kochkursen über Private Dining, Supperclubs, Pop-Up Restaurants, Food Stylings bis hin zur Neu-Entwicklung ganzheitlicher Konzepte. Außerdem gibt er sein Wissen als Gastro Consultant weiter. Ach ja und dann hat er mit beets&roots eines der spannendsten Food Konzepte der letzten Jahre gegründet. Aktuell managt er seinen Alltag zwischen Corona-Krisenbewältigung und Home Cooking für die kulinarisch anspruchsvolle Kleinstfamilie. Seine Frau hat er übrigens mit Pralinen rumgekriegt. Nein, nicht so wie ihr denkt.

Name: Andreas Tuffentsammer
Alter: bald 34
Wohnort: Berlin Kreuzberg
Beruf: Koch / Unternehmer
Schuhgröße: 42.5
Lieblingssauce: Szechuan Pepper Sauce
Kontakt: andreas@beetsandroots.de

Was hast du in der letzten Woche über dich gelernt? Ich kann auch 8 anstatt 5 Stunden schlafen.

Was wird sich nach der Corona-Krise positiv verändert haben? Menschen werden flexibler in ihrem Denken und Handeln und dankbarer für die kleinen Dinge des Lebens sein.

Wie wirst du in einem Jahr auf den März 2020 zurückschauen? Glücklich, dass es doch nicht so schlimm geworden ist, wie manche angenommen haben.

Was kommt als nächstes? Ich setze gerade ein Delivery Modell für Unternehmen auf, die trotz Homeoffice ihren Mitarbeitern einen gesunden Lunch ermöglichen wollen und bei dem wir mit unserem beets&roots E-Bike den Lunch kontaktlos zu jedem einzelnen Mitarbeiter ins Homeoffice bringen.

Über welches Thema könntest du eine 30-minütige Präsentation halten, ohne jede Vorbereitung? Pralinen – meine Frau erzählt bis heute die Geschichte unseres ersten Dates: Ich war damals in der Ausbildung und habe ihr eine halbe Stunde im Detail die Herstellungspraxis von Pralinen inklusive aller kritischen Punkte und Tricks erzählt, woraufhin sie mich eher für einen Sonderling hielt. Gott sei Dank hat es dann trotzdem geklappt.

Was schätzt du an dir am meisten? Als Kind habe ich immer schon gerne gekocht, aber ohne das richtige Wissen waren nicht alle Kreationen essbar. Heute schaffe ich doch größtenteils leckere Gerichte zuzubereiten, was besonders in der aktuellen Situation vorteilhaft ist und gute Laune macht.

Eine Begegnung, die du nie vergisst: 2012 ein Abend mit Wolfram Siebeck, dem Gastro-Tester-Papst im Deutschland der Nullerjahre und davor, mittlerweile leider verstorben, besuchte mich im Restaurant, das 2011 mit einem Stern ausgezeichnet wurde und wir sprachen lange bei einem Glas grünem Veltliner über Gott und die Welt und natürlich Essen. Für mich damals wie heute eine beeindruckende und starke Persönlichkeit, die viel für die Kulinarik in Deutschland geleistet hat.

Welche drei Lebensmittel würdest du hamstern? Olivenöl, Mehl, Butter

Wie sieht es bei dir zu Hause aus? Helle Räume, da Dachgeschoss, viele kantige Gastroprofigeräte in der Küche, großer weißer Tisch, bunte Stühle, alte Ledersofas, Holzboden, viele Bücher, schön aufgeräumt, vereinzelt Spielzeug auf dem Boden.

Dein Film- oder Serientipp für ein Wochenende zu Hause? In letzter Zeit hat mich „Der unsichtbare Gast“ von Oriol Paul sehr begeistert, ansonsten bieten sich gerade Klassiker mit Überlänge an, z.B. von Scorsese. Morgens für gute Laune nach dem Aufstehen zum Kaffee kochen und andere morgentliche Tätigkeiten empfehle ich Tele Gym Aerobic aus den 90ern nebenher laufen zu lassen. Auch ohne viel Bewegung fühlt man sich direkt fit.

Was würdest du ändern wenn du die Macht dazu hättest? Neben aktuell unfassbar viel sozialer Ungerechtigkeit und schwieriger weltpolitischer Situationen, dass regionale Produzenten und Erzeuger staatliche Unterstützung bekommen um sich soweit zu professionalisieren, dass eine flächendeckende und lückenlose Versorgung systemgastronomischer Betriebe sicher und dauerhaft möglich ist.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Wahrscheinlich „Allerlei aus Kühlhaus 3“ wie es im Fachjargon heißt: ich liebe es Schubladen aufzuziehen und kleine Tapas-Portionen aus dem zu kochen was wir da haben. Wenn alle Stricke reißen gibt es Spaghettini mit Knoblauchöl und Parmesan.

Was sollte niemand von dir wissen? Bevor ich mit meinem Partner Max beets&roots gegründet habe, war Salat für mich eher die Nebensache auf der Speisekarte.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Was Männer mit Glatze machen, wenn der Trend mit dem Hipster Bart irgendwann vorbei ist.

Das letzte Wort: Ich wünsche mir, dass wir trotz Kontaktverbot füreinander da sein können und es zusammen schaffen die Krise zu überwinden.

FOTO: Carina Adam

Richard Pflaume Hoyer

Richard ist Fotograf. Ein ziemlich guter, um genau zu sein. Das nützt ihm momentan allerdings herzlich wenig. Kunden und damit Aufträge sind unter den gegeben Umständen nämlich erst einmal keine in Sicht. Nachdem alle aktuellen Auftragsarbeiten gecancelled wurden, hat er mit einer experimentellen Projektarbeit begonnen. „Remote from Quarantine“ beschäftigt sich im künstlerischen Sinn mit Fotografie aus der Ferne, wenn man persönlich nicht anwesend sein kann oder möchte. Wie das geht? Richard porträtiert beispielsweise Menschen in Quarantäne über ihre Desktop- oder Handykamera. Das Szenario lässt sich nach Corona auch auf andere Krisen- oder Ausnahmesituationen übertragen. Entstehen soll ein Buch oder Booklet. Passt, denn Anfang 2019 hat sich Richard dazu entschieden, weniger kommerzielle Werbung zu fotografieren, weil sie zwar finanziell reizvoll ist, aber die Halbwertszeit eines Magazin-Seitenschlags oder einer U-Bahnstation in Durchfahrt hat. Parallel arbeitet er an zwei Dokumentarfilm-Projekten und Fotobüchern. Wir glauben an dich!

Name: Richard Pflaume Hoyer
Alter: Dreiunddreißig
Wohnort: Berlin
Beruf: Global Story Scout in Bild und Schrift (copyright)
Schuhgröße: In 10 Jahren stimmen Alter und Schuhgröße überein.
Lieblingskamera: Als Fotograf schwöre ich euch: Das Objektiv ist wichtiger als die Kamera.
Kontakt: richardpflaume.com

Beschreibe deinen Job in drei Worten: Complex but fun.

Was war bis jetzt dein größter beruflicher Erfolg und warum? Meine Steuererklärung von 2016 vor zwei Wochen erledigt zu haben. Weil zu unserem Beruf leider mehr gehört, als Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Geschafft hast du es, wenn du dich nicht mehr selbst darum kümmern musst, dass alles zum Steuerberater kommt. Das muss Freiheit sein!

Wer gab dir den besten beruflichen Rat und welcher war es? Kein direkter Rat, aber: Ich hatte das Glück einige Male Juergen Teller assistieren zu dürfen. Ein sehr angenehmer und bodenständiger Mensch. Ich habe ihn bei seiner Arbeit viel beobachtet und denke für mich verinnerlicht zu haben, dass das Zwischenmenschliche die halbe Miete oder mehr ist. Manchmal hat er Stunden kein einziges Foto gemacht, nur um die Stimmung für das dann für ihn perfekte Bild zu schaffen. Das hat mich fasziniert. Vielleicht hört sich das pathetisch an, aber ich finde man fühlt die Nähe zu seinen Motiven in seinen Bildern.

Eine Begegnung, die du nie vergisst: Zwei, okay? Ich habe im tiefsten Bayern mal in einem fast privaten Moment Sophia Coppola freundlich die Hand geschüttelt ohne zu realisieren, dass sie es ist. Ich bin ein großer Fan ihrer Arbeit (Tipp: Das auf der DVD enthaltene BTS von Lost in Translation anschauen). Außerdem durfte ich vor einiger Zeit A$AP Rocky fotografieren. Was für ein feiner Kerl, alle Anwesenden inklusive mir waren verliebt in ihn.

Welchen Beruf würdest du gerne mal für einen Tag ausüben? Matrose auf einem Containerschiff. Die Dinger haben auf mich eine unerklärliche Anziehung.

Was ist gerade das Hintergrundbild auf deinem Telefon? Ein künstlerisch wertvolles Selfie meiner Partnerin. Nicht was du jetzt denkst…

Du begegnest deinem 18-jährigen Ich. Welchen Rat gibst du dir? Mach was du willst! Aber mach deine Steuererklärung von 2016 früher!

Welches war das schönste Kompliment, das dir jemand einmal gemacht hat? Komplimente sind mir unangenehm. Aber man sollte Leuten unbedingt öfter ehrliche Komplimente machen, wenn einem danach ist.

Was machst du, wenn dir langweilig ist? Ich schwöre mir ist nie langweilig. Im Kopf ist immer was los.

Verrate uns einen magischen Ort! Jedes Arthouse Kino.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die Zahlen auf meiner Steuererklärung. Okay, stop, der Witz ist durch. Ich würde sofort alle Kriegsursachen beenden.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Eine gute Pasta.

Was sollte niemand von dir wissen? Ihr wollt, dass ich jetzt sage, dass das eine Fangfrage ist, oder?

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Welcher der beste Fußballverein der Welt ist, wobei es darauf ganz klar nur die Antwort Eintracht Frankfurt gibt. (Fußball ist als Spiegel einer Gesellschaft total unterbewertet und wird viel zu oberflächlich rezensiert.)

Das letzte Wort: Auch in schwierigen Zeiten, glaubt bitte an euch! Und an mich. Danke fürs Gespräch!

FOTO: Benjamin Kim / Richard Pflaume

Vreni Jäckle

Vreni ist eine Fashion Changerin. Gemeinsam mit ihren Co’s Jana und Nina hat sie nämlich die gleichnamige Plattform für nachhaltige Mode und Fair Fashion gegründet. Das letzte Jahr stand für die Fashion Changers ganz im Zeichen der aktivistischen Arbeit, beispielsweise durch die Unterstützung der #fairbylaw Petition, die versucht, auf politischer Ebene ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Textilunternehmen (und alle anderen!) Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen müssen. Am 12. März erschien das Buch „Fashion Changers – wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können“ im Knesebeck Verlag. Darin dreht sich alles um das enorme Change-Potential der zweitgrößten Konsumgüterindustrie in Deutschland für Gleichberechtigung, Geschlechtergerechtigkeit, Diversität, Klimakrise und Nachhaltigkeit. Wir verlosen zwei druckfrische Exemplare. Schreibt eine Mail mit dem Betreff ‚KONSTANT IST NUR DER WANDEL‘ an hurra@muxmaeuschenwild.de. Zurück zu Vreni. Was wir bereits wissen: sie betreibt einen eigenen Podcast namens „Gern Geschehen!“, liebt Altes und Schönes, Rotwein und tiefgründige Gespräche. Was wir noch wissen wollen. Alles! Deshalb haben wir auch fast alles gefragt. Frage zehn wird euch überraschen.

Name: Vreni Jäckle
Alter: 26
Wohnort: Berlin
Beruf: 100% Fashion Changer ;) (nebenher mache ich Kommunikations- und visuelle Konzepte für LOVECO)
Schuhgröße: 39, aber wenn ich groß bin, will ich in den Fußstapfen von Iris Apfel wandeln.
Lieblingsgetränk: Berlin-Klischee, aber wahr: Mate.
Kontakt: @vrenijaeckle auf Instagram

Wofür brennst du? Für eine bessere Modebranche, die ihren Profit nicht auf die Ausbeutung von unzähligen Textilarbeiter*innen auf der einen Seite stützt und Marketing mit den Unsicherheiten von Frauen* auf der anderen Seite macht. Und für eine, die Umweltstandards nicht nur als PR-Tool versteht, sondern wirklich was für Klimaschutz macht.

Was war die härteste Arbeit, die du je gemacht hast? Meiner Familie zu erklären, dass ich als Vegetarierin auch nicht „nur ein bisschen Speck“ oder Fisch essen will. Als ich mich dann auch noch für eine vegane Ernährung und gegen den Quark-Auflauf entschieden habe, war das für alle Beteiligten nochmal extra hart.

Wenn du umziehen müsstest, wo würdest du gerne leben? Mir fällt eigentlich kein besserer Ort als Berlin ein, aber wenn ich wirklich müsste: Malmö, Kopenhagen oder Amsterdam.

Was wolltest du mal werden, wenn du groß bist? Balletttänzerin!

Was für eine Rolle hast du in deinem Freundeskreis? Ich bin die, die eigentlich immer etwas zu spät kommt, dafür keine Ausreden hat außer die eigene leichte Verpeiltheit – äh, Verträumtheit! – sich einen Wein einschenkt und dann spätestens nach einer Stunde völlig in einem tiefgründigen Gespräch versunken ist.

Wenn du drei historische Personen zum Essen einladen könntest, welche wären das? Das war zwar nicht die Frage, aber ich würde gerne mit Simone de Beauvoir, Wes Anderson und Iris Apfel einen Film drehen. Drehbuch: Simone de Beauvoir, Regie: Wes Anderson, Kostüm: Iris Apfel, Behind the scenes Stories auf Instagram: Vreni Jäckle.

Woran merkst du, dass du erwachsen geworden bist? An den Anrufen von meinem Steuerberater.

Wenn du ein Video haben könntest von einer Situation deiner Wahl aus deinem Leben. Welche Situation wäre das? Wie ich als Kind auf unserem damaligen Bauernhof die Hühner füttere.

Dein Song für die Ewigkeit? Metronomy – The Look

Welchen Wochentag magst du am liebsten und warum? Sonntag. Ich bin überhaupt nicht religiös, aber ich liebe es, wenn wir alle für einen Tag in der Woche aufhören, sinnlosen Kram zu kaufen und ein bisschen runterfahren. Und auch allein sein an einem Sonntag ist eine gute Übung, finde ich.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde ein Lieferkettengesetz, wie wir es mit der #fairbylaw Petition fordern, durchsetzen und einen Brief an das Wirtschaftsministerium senden, in dem steht: „Siehste, tat doch gar nicht so sehr weh!“

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Ich würde total vergessen, dass ich etwas hätte kochen sollen und ihr müsstet dann erstmal Gemüse mit mir schneiden.

Was sollte niemand von Dir wissen? Da fällt mir gar nichts ein, weil ich immer von radikaler Ehrlichkeit spreche und das auch wirklich so meine. Ich mache kein Geheimnis daraus, ob ich etwas gut oder schlecht kann und beantworte tatsächlich auch die Frage „Wie geht’s dir?” meistens ehrlicher als mein Gegenüber das vielleicht erwartet.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wann eröffnest du einen Vintage-Store?

Das letzte Wort: Wanna support women? Support fair fashion!

FOTO: Vreni Jäckle