Multipolster, Multipolster

Neue und spannende Künstler und ihre Werke zu entdecken ist gar nicht so einfach. Der Markt ist groß und undurchsichtig, aber zum Glück gibt es Kuratoren! Die Enter Art Foundation ist ein Berliner Non-Profit-Unternehmen, ausschließlich mit Sponsorengeldern finanziert, mit dem Ziel, aufstrebende Künstler zu fördern und gleichzeitig eine einzigartige Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen. Die Kuratoren, Künstler und Marketingexperten der Stiftung helfen vielversprechenden Kunstschaffenden nicht nur mit Kontakten zu Galeristen und Sammlern, sondern auch mit regelmäßig stattfindenden Ausstellungen. Ab dem 22. April stellt die Stiftung in ihrer dritten Ausstellung 30 Künstler aus 18 Ländern vor und ergänzt die Schau um Werke aus der Enter Art Collection. Besonders genial: das Ganze findet nicht in einer ehrwürdigen Galerie samt weißer Schauwände statt, sondern im ehemaligen Multipolster in der Leipziger Straße. Ob da wohl noch ein paar Sofas rumstehen? Gezeigt wird ein internationaler Mix aus Fotografie, Malerei, Zeichnungen und Collagen, Videokunst, Skulptur und Druckgrafik. Eine wunderbare Gelegenheit also, sich einen Überblick über die Kunst der Stunde zu verschaffen.
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Enter Art Foundation Ausstellung | MULTIPOLSTER, Leipziger Straße 42, 10117 Berlin | Öffnungszeiten 22.04.-07.05.17, 12-20 Uhr | Eintritt frei | www.enterart.com | Facebook

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 18. April 2017 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Alle Kunst

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Archaische Brutalität trifft auf fein ziselierte Kunst. Dass international gefeierte Kunstwerke in Betonbunkern funktionieren, hat Vorreiter Christian Boros sichtbar gemacht. Nun gibt es die faszinierende Kombination auch in Kreuzberg zu erfahren – nur auf Anmeldung und nur ab 16 Jahren. Ein monumentaler Telekommunikationsbunker aus dem Zweiten Weltkrieg beherbergt die Privatsammlung des Kunsthistorikers Désiré Feuerle, die Feuerle Collection. Der Sammler hat sich zwar auf zeitgenössische Kunst spezialisiert, wagt aber die Gegenüberstellung von Werken aus der Jetzt-Zeit mit skulpturalen Möbeln aus China und Khmer-Skultpuren aus dem 7. bis 13. Jahrhundert. Der Museumsgründer mit dem geschulten Auge hat sich auf dem Dach des geschlossenen Gebäuderiegels ein Gästeapartment eingerichtet. Nähe zählt! Der geführte Rundgang durch die Sammlung ist ein Fest der Sinne. Nachdem man im ‚Sound Room‘ mit zarten Melodien des Komponisten John Cage heruntergefahren wird, betritt man den ‚Lake Room‘, dessen Wasser-Exponat daran erinnert, dass das Untergeschoss lange unter Wasser stand. Die Nase und der Geist werden dann angesprochen, wenn bald schon der ‚Incense Room‘ eröffnet wird. Bei der Teilnahme an einer jahrhundertealten, spirituellen chinesischen Zeremonie wird der Kopf frei gemacht, um bereit zu sein, für das, worum es hier geht: menschgemachte Kunst.

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The Feuerle Collection | Hallesches Ufer 70, 10963 Berlin | Webseite | Tickets | Foto: TheFeuerleCollection.org

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 21. März 2017 | Tags: , , , Keine Kommentare

Toy Toy Toy

Vor Kurzem erst geschah unter dem Rosenthaler Platz in Berlins Mitte Eigenartiges. Eine Gruppe junger, schirmbemützter Männer mit orangenen Warnwesten trat seelenruhig und inmitten der Rush Hour-üblichen 3-Minuten-Taktung auf die U-Bahn-Gleise um großformatige Werbe- und Wahlplakate ab- und stattdessen bemalte Leinwände aufzuhängen. Graffiti auf 2,5 mal 3,5 Metern, Kunst im öffentlichen Raum – temporär, rückstandslos, rücksichtslos. Die Männer waren natürlich keine BVG-Mitarbeiter oder professionelle Stadtmöblierer, sondern die Jungs von TOY, einer Graffiti-Crew mit selbstauferlegtem Auftrag: Sich ein Stück Freiheit in der überregulierten Welt zurückzuholen. Regeln zu brechen und feste Rollenbilder zu hinterfragen, neue Formen des Ästhetischen zu entwickeln, die arrivierten Codes der Kunst zu hacken. Die sechs Dosen-Künstler holen mit ihrer ersten Ausstellung ihre Street Art nun in den White Cube der Galerie und präsentieren am 10. und 11. September ihre großflächigen Leinwände, Installationen und Videokunst in einem geschlossenen Raum, der einzig und allein dem künstlerischen Ausdruck gewidmet ist. Als Highlights werden auch die großen Leinwände aus den U-Bahn-Stationen gezeigt. Ein Aufruf zur Rückeroberung der Stadt durch die Kunst. Ernst gemeint, versteht sich.
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Toy Exhibition | 10. – 11. September 2016 | Zwei Drei Raum, Gitschiner Straße 20-22, 10967 Berlin | Freier Eintritt | Facebook | Youtube.

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 07. September 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

In völliger Dunkelheit

Um uns zu informieren, überfliegen wir fett gedruckte Schlagzeilen. Wir lassen uns Neuigkeiten per Video vermitteln und entscheiden mithilfe von Selfies, welche Menschen interessant sind für uns. Unsere Pupillen flitzen in alle Richtungen, anschauen, verarbeiten, selektieren, next. Machen wir mal das Licht aus. Dunkelheit schärft nämlich die Sinne – also alle anderen. Wenn uns keine visuellen Reize rechts und links ablenken, fokussieren wir uns plötzlich auf das Präsente, Momentane. Genau diese Aufmerksamkeit verdient auch Kunst, finden die Veranstalter der Ausstellung The Dark Rooms. Deswegen findet am 3. September in der Willner-Brauerei eine sechsstündige Ausstellung in kompletter Dunkelheit statt. Im Mittelpunkt steht das Werk allein. In elf Räumen präsentieren elf internationale Künstler Soundinstallationen (zum Beispiel von Julian Laping),  und Skulpturen, 3D-Collagen (wie von Jürgen Schwämmle) und Installationen, Bilder und skulpturale Zeichnungen (wunderschön: Ralf Westerhof) – dem Medium sind keine Grenzen gesetzt. Der Beleuchtung hingegen schon: Jeder Künstler hat nur fünf Spots zur Verfügung, mit denen er seine Arbeiten ins rechte Licht rücken kann. Wer gerne seinen Beitrag zur Kunstrezeption leisten möchte, schreibt eine Mail mit dem Betreff ‚VATTER MACH LICHT!“ an hurra@muxmaeuschenwild.de. Wir verlosen 5 Tickets für die bereits ausverkaufte Ausstellung.
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The Dark Rooms | Sa., 03.09.16, 16 bis 22 Uhr | Willner Brauerei Berlin, Berliner Str. 80-82, 13189 Berlin | Anmeldung für 2017

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 31. August 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare

Bernd Kolb

Das 2 Minuten-Interview

Bernd Kolb ist Vordenker, Querdenker, Visionär, Gründer des Club of Marrakesh, Unternehmer und wie er selbst mit einem Augenzwinkern sagt: Berufener. Und das kam so. Als ehemaliger Topmanager, Unternehmer des Jahres und Vorstand für Innovation bei der Deutschen Telekom begann er sich immer mehr mit den großen Herausforderungen unserer globalen Konsumgesellschaft zu beschäftigen und nach Ansätzen für eine positive und nachhaltige Zukunftsgestaltung zu suchen. Er ging der Frage nach, warum wir uns wider besseres Wissen so schwer damit tun, nachhaltig zu denken und zu handeln und fand Antworten in den Begegnungen mit inspirierenden Menschen, die ihm die Weisheitslehren alter asiatischer Kulturen näher brachten. Diese Momente der Erkenntnis und Verbundenheit hielt er mit der Kamera fest und präsentiert sie derzeit und noch bis Ende September in der großen ATMAN-Ausstellung auf dem Gelände der Malzfabrik in Berlin. Wir wollten es genau wissen und sprachen mit Bernd über die wirklich wichtigen Dinge: Weisheit, den Sinn des Lebens und die Fußballeuropameisterschaft natürlich. Must read! Ach ja, und was war noch gleich im Jahr 2046?

Name: Bernd Kolb
Alter: 53
Wohnort: Yogyakarta (Java)
Beruf: Berufener ;)
Schuhgröße: 43
Lieblingsort: Yogyakarta
Kontakt:www.berndkolb.com

Was ist der Sinn des Lebens?
Der Sinn besteht darin, sein wahres Selbst zu entdecken, zu entfalten und zur Blüte zu bringen. Dann hat alles was wir tun Sinn.

Wer wird Fußball-Europameister?
Ha, ich muss zugeben, dass das für mich ehrlich gesagt weniger interessant ist, als die Frage selbst im Zusammenhang mit den restlichen Fragen. Aber es kann schon sein, dass für manche diese Frage so wichtig ist, dass sie neben dem Sinn des Lebens auftaucht. ;)

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

Was ist Weisheit?
Für mich bedeutet Weisheit „Fühlen“ – am Denken vorbei. „Erleben“ – ohne zu urteilen, ohne einzuordnen. „Eins-Sein“ im Innersten und Mitgefühl jenseits eines „Ich“ und „Du“. Einfach pures „Da-Sein“ und Verbundenheit jenseits der Äußerlichkeit.

Welcher Moment hat alles verändert?
Ich weiß nicht ob ein Moment alles verändern kann. Für mich ist jeder Moment auch Entwicklung. Wenn ich ihn überhaupt mitbekomme, diesen Moment. Wenn ich da bin und ihn wahrnehme. „Panta Rhei“, wie es der griechische Philosoph Heraklit einst ausgedrückt hat, „es ist nie derselbe Fluss, in den man steigt.“

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt!
Derzeit gibt es in Berlin einen wahrhaft magischen Ort, in der Malzfabrik. Das sage ich jetzt nicht aus der Absicht einer Bewerbung, sondern das meine ich wirklich so.

Hast du ein Hobby, von dem wir nichts wissen?
Ich habe EHRLICH kein Hobby – ich tue NUR Dinge, die für mich Sinn ergeben und Freude machen. Das ist kein Spruch, sondern mein tiefster Ernst :)

Du begegnest deinem 18-jährigen Selbst. Welchen Rat gibst du dir?
Das ist eine schöne Frage. Weil sie davon ausgeht, dass man sich überhaupt selbst begegnen kann. In dieser Begegnung liegt der Rat selbst: Erkenne, wer da wem begegnet.

Was würdest du gerne besser können?
Zeichnen.

Was sollte jede(r) im Leben einmal getan haben?
Im zeitgenössischen Kontext würde ich jedem in der Lebensmitte zu einem Sabbatical raten. Die Routinen und Gewohnheiten verlassen, sich selbst Raum und Zeit geben. Rein ins Abenteuer, nichts planen, Neues entdecken, in sich und drumherum!
Du wirst wiedergeboren, als was?
Ich glaube daran, dass wir immer lebendig bleiben und sich nur die Form ändert. Und die ist weniger wichtig als wir denken. Denn alles was wir als Form „verstehen“ ist nur ein Konstrukt unseres Verstandes und hat mit dem Lebendigen an sich nichts zu tun. Das ist es auch, worum es bei ATMAN geht. Was konkret als Bild in unserer Wahrnehmung beginnt, löst sich in seiner Form auf und was dann kommt ist reines Gewahrsein, Gefühl, Mitgefühl – die Essenz des Menschseins. Wer fühlen und mitfühlen kann, wird auch nachhaltig und friedlich leben. Es ist eine Frage des Bewusstseins, des Erkennens, das Materie eben NICHT das Wichtigste ist.

Du kannst mit einer Zeitmaschine reisen, welches Jahr stellst du ein?
2046

Mit welcher berühmten Persönlichkeit (tot oder lebendig) würdest du gerne mal einen Tee trinken?
Da jetzt den einen oder die andere herauszugreifen ist schwer. Da gibt es einfach zu viele, die ich für gleichermaßen spannend erachte. Aber schön wäre es sicher, mal die ganze Ahnenreihe meiner Vorfahren zu treffen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Reis

Wovor hast du Angst?
Ganz ehrlich: vor nichts. Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber.

Wann hast du zuletzt aus vollem Herzen gelacht und worüber?
Ich lache viel und meistens über mich selbst! :)

Was sollte niemand von dir wissen?
Unwahrheiten und Vorurteile. Alles Wahre über mich darf jeder wissen, ich führe kein Doppelleben :)

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Das könnt nur ihr beantworten.

Das letzte Wort:
Danke.

Foto: Raimar von Wienskowski

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Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 21. Juni 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Bei meiner Seele

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Ein dunkler Raum, am Ende das überlebensgroße Porträt eines Menschen. Das Bild leuchtet aus sich selbst, der Blick durchdringt die Hülle unserer Menschlichkeit und bahnt sich den Weg in unser Innerstes. Die Begegnung ist wahrhaftig und bewegend, ganz so, als wären wir dem Gegenüber leibhaftig nahe gekommen. ATMAN ist ein Wort aus dem altindischen Sanskrit und bedeutet „Seele“. Es bezeichnet das unvergängliche, wahre, individuelle Selbst des Menschen. In den mehr als 3000 Jahre alten vedischen Schriften ist ATMAN der göttliche Funke in uns, das, was übrig bleibt, wenn wir ganz bei uns sind, frei von allem Schein und Streben. Das also, wonach wir bei Yoga, Meditation, Selfnessübungen und Ernährungsprogrammen suchen. Bernd Kolb, Visionär, Vordenker und Ex-Vorstand für Innovation der Deutschen Telekom beschäftigt sich mit den großen Herausforderungen unserer globalen Konsumgesellschaft und Ansätzen für eine positive und nachhaltige Zukunftsgestaltung. Er ging der Frage nach, warum wir uns wider besseres Wissen so schwer damit tun, nachhaltig zu denken und zu handeln und fand Antworten in den Begegnungen mit inspirierenden Menschen, die ihm die Weisheitslehren alter asiatischer Kulturen näher brachten. Diese Momente der Erkenntnis und Verbundenheit hielt er mit der Kamera fest. Seine außergewöhnliche Fotografie lässt uns den inneren Reichtum des Menschen aufs Neue entdecken, sie ist visuelles und emotionales Erlebnis zugleich. Nach dem großen Erfolg seines Buches feiert die ATMAN-Ausstellung heute Abend Weltpremiere in der Malzfabrik Berlin. Zur Vernissage ist Bernd Kolb persönlich anwesend, Kulturstaatssenator Tim Renner hält die Laudatio. Die Ausstellung wird grunsätzlich nur geführt und in kleinen Gruppen zu betreten sein und so zur meditativen und sensorischen Erfahrung, die den Besucher zwangsläufig zur Hauptperson macht. Wir empfehlen rechtzeitiges Erscheinen! Wer heute Abend keinen der Slots erhaschen kann, hat noch bis zum 30. September Gelegenheit dazu die Ausstellung und eines der zahlreichen Sideevents und Talks zu besuchen. Als besonderes Highlight verlängern wir das Erlebnis vom 15.-30. September sinnlich und kulinarisch mit einem ‚GOLDEN DINNER meets ATMAN‘ Special. Im Anschluss an die Ausstellung entzünden wir dann allabendlich ein Meer aus Kerzen, inszenieren Sinnliches, Wunderbares, Delikates und servieren ein thematisch abgestimmtes Drei-Gänge-Menü der Extraklasse, gewürzt mit musikalischen Leckerbissen, in den und um die Ausstellungsräume im Fightclub der Malzfabrik. Tickets für Ausstellung und Dinner gibt es für 89 Euro unter dinner@muxmaeuschenwild.de zu bestellen.
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ATMAN Ausstellung | Vernissage: Mi., 01.06.16 ab 16 Uhr, Begrüßungsrede 19 Uhr | Ausstellung: 01.06. – 30.09.2016, Mi-Fr 15-21 Uhr, Sa-So 11-21 Uhr | Malzfabrik Berlin, Bessemerstr. 2-14, 12103 Berlin | Eintritt inkl. Führung: 12 Euro | atman.de | Facebook | Foto: Bernd Kolb

Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 01. Juni 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Das große Ganze

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Bitte nehmen Sie jetzt eine unvorteilhafte Position ein und setzen sich bitte den vor ihn stehenden Stuhl auf den Kopf. Achten Sie dabei auf Folgendes… Halten Sie die Pose für exakt eine Minute. Der österreichische Künstler Erwin Wurm lotet die Grenzen zwischen Skulptur, Objekt und Performance aus. Erstmals sind seine Arbeiten gerade in einer monografischen Ausstellung in Berlin zu sehen. Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper und Wurms partizipatorischer Ansatz, den Betrachter zu einem Teil seines Kunstwerkes werden zu lassen. Ausgangspunkt ist das Narrow House, ein detailgetreuer, begehbarer Nachbau von Wurms Elternhaus, gestaucht auf die Breite von 1,10 Meter. Die Enge der Provinz wird so sprichwörtlich für den Besucher physisch erfahrbar. Dazu gibt es zahlreiche Zeichnungen, nachgebildete verbeulte Kühlschränke, riesige deformierte Telefone und eingeknickte Sideboards. Absolutes Highlight der Schau jedoch sind die One Minute Sculptures. Mithilfe alltäglicher Objekte soll der Besucher ungewöhnliche Posen einnehmen. Siehe oben. Folgt er den Handlungsanweisungen des Künstlers, wird er für eine Minute selbst zur lebenden Skulptur und jeder, der den Raum nachfolgend betritt, wird Zeuge. Heißt auch, die Ausstellung wechselt ständig ihr Gesicht. Oder doch nicht? Verschlucken die Posen den Darsteller, werden wir also selbst assimiliert und so Teil des großen Ganzen? Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. August und wir empfehlen jeder und jedem von euch: Geht da hin. Macht da mit. Tut es wieder.
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Erwin Wurm – Bei Mutti | 15.04.–22.08.2016 | Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin | berlinischegalerie.de/erwin-wurm

Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 18. Mai 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Der Dazwischen-Mann

„Ein Buch, welches Aufsehen erregt, ist immer wert gelesen zu werden“, schrieb Harry Graf Kessler am 15. Januar 1891 in eines seiner Tagebücher. Und nahm damit die Bedeutung seiner eigenen minuziösen und sinnlich-treffenden Alltagsbeobachtungen in Worten zuvor. 57 Bände hat der Verleger, Adlige, Mäzen und Diplomat in 57 Jahren mit seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen gefüllt. Momentaufnahmen sind es aus bewegten Zeiten von der Weimarer Republik bis in die Nazizeit. Wie ein „Fotograf in Worten“ hat der verdeckte Homosexuelle auf seinen unzähligen Reisen in Expresszügen, auf Nachmittagen in Salons und Museen seine Umgebung beobachtet und die Widersprüche seiner Zeit in Sätze gepackt, die heute nichts an Aktualität verloren haben. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat die 57 Bände, die eigentlich nie zur Veröffentlichung vorgesehen waren, editiert und unterstützt die Stiftung Brandenburger Tor bei der multimedialen Ausstellung im Max Liebermann Haus, die Graf Kesslers Beobachtungen ins Zentrum stellen und ergänzen mit Zeitzeugnissen in Bild und Ton. Seine Sammelleidenschaft als kunstaffiner Lebemann wird mit Leihgaben versinnbildlicht. Schließlich notierte er am 20.11.1903: „Große Aufgabe: den Deutschen zum Glauben an die Kunst zu erziehen“. Mit Kessler tauchen wir ein in eine faszinierende Welt, sowohl politisch-historisch als auch menschlich: Das einzigartige und facettenreiche Panoptikum einer kontinuierlichen Dazwischen-Welt eines Menschen, der sich selbst stets zwischen den Ideologien, den Milieus, den Stühlen befand. So gehet hin, sehet, staunet und verstehet.
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Harry Graf Kessler, Flaneur durch die Moderne | 21.05. bis 21.08.2016 | Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, 10117 Berlin | hgkberlin.de

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 18. Mai 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare

Hendrik Otremba

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Das 2 Minuten-Interview

Hendrik Otremba singt. Hendrik Otremba malt. Und wie!? Also beides. Und dann ist er auch noch Dozent, arbeitet als freier Autor, Journalist, Lektor, Liedtexter und moderiert eine eigene Radiosendung bei BYTE.FM. Mannomann. Mit seiner Band Messer ist er inzwischen in weiten Indiewelten stadtbekannt wie ein grauer Hund. Seine Bilder rauschten durch den Blätterwald, platzierten sich auf diversen Plattencovers und zierten und zieren die Wände zum Beispiel der Sammlung Jäger. Letzten Freitag eröffnete er gemeinsam mit Thorsten Nagelschmidt aka Nagel seine aktuelle Ausstellung in der Neuköllner Tennis Bar. Auf ein Wort, Herr Künstler! Haben Sie eigentlich einen Lieblingsfilm?

Name: Hendrik Otremba
Alter: 31 Jahre
Wohnort: Berlin
Beruf: Künstler
Schuhgröße: 42
Lieblingswerkzeug: Messer
Kontakt: www.hendrikotremba.de

 

Wer oder was inspiriert dich?
Filme, Bücher, Gemälde, recht unspektakulär.

Was gibt dir mehr: Musik oder Malerei?
Das kann ich nicht differenzieren, malen ist aber härter, wenn es da mies ist, ist es richtig mies.

Wo sollte unbedingt eines deiner Bilder hängen?
Im Gefängnis.

Dein Song für die Ewigkeit? Ja, nur einer!
Scott Walker – It’s raining today

Das größte Problem deiner Generation?
Kurzsichtigkeit.

Was wolltest du als Kind werden?
Sänger und Detektiv, ich hab es also geschafft.

Welche Erkenntnis hättest du gerne schon mit 20 gehabt?
Rauchen ist schlecht für die Haut.

Was kannst du gar nicht?
Backen.

Welcher Moment hat alles verändert?
Meine Geburt, danach war für mich alles anders.

Was läuft schief?
Alles?

Du kannst mit einer Zeitmaschiene reisen. Welches Jahr stellst du ein und warum?
2015. War schön.

Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gerne mal einen trinken gehen?
Pogo McCartney

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Pasta a la Norma

Wovor hast du Angst?
Dass es meinen Lieben nicht gut geht.

Welche Superheldenkraft hättest du gern?
Unsichtbar machen können.

Was sollte niemand von dir wissen?
Ich bin unfassbar eitel.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Was ist dein Lieblingsfilm?

Das letzte Wort:
Love.

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 04. Mai 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Instant Love

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Instant Love

Einmal Hamburg für alle! Schon gut 400.000 Bilder wurden mittlerwerile mit #welovehh bei Instagram vermerkt, allesamt ganz eigene, persönliche Perspektiven auf die schöne Stadt im hohen Norden. Egal ob architektonische Highlights, persönliche Schnappschüsse von Hamburg-Erlebnissen, schräge Vögel oder die spektakuläre Unscheinbarkeit einer unaufgeregten Seitenstraße – das alles ist Hamburg. Plus Hafen. Plus Elbphilharmonie. Plus Schanze. Es ist Zeit, aus dieser atemberaubenden Fülle getaggter Aufnahmen die schönsten Fotos auszuwählen und zu zeigen. 10 kuratierende Smartphone-Foto-Pioniere werden das tun und die Bilder der Öffentlichkeit zugänglich machen, und zwar jenseits des virtuellen Raums. Vom 9. bis 18. Juni hängen Hamburgs Schönste in einer Ausstellung in der alten Bahnmeisterei im Oberhafenquartier auf 200 qm. Und das Beste ist: Jeder darf mitmachen. 200 Bilder in 10 Kategorien werden schließlich präsentiert. Dafür können bis zum 8. Mai bestehende und neue Bilder von Hamburg-An- und Einsichten mit dem entsprechenden Hashtag vermerkt werden und schon ist man dabei in der Auswahl an Schätzen. Mit Pauken und Trompeten wird am 10. Juni gefeiert. Die Bilder. Die Menschen. Die Stadt.
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#weshowhh Gallery | 9. bis 18. Juni | FilmFabrique, Stockmeyerstraße 43, 20457 Hamburg | Eröffnungsparty:
10. Juni | Facebook | welovehh.de/de/weshowhh-gallery

Kategorien: Hamburg | Autor: | Datum: 27. April 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Elegantly wasted

Elegantly wasted

Stell dir vor, du krempelst dein Leben um. Wirfst allen Ballast ab, entscheidest dich, künftig auf alles Überflüssige zu verzichten, wirst vielleicht sogar radikal Teil der »100 Things Challenge«. Welche Objekte überleben deinen unbedingten Aus-Mist? Wahrscheinlich sind es auf der einen Seite persönliche Dinge, Erinnerungsgegenstände, die erste Platte, das Hemd des Ex-Freundes, Tagebücher. Auf der anderen Seite werden es all die Dinge sein, die wir täglich in unseren Händen halten, die beim Bestreiten des Alltags unverzichtbar sind und die wir als triviale Selbstverständlichkeiten kaum mehr wahrnehmen. All die Dinge, die unser tägliches Leben vereinfachen, die einfach da sind, in jedermanns Schubladen liegen. Weil man sich das Bewältigen eines modernen Lebens ohne sie nicht vorstellen könnte. Alles Teile in anonymem Alltagsdesign, die in keinen Designblogs besprochen, auf keinen Magazinseiten gehyped werden. Die Ausstellung „No Name Design“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe rückt genau diese Objekte endlich in den Fokus. Scheren. Handschuhe. Messinstrumente usw. kennen wir alle. Wer sie entworfen hat, wissen wir nicht. Aber wir können es lernen: In dieser schier unerschöpflichen Wunderkammer der Produktgestaltung. Kuratiert wird die Schau vom Schweizer Produktdesigner und Dozenten Franco Clivio. Er hat selbst, „seit er Hosentaschen besitzt“, wie er sagt, solche Stücke gesammelt – funktionale Dinge, vollendet konstruiert, innovativ einfach und mit integrierter Intelligenz.
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No Name Design | Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg | noch bis 3. April 2016 | Eintritt: 12 Euro| www.mkg-hamburg.de | Foto: Hans Hansen

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 13. Januar 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare

Entschuldigung, hier ist noch.

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Entschuldigung, hier ist noch frei.

Ein verlassenes Hotel mitten in der Stadt, ruiniert, leer, entkernt, 33 Zimmer groß. Komm schon Berlin, zeig was du kannst! Die GALERIE CRONE hat in Zusammenarbeit mit dem ZEITmagazin 33 junge, international aufkommende Künstlerinnen und Künstler eingeladen, auf den insgesamt fünf Etagen künstlerisch Stellung zu beziehen und „The Vacancy“ in einen 1.400 qm-Kunst-Parcours zu verwandeln, bevor der Aus- und Umbau beginnt. Zwischennutzung at its best! Malerei, Skulptur, Fotografie, Videokunst, Installationen und Performances – die Teilnehmer setzen sich individuell mit der vorhandenen Architektur und der vorübergehenden Dauer der Präsentation auseinander. Sie beziehen sich mit ihren Arbeiten explizit auf ihre Umgebung und den temporären Zustand des Gebäudes. Im Erdgeschoss bzw. im Hof haben die Parker Bowles- & Prince Charles-Macher eine Bar mit Drinks und kleinen Snacks eingerichtet. The Vacancy öffnet seine Tore bereits seit dem 1. Oktober und nur noch bis zum kommenden Montag. Wer es noch nicht geschafft hat in der Friedrichstraße 124 vorbeizuschauen, dem sei dies hiermit allerwärmstens empfohlen und nachdrücklich ans Herz gelegt.
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THE VACANCY | Friedrichstr. 124, 10117 Berlin | 01.-19.10.(!), Di-Fr 13-20 Uhr, Sa+So 11-20 Uhr | Facebook

 

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 14. Oktober 2015 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Tehran94

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Tehran94

Die SomoS Galerie am Kottbusser Damm misst in etwa 400qm. Wenn man die offizielle Versammlungsstätten-verordnung zu Rate zieht, dann benötigt jede Person auf Veranstaltungen in etwa 0,6 qm Platz. Bedeutet im Fall vom SomoS Raum für 666 Kunstgänger, Bars und etwaige Gegenstände nicht mit eingerechnet. Am nächsten Sonntag nun beginnt genau an jenem Ort eine Ausstellung, zu der sich Stand jetzt bereits 10.505 Menschen via Facebook angemeldet haben. Was ist da los? Hat das soziale Netzwerk einen neuen Eventbooster entwickelt und testet den live und auf dem Rücken argloser Veranstalter? Solche Zustände kennen wir sonst doch nur von Spargelparties (kleiner Scherz). Die Graffiti-Ausstellung Tehran94 zeigt das Werk von sieben iranisch stämmigen Künstlern, die inzwischen weitverstreut überall in der Welt zuhause sind. Mit dabei sind BamBam, Hoshvar! und F-cker aus Teheran, Cave2 aus London, Oham One aus Berlin, PST aus Toronto und Rend One aus New York. Dazu gibt es iranischen Hip Hop, Kurzfilme über die lebendige Graffitiszene im Iran und das war es dann auch schon. Muss wohl was dran sein. Wir gehen hin, allein schon aus Neugier! Hoffentlich kommen die restlichen 10.000 nicht alle zur gleichen Zeit, sondern hübsch verteilt auf die komplette Ausstellungsdauer.
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Tehran94 – die erste persische Graffiti Ausstellung in Berlin | 19.-23.07. | SomoS, Kottbusser Damm 95, 10976 Berlin | Facebook

 

Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 15. Juli 2015 | Tags: , , , Keine Kommentare

Das Salz der Seele

Das Salz der Seele

„Ich habe den Glauben an uns verloren.“ Der Satz stammt von dem brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Es ist das Zwischenfazit eines inzwischen 71 Jahre währenden Lebens, gezeichnet von der Suche nach den Ursprüngen der Liebe im Angesicht des Terrors und einer tiefen Enttäuschung in Bezug auf die menschliche Natur. Mit „uns“ meint er unsere Spezies, das Lebewesen Mensch als solches. Salgado hat wie kaum ein anderer das Leiden unserer Zivilisation dokumentiert und stilisiert. Seine Arbeit lebt von der Unmittelbarkeit, Salgado setzte sich selbst monatelang den Zuständen in Krisenregionen aus, um an seine Fotos zu kommen. Nachdem er 1994 den Genozid an den Tutsi in Ruanda und im Kongo fotografierte, brach er zusammen. Im Angesicht von Tod und Brutalität beschloss sein Körper, dass es genug war und wehrte sich. Zehn Jahre später machte sich Salgado erneut auf die Reise, in kleinen Propellerflugzeugen, zu Fuß, mit dem Schiff, im Faltkanu und im Fesselballon besuchte er Orte, an denen die Zivilisation noch nicht angekommen ist. Acht Jahre lang arbeitete er an seinem Projekt Genesis, fotografierte Vulkanlandschaften, Eismassen, Fluss-Canyons, nebelumhüllte Gebirgsketten, ursprüngliche Regenwälder und endlose Sanddünen, dokumentierte in opulenten Schwarz-Weiß-Aufnahmen die überwältigende Schönheit und die Artenvielfalt unberührter Natur und indigener Völker. 250 Bilder umfasst das Werk und die gigantische Ausstellung, die am Freitag Abend offiziell im C/O Berlin eröffnet und bis zum 16. August 2015 zu sehen sein wird. Am Samstag lädt das C/O außerdem in den Delphi Filmpalast zu einem ganz besonderen Event. In Anwesenheit Salgados gibt es ein Screening des beeindruckenden Dokumantarfilms „Das Salz der Erde“, in dem sich Wim Wenders und Salgados Sohn Juliano dem Schaffen des Brasilianers annähern. Im anschließenden Talk geht es im Dialog zwischen Salgado und dem Direktor des Potsdam Institute for Climate Impact Research Hans Joachim Schellnhuber um das Verhältnis von Mensch und Natur. Genesis stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Anfang oder Geburt. Es umschreibt die Erschaffung der Welt im biblischen Sinne. Vielleicht will uns Salgado an die Ursprünge zurückführen, von deren Perfektion und Reinheit wir uns so weit entfernt haben und gleichzeitig daran appellieren einen Teil des Planeten in seiner Ursprünglichkeit und faszinierenden Diversität zu bewahren. Vielleicht erschafft er sich mit seinen Aufnahmen harmonischer Flussläufe und friedlicher Wesen auch seine eigene perfekte Welt ohne Menschen – stilisiert, makellos schwarzweiß und wunderschön. Zumindest degradiert er den Menschen auf Statistenmaß, nicht mehr und nicht weniger wert, als alle anderen Bewohner des Planeten. Der Gedanke gefällt uns, Demut liegt darin aber auch der selbstverständliche Glaube an unseren Platz im göttlichen Gefüge. Salgado hat den Glauben nicht verloren. Im Gegenteil, aus seinem Werk spricht ein unermüdlicher Antrieb und eine Große Portion unverbesserlicher Liebe.
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Sebastião Salgado – Genesis | 18.04.-16.08. | C/O Berlin, Hardenbergstraße 22–24, 10623 Berlin | Vernissage: 17.04., 19 Uhr | co-berlin.org/sebastiao-salgado | Lecture 18.04., 12 Uhr im Delphi Filmpalast | Facebook Eventlink  | Credit: Sebastião Salgado, Ecuador 2004

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 15. April 2015 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Kennen Sie Dieter Roth?

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Kennen Sie Dieter Roth?

Kennen sie Dieter Roth? Sollten sie aber. Dieter Roth war ein Universaltalent, arbeitete mit so unterschiedlichen Medien wie Zeichnung, Malerei, Assemblage, Installation, Druckgrafik, Buchkunst, Literatur, Aktion und Film. Wenig bekannt und beachtet sind bisher seine zahlreichen musikbezogene Projekte und Werke. Bisher, denn an diesem Freitag eröffnet im Hamburger Bahnhof in Berlin die Ausstellung ‚Und weg mit den Minuten‘, die stellt erstmals umfassend das musikalische oder besser musikbezogene Schaffen des Künstlers vor. Die Musik spielte für Roth zeit Lebens eine große Rolle, was in seinem Werk in verschiedener Weise zum Tragen kommt. So integrierte er Musikinstrumente als stumme Reliefs neben Kassetten- und anderen Audiogeräten in seine Assemblagen und verwendete sie als Motive in seinen Papierarbeiten und Bildern. Roth trat sogar selbst als Musiker auf, spielte alleine oder als Teil des Künstlerkollektivs ‚Selten gehörte Musik‘, mit Wiener Künstlerfreunden und auch mit seinen Kindern praktizierte er eine Art „dilettantischer Hausmusik“. Er besaß eine umfangreiche Schallplattensammlung und ein eigenes Tonstudio; seine Musik-Liebe galt dabei vor allem der klassischen Musik, Schubert, Brahms und Schönberg im Besonderen. Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof wird ergänzt um ausgewählte Werke und Schallplatten von Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit Roths Arbeiten in Beziehung setzen lassen. Die Ausstellung feiert die Verbindung von bildender Kunst und Musik. Sie läuft vom 14. März bis zum 16. August. Der Eintritt zur Vernissage am Freitag von 20 bis 23 Uhr ist frei.
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Ausstellung: Und weg mit den Minuten. Dieter Roth und die Musik | 14.03.-16.08. | Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin | smb.museum/ | Foto: Florian Holzherr. © Dieter Roth Estate Courtesy Hauser & Wirth

An der Nadel

An der Nadel

Anker, Schiffe, Herzen, Meerjungfrauen – Hamburg und Tattoos, das passt irgendwie zusammen. Nun gut, dauerhafte Körperbemalung ist längst nicht mehr nur Kiezgrößen und Seefahrern vorbehalten, wie wir wissen. Vom Arschgeweih bis zur kunstvollen Verziehrung schmücken Motive lebenslang Hintern, Oberarme, Beine, Bäuche und Nacken unzähliger Landratten und Bibliotheksfachangestellten (no offense!). Tattoos sind Ausdruck von Lebenseinstellung, Mode und künstlerischer Entfaltung. Im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg eröffnet am Freitag eine Ausstellung mit dem simplen Titel ‚Tattoo‘. Zu bestaunen gibt es über 250 Arbeiten vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, darunter Fotografien, Farbholzschnitte, Gemälde und Skulpturen, Videoarbeiten und Audioinstallationen, Vorlageschablonen und historische Hautpräparate, sowie Tätowiergeräte von einfachen Naturwerkzeugen bis zu filigranen Präzisionsmaschinen. Die Schau blickt zurück auf die traditionsreiche Geschichte der Hamburger Tattoo-Szene, zeigt bisher unveröffentlichte historische Fotografien der typischen Tätowierungen der Hamburger Arbeiterschaft um 1890 und liefert freigiebig Einblick in die Arbeit von Tattoo-Legenden wie Christian Warlich („der König der Tätowierer“) und Herbert Hoffmann. Ob man sich vor Ort auch stechen lassen kann, konnten wir bisher nicht in Erfahrung bringen, für genug Inspiration sollte aber gesorgt sein. Kleiner Tipp: Freitag ist der 13. Vielleicht sucht ihr euch besser einen anderen Tag aus, falls ihr was längerfristiges in Planung habt. Wir sind zwar nicht abergläubisch, aber man weiß ja nie…
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Ausstellung: Tattoo | 13.02. – 06.09.15 | Di-So 10-18 Uhr / Do bis 21 Uhr | Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, 20099 Hamburg | Eintritt 10, erm. 7 Euro | mkg-hamburg.de | Credit: Christian Poveda: El Gangster de Iberia (Mara Salvatrucha)

Mara Salvatrucha

Kategorien: Hamburg | Autor: | Datum: 11. Februar 2015 | Tags: , , , Keine Kommentare

In Your Face!

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In Your Face!

Prinzessin Diana, Claudia Schiffer, Kate Moss, Naomi Campbel, Mick Jagger, Josh Hartnett, Robbie Williams im BH, Madonna ohne – Mario Testino hatte sie alle. Der in London lebende Peruaner ist für viele der Modefotograf schlechthin, einige seiner Aufnahmen sind schon jetzt Ikonen moderner Kulturgeschichte. Da erscheint es geradezu unglaublich, dass seine Bilder noch nie in einer Einzelausstellung in Berlin zu sehen waren. Bis jetzt. “In Your Face” heißt die Ausstellung, die gestern im Kulturforum am Potsdamer Platz eröffnete und mit 125 exklusiv ausgewählten Bildern eindrucksvoll die Experimentierfreude und Vielfalt im fotografischen Schaffen Mario Testinos, die Respektlosigkeit, Eleganz und Widersprüchlichkeit seiner Bilder unter Beweis stellt. Die Zusammenstellung, an der Testino persönlich mitgefeilt hat umfasst sowohl Akt- und Porträtfotografien, als auch Modefotos und private Schnappschüsse. Die Ausstellung läuft noch bis zum 26.Juli. Der kommt wie immer schneller als gedacht, also lieber bald hingehen, als am Ende in die Röhre statt in prominente Gesichter zu gucken. Vielleicht findet ihr dabei die Antwort auf die einzig entscheidende Frage im Bezug auf seine frechen Starbilder: „Warum zur Hölle darf der das?“_____

Mario Testino – In Your Face | 20.01. – 26.07.15 | Kulturforum, Matthäikirchplatz 10785 Berlin | tägl. Di-So | Eintritt 10 € / 5 € erm. | Website Foto: Mario Testino

Jahrhundertwende

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Jahrhundertwende

Manche Orte fühlen sich an, als wäre an ihnen die Zeit stehen geblieben. Das kann gut oder schlecht sein, oft weckt es Erinnerungen und lässt uns ein Stück weit zurückwandern in die eigene Vergangenheit. Was aber wenn die Zeit schon vor so langer Zeit stehen geblieben ist, dass wir gar keine eigenen Erinnerungen mehr daran haben können? Im Prenzlauer Berg in Berlin, genauer gesagt in der Dunckerstraße 77 gibt es eine Wohnung, die aussieht als hätte sie seit über 100 Jahren niemand mehr betreten. Als wären Internet, Dauerwelle, zwei Weltkriege und alles was seit anno 1900 in dieser Stadt passierte unbemerkt und spurenlos an ihr vorbei gerauscht. ‚Zimmermeister Bunzel baut ein Mietshaus‘ heißt das Projekt oder besser die Ausstellung, die an Ort und Stelle bereits seit über zehn Jahren existiert. Täglich außer Mittwoch kann man die Wohnung betreten und mit eigenen Augen erfahren wie es sich so lebte, baute, arbeitete rund um die vorletzte Jahrhundertwende. Ehrenamtlich betreut und geführt wird man dabei von rüstigen Rentnern aus der Seniorenfreizeitstätte Herbstlaube und der Seniorenvertretung Pankow, die einen nebenbei mit Anekdoten und Geschichten aus ihrem reichhaltigen Lebensschatz versorgen. Ihr wollt echte Berliner? Dann empfehlen wir dringend einen Ausflug in die Dunckerstraße. Echta jeht nich, wa!

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Bauen und Wohnen im Prenzlauer Berg um 1900 | täglich außer mittwochs, 11-16.30 Uhr oder nach Vereinbarung, Dunckerstr. 77, 10437 Berlin | ausstellung-dunckerstrasse.de

Kommen Sie näher

 

Kommen Sie näher

 

Mit seiner Serie Close Up gelang Martin Schoeller, was in Zeiten digitaler Bilderflut kaum mehr möglich erschien. Er definierte eine neue Ästhetik in der Porträtfotografie. Martin Schoeller geht ganz nah heran und das im doppelten Sinne. Radikaler als zuvor nähert er sich seinen Protagonisten bis auf wenige Brennweitenzentimeter, dringt ein in ihre Komfortzone, ihren Intimbereich. Bill Clinton, Jack Nicholson, Angelina Jolie, die Prominenz und gefühlte Unantastbarkeit der Porträtierten potenziert den Effekt der Grenzüberschreitung. Und überhaupt funktioniert das Ganze auch nur so gut, weil sich Schoellers Modelle tatsächlich auf diesen Prozess der Offenbarung einlassen. Beim Betrachten der Bilder ist man mitunter fast ein biscchen peinlich berührt, ob der schonungslosen Distanzlosigkeit, vor allem aber fasziniert und amüsiert. Denn oft schwingt ein Hauch Selbstironie mit, Humor und etwas Unprätentiöses. Fiktion und Realität, Inszenierung und beiläufige Zufälligkeit spielen mit der Neugier des Betrachters und der Rolle des Porträtierten. Halfpipe-Legende Tony Hawk skatet über den heimischen Küchentisch, Steve Carell nähert sich dem Thema Mimik auf klebrige Art und Weise und Kanye „ich bin Gott“ West spielt mit dem Klischee des selbstverliebten Lebemanns. Selfies deluxe sind das, Schoellis wenn man so will! Der Fotograf ist inzwischen zweifellos einer von den ganz Großen. Geboren in München, aufgewachsen in Frankfurt, gelernt und studiert in Berlin, assistierte Martin Schoeller der einzig wahren Annie Leibovitz, entwickelte seine ganz eigene visuelle Identität und ist vor allem in Amerika ein absoluter Stern am Fotografenhimmel. Ab Freitag zeigt die CWC GALLERY in der Ausstellung „Portraits“ eine einzigartige Werkzusammenstellung aus über 60 Fotografien und liefert damit ein faszinierendes Update zum Thema zeitgenössiche Porträtfotografie. Ein absolutes Muss. Hingehen und Leute gucken! Aber Vorsicht, sie gucken zurück.

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Martin Schoeller Portraits | CWC GALLERY, Auguststr. 11-13, 10117 Berlin | ab 21.11., Di.-Sa. 11-19 Uhr camerawork.de | Foto: Martin Schoeller, Steve Carell with Tape

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Lichtgestalten

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Lichtgestalten

Und nochmal Kunst, doch diesmal abstrakt und in Farbe. Bobby Sauvage war Sänger, Model, Popstar und fand schließlich sein Glück in der Malerei. Seine Gemälde gewähren einen unverstellten Blick in sein Herz und seine Seele – fantastisch, spirituell, farbenfroh. Göttinnen, Schutzengel, Amazonen und mystische Wesen verleihen seinen Träumen und Gedanken Gestalt, bannen sie in ihrem Blick, in Details und Texturen. Seine Figuren scheinen Trickfilm-lebendig und im spirituellen Sinne präsent. Die Begegnung mit Bobbys Bildern ist eine Begegnung mit ihm selbst. Dieser Offenheit kann man sich nur schwer entziehen. Sie führt zwangsläufig dazu, dass man selbst bereit ist, ein bisschen loszulassen, eigenen Träumen und Emotionen Raum zu geben und sich so als lebendiger Teil eines großen Ganzen zu fühlen. Ja hier geht es um Spirutalität. Finden wir auch mal gut. Morgen Abend eröffnet Robbert „Bobby“ Dessauvagie, wie er eigentlich heißt, nämlich seine Ausstellung ‚The Realms of Paradise‘ im Leogant Loft in Mitte. Die Vernissage steigt ab 19 Uhr. Es gibt Drinks, Snacks, leogantes Wasser und ganz bestimmt auch eine kleine musikalische Einlage vom Meister himself. Das ist natürlich nur eine Vermutung, aber die Spatzen und die Dächer und so. Der Eintritt ist frei, jeder kann kommen. Am besten ihr meldet euch vorher schonmal auf Facebook an, damit am Ende auch genug zu Trinken im Kühlschrank kalt steht. Bobbys Bilder hängen übrigens noch bis zum 13. Februar, wer also mal in der Nähe ist, das Leogant Loft ist an sich schon eine Reise wert.

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Bobby Sauvage ‚The Realms of Paradise‘ | Leogant Loft, Linienstr. 56, 10119 Berlin | Facebook Eventlink

 

Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 19. November 2014 | Tags: , , , , , Keine Kommentare