Wo dein Haus wohnt

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Alle Menschen sind gleich. Aber manche sind gleicher. Zu den größten Errungenschaften unserer freiheitlichen und sozialen Gesellschaft gehören die Verdienste um die Gleichbehandlung und Gleichstellung ihrer Mitglieder – Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts, mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten. Noch sind wir lange nicht am Ziel, noch spielt all das eben Genannte eine je nach Situation irgendwie gewichtete Rolle. Noch denken wir kategorisch darüber nach. Der Kampf für selbstverständliche Gleichheit wird seit jeher selten von denen geführt, die vom herrschenden Ungleichgewicht profitieren. Deshalb gab und brauchte es immer wieder außergewöhnliche Persönlichkeiten, die bereit waren, sich ungeachtet aller Risiken für die Freiheit einzusetzen. Persönlichkeiten wie Rosa Parks, die sich im Amerika der 1950er Jahre weigerte, ihren Sitzplatz im Bus einem Weißen zu überlassen. Ihr „Bus-Boykott“ von Montgomery gilt heute als Geburtsstunde der Bürgerrechtsbewegung der USA. Sie selbst ließ sich nach zahlreichen Anfeindungen durch Rassisten schließlich in Detroit nieder und wurde zur Ikone. Das Haus, in dem sie lebte, stand zuletzt leer und sollte nach jahrelangem Verfall abgerissen werden. Der amerikanische Künstler Ryan Mendoza, der seit 2012 in Berlin lebt, konnte und wollte das nicht erlauben. Um es vor dem Abriss und dem Vergessen zu bewahren, zerlegte er es vor einem halben Jahr in 2000 Teile, brachte diese nach Deutschland und errichtete es in einem Hinterhof in Gesundbrunnen neu. Zum kommenden Gallery Weekend wird der Hinterhof, der dem Haus Asyl bietet, für Gäste geöffnet. Das Haus wird von außen zu besichtigen sein, von drinnen erklingen Radio- und TV-Ausschnitte aus den 50er Jahren. Wir empfehlen dringend den Besuch bevor es hoffentlich zurück in die Heimat findet. „Es ist ein kulturelles, ein Welt-Erbe, das uns allen gehört“, sagt Mendoza. „Es muss dorthin, wo es für viele Menschen zugänglich sein könnte“. Erinnerungen wach halten heißt Vergessen verhindern. Ein sehr wichtiger Gedanke in diesen Tagen.
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Rosa Parks House | Studio Mendoza, Wriezener Straße 19, 13055 Berlin | 28.04.17 von 18-22 Uhr, 29.-30.04.17 von 14-22 Uhr | Foto Credit: Ryan & Fabia Mendoza

Artsy Fartsy

Artsy Fartsy

Das Gallery Weekend steht vor der Tür. Herrjemine, wohin geht man nun, was lohnt und was nicht? Ganz ehrlich, wissen wir auch nicht. Aber gerade im Entdecken und Treibenlassen liegt ja der besondere Reiz in dieser vor Kunst, Ideen und Trash überbordenden Lieblingsstadt Berlin. Um eine kleine, feine Auswahl, quasi als Leitfaden der Leuchtpunkte im wilden Treiben, sind wir natürlich trotzdem nicht verlegen. Als da wären: Olaf Holzapfel thematisiert in seinen neusten Bildern die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Das Besondere: es sind Materialbilder der Peripherie – Strohbilder aus der Lausitz und Brandenburg, Chaguarbilder aus den Trockenwäldern des Chaco Nordargentiniens, Bilder und Falten ineinandergesteckten Strohs, Linienräume, in denen sich das Licht bricht, netzartige gewebte Textilbilder aus Kakteenfasern gefärbt mit Stoffen, die aus umgebenden Pflanzen gewonnen werden. Die Vernissage zur Ausstellung, die noch bis zum 4. Juni bei Daniel Marzona in der Friedrichstraße 17 stattfindet, steigt am Freitag von 18 bis 21 Uhr. Die Linie als Ort der Bewegung, der Weg und Punkt zugleich ist, verbindet die zwei Einzelschauen von Elio Graziano „Flowers will cover everything“ und Stefan Reiss „SPEKTRA“, die bereits heute Abend von 18 bis 22 Uhr in der HB55 Kunstfabrik starten und über das Gallery Weekend täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet sind. Zum Opening heute gibt es eine Live Performance von OKO und Any Pretty in der Installation von Stefan Reiss. Prognose: das wird fett! Infos dazu findet ihr hier. Und letzte und Beste: Unsere Freunde von sygns – das sind die mit den Neon-Schildern – eröffnen vor, während, parallel zum Weekend ihre erste eigene Pop-up Bar, zum Runterkommen, Ankommen, Verweilen, Fachsimpeln und gepflegten Betrunk in der Linienstraße 87 in Mitte. Quasi im Zentrum des künstlerischen Treibens schaffen sie eine kleine Insel für angeregten Austausch, Entspannung und Inspiration für befreundete Künstler und jeden, der ein gutes Gespräch und einen guten Drink im Schein des Neonlichts genießen möchte. Pop-up Gallery Bar Weekend wenn man so will. Zur Erföffnung am Freitag ab 18 Uhr gibt es ein DJ-Set von Jonathan Mendiola und free drinks. In diesem Sinne, wir sehen uns auf ein Gläschen und ein Stößchen im Fluss von Raum und Zeit. Alles für die Kunst!
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Berlin Gallery Weekend | sygns Pop-up Gallery Bar, Linienstr. 87, 10119 Berlin, Facebook | Olaf Holzapfel – Der perfekte Weg, Fr. 29. April 18-21 Uhr, Galerie Daniel Marzone, Friedrichstr. 17, 10969 Berlin, Facebook | SPEKTRA & Flowers will cover everything, HB55 Kunstfabrik, Herzbergstr. 55, 10356 Berlin, Facebook |

 Bild: Olaf Holzapfel, Spread, 2014 (detail), courtesy of Daniel Marzona

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 27. April 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Nils und Anthony

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Nils & Anthony

Das 2 Minuten Interview

Nils Lehnert und Anthony Genillard haben gemeinsam mit ihrem Kompagnon Max das geniale Berliner Startup sygns gegründet. Bei sygns kann sich jeder der will ein eigenes customized Neonschild produzieren lassen oder aus einer großartigen Auswahl vorhandener und in Zusammenarbeit mit Künstlern gestalteter Schriftzüge und Symbole aussuchen. Von ganz klein (ein Buchstabe = um die 35 Euro) bis ganz groß ist fast alles möglich. Während Max die Außenstelle in Schweden hält, machen Nils und Anthony in Hemd und T-Shirt die Hauptstadt unsicher und treiben Wirte in den Wahnsinn. Wer sich selbst mal ein Bild machen will klickt am besten auf www.sygns.de oder hält beim Gallery Weekend die Augen auf, bei Wiensowski & Harbord, im Temporary Space in der Linienstraße 87 und bei Chipperfield wirds erleuchtend. Ach ja, und bei uns natürlich – unser muxmäuschenwild Schild haben die Jungs natürlich auch produziert. So jung, so nett und vollkommen zurecht so erfolgreich. Bring it on boys!

 

Name: Nils Lehnert / Anthony Genillard
Alter: 24 / 26
Wohnort: Berlin
Beruf: Werbeleuchtmittelhersteller / laut meinem Onkel, Elektriker
Schuhgröße: 45 / 44
Lieblingssymbol: Starkstrom Symbol / Hexagon
Kontakt: nils.lehnert@sygns.com / anthony@sygns.com

 

Was machst du morgens nach dem Aufstehen als Allererstes?
N: Joggen.
A: Duschen, sonst bin ich unbrauchbar.

 

Welches sygn hängt bei dir zuhause (oder sollte hängen)?
N: Das ändert sich monatlich. Aktuell hängt „neon worker’s don’t cry“ aus unserem Dokumentarfilm. Im nächsten Monat installiert Markus Mai eine Hommage an Francois Morellet (Markus und Francois sind beide auf dem Gallery Weekend zu sehen).
A: Ein Window aus unserer modularen „desygns“ Reihe. Ich bin ein Fan von schlichten geometrischen Formen.

 

Wann ging dir zuletzt ein Licht auf?
N: Gestern Nacht in Kreuzberg. Wir haben für eine Kundin die Montage gemacht. Die Installation war ein Geschenk, der Elektriker abgesprungen und das Neon musste natürlich um Punkt Mitternacht leuchten.
A: Als ich vor einigen Tagen mit unserem talentierten Künstler und Produktdesigner Markus Mai bei einem Kaffee zusammensaß und wir über neue Produkte gesprochen haben.

 

Woran merkst du, dass du erwachsener geworden bist?
N: Das Verhältnis zwischen Hemden und T-Shirts hat sich drastisch verändert.
A: Dass meine Freunde mich überreden müssen mit ihnen feiern zu gehen.

 

Wer oder was hat deine Weltsicht für immer verändert?
N: Der Austausch mit den Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst: ich würde jedem Gründer den Kontakt zu kontrastreichen bzw. fachfremden Gruppen empfehlen. Man kann viel über Motivationen und Werte lernen und seine eigenen überprüfen.
A: Mein Großvater war ein sehr integerer Mensch, der von jedem respektiert wurde und mir viele Werte vermittelt hat, außerdem war er bei uns Enkeln für seine schmutzigen Witze bekannt.

 

Worauf bist du stolz?
N: Auf die Entwicklung und den Erfolg unserer Künstler. Und über jede erfolgreiche Ausstellung. Wir haben sehr viel Glück mit den Partnern bei sygns gehabt. Das freut mich jeden Tag.
A: Auf meine zwei Brüder. Sie sind tolle Vorbilder für mich und unterstützen mich bedingungslos, wissen aber auch wann sie mich am Riemen reißen müssen.

 

Was ist das größte Problem deiner Generation?
N: Ich kann nicht beurteilen ob wir ein Problem haben. Vielleicht weiß es die Generation über uns.
A: Die verminderte Aufmerksamkeitsspanne. Ich habe selbst schon Probleme mir einen Film anzusehen, weil ich nicht zwei Stunden meiner Zeit einer Aktivität mit ungewisser Genugtuung widmen möchte.

 

Welches Kunstwerk würdest du gerne besitzen?
N: Aktuell finde ich ein Aquarell der Brandenburger Landschaft sehr spannend. Die Künstlerin hat ebenso in Leipzig studiert und heißt Johanna Pegelow.
A: Ein Bild aus der Concetto Spaziale Reihe von Lucio Fontana.

 

Die drei besten Marken der Welt?
N: Tempo, USM Haller, FC Bayern
A: Alessi, VW und Robben & Wientjes

 

Wo würdest du gern mal ein sygn an die Wand hängen und was würde es sagen?
N: In eine beliebige Galerie im Berliner Scheunenviertel: „five heavily overpriced neon words“.
A: An die Fassade vom Haus der Kunst in München: HA   U              SD     E    R   K         UNS    T

 

Du hast eine Sünde frei, welche verbotene Sache würdest du machen?
N: Ich würde nach Flensburg fahren und meine Punkte löschen.
A: Touch the art.

 

Wofür gibst du zu viel Geld aus?
N: Neue Restaurants! Tony und ich entdecken als Team Neueröffnungen in ganz Berlin. Neben unserer Bestellung müssen sich die Kellner meist noch anhören, warum die freie Wand links unbedingt ein sygn braucht.
A: Für Essen. Ich probiere gerne neue Restaurants aus und Berlin ist auch nicht mehr so günstig wie es mal war.

 

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt.
N: Die “ Schwarzen Tenn Alm“ in Kreuth, an der Deutsch-Österreichischen Grenze. Immer eine Wanderung wert.
A: Der Giannicolo in Rom. Im Sommer fahre ich gerne mit der Vespa hoch und schaue mir die Stadt von oben an.

 

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
N: Auf jeden Fall Paleo. Zum Beispiel: Wildschwein Bourguignon mit getrockneten Pflaumen, Süßkartoffeln und Granatapfel Dressing.
A: Melanzane alla Parmigiana, findet man in Berlin nicht, sollte aber jeder mal probiert haben.

 

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
N: Ich würde den Weg zur Existenzgründung vereinfachen: durch Gründerkurse in staatlichen Universitäten, vereinfachte und frei zugängliche Gründungsverträge und reduzierte regulatorische Prozesse wie Buchhaltung.
A: Risikobereitschaft und Selbstbestimmung in der Gesellschaft. Die Leute sorgen sich mehr darum in soziale Konstrukte zu passen als sich selbst zu verwirklichen.

 

Was sollte niemand von dir wissen?
N: Wie schnell ich esse. Mindestens doppelt so schnell wie Tony.
A: Ich habe mal im Kirchenchor gesungen… und habe immer noch die Stimme eines Engels.

 

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
N: Wieviele sygns ich schon kaputt gemacht habe.
A: Wie man meinen Nachnamen ausspricht.

 

Das letzte Wort:
N: Sali. Das ist das letzte Neon Wort, dass wir für einen Kunden aus der Schweiz produziert haben.
A: Zytotoxin

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 29. April 2015 | Tags: , , , Keine Kommentare

Alles für die Kunst.

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Alles für die Kunst.

Und nochmal Berlin. Das 11. Gallery Weekend steht vor der Tür. Von Freitag bis Sonntag Abend öffen insgesamt 47 Galerien in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Pankow und Charlottenburg für Kunstinteressierte und alle, die es werden wollen. Zu unseren diesjährigen Favoriten gehören neben den Klassikern Capitain Petzel und Johann König, die Ausstellung „Up on the toe, the air is thinner“ von Haleh Redjaian in der Galerie Arriatia Beer und die „Dash Dash Dash“ Neon-Installationen von François Morellet in der Galerie Blain|Southern. Die Teilnahme am Gallery Weekend ist immer auf 50 Galerien beschränkt, darüber hinaus gibt es aber zahlreiche inoffizielle „Teilnehmer“, die den Wochenend-Besuch der Kunstliebhaber nutzen und ebenfalls Kunst-Spektakel veranstalten. So zum Beispiel das umtriebige und großartige Künstlerkollektiv Klub 7, das unser letztes Golden Dinner in Berlin mit einem magischen Flipcolour Bild erleuchtet hat. Seit gestern und noch bis zum 10. Mai präsentieren die sechs Klub 7-Künstler die Ausstellung „Behind the Block“, in der sie sich mit Eindrücken ihrer Kindheit und Jugend auseinandersetzen, auf Kindheitsorte und Inseln verweisen – den Spielplatz hinterm Wohnblock der Großstadt, das Neubauhaus der Kleinstadt oder die Siedlung im Dorf, in der man sich zum Spielen, später auch zum Sprühen traf. Auf ihre Sprayeranfänge spielen auch die Namen der Künstler an: Dani Daphne, Kid Cash, Diskorobot, Mike Okay, und Lowskii. Die Arbeiten der Ausstellung sind auf Holz, Leinwand und Papier gearbeitet, es gibt aber auch großformatige Gruppenarbeiten. Am Wochenende steigt zusätzlich zur Ausstellung ein Live Painting. An beiden Tagen wird während der Öffnungszeiten (12-20 Uhr) eine große Holzfläche von allen sechs Künstlern mit Acryl bearbeitet. Wir wünschen frohes Weekenden im Zeichen der Kunst.
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Gallery Weekend Berlin | Fr, 1. Mai 18-21 Uhr, Sa&So 11-19 Uhr | diverse Locations | Eintritt frei | gallery-weekend-berlin.de | Klub 7 – „Behind the Block“ & Live-Painting | 2. & 3. Mai, 12-20 Uhr | HO Berlin, Holzmarktstraße 66, 10179 Berlin | Eintritt frei | Facebook Eventlink