Anja Vatter

Das 2 Minuten-Interview

Anja Vatter ist einer unserer Lieblingsmenschen – scharfsinnig, feingeistig, liebevoll, begeisternd, begeistert und mit einem großen (Kämpfer)herz ausgestattet. Wenn es einer Definition für Rock’n‘Roll bedarf: bittesehr! Anja schreibt Texte, verlegt Gedrucktes, macht in Papier, faltet, streicht und streichelt, glaubt an und formt das Gute und Schöne, füllt es mit Licht und verschenkt es mit Liebe. Seit einiger Zeit schreibt sie auch für uns, genau hier in diesem Magazin, Texte übers Süßholzraspeln beispielsweise oder Juniqe Bademode und wir sind sehr froh darum. Liebe Anja, heute geht es mal um dich. Lass krachen, hier sind deine Fragen. An alle anderen: viel Spaß beim Genuss der nächsten zwei Minuten!

 

Name: Anja Vatter
Alter: im allerbesten Alter nach 39: nichts muss mehr, alles kann noch.
Wohnort: Berlin (und ein bisschen Bern)
Beruf: Texterin, Verlegerin, PR-Fräulein, Ladenmitbesitzerin
Schuhgröße: 39
Lieblingswort: flamboyant
Kontakt: www.anjavatter.com und www.vatterundvatter.de

MMW_Anja
 

 

Antwortest du auf die Frage ‚Wie geht es dir?‘ immer ehrlich?
Kommt darauf an, wer fragt.

 

Wie geht es dir?
Fantastisch. Hinter mir liegt ein rundes Geburtstagswochenende im zeitlosen Freunde-Flow.

 

E-Books, E-Mags etc., alles wird digital. Stirbt Print wirklich?
Natürlich nicht. Printprodukte werden sich aber verändern und uns ganz neue Universen des Bedruckten erschließen. Und übrigens: Die Haptik, das Rascheln und der Geruch von bedrucktem Papier kann nicht ersetzt werden.

 

Wann hast du deinen letzten Brief geschrieben?
Und abgeschickt? Vor wenigen Wochen. Und seit 4 Jahren schreibe ich einen Brief an meinen Sohn. Den bekommt er mit 18, wenn ich ihm so richtig auf die Nerven gehe.

 

In welcher Form sind Worte am schönsten?
Handgeschrieben oder mundgehaucht mit wundersamem Platz zwischen den Zeilen.

 

Du auf einer einsamen Insel, welche drei Bücher nimmst du mit?
Nico Paech’s »Die Befreiung vom Überfluss« (zur Reduktion aufs Wesentliche), »The Ship of Theseus« von J.J. Abrams und Doug Dorst (für das totale Gegenteil) und »Spieltrieb« von Juli Zeh (weil es das beste Buch moderner Zeit ist). Und als kleines Extra: 500 unbeschriebene Seiten, gebunden.

 

Die wichtigste Erfindung der Menschheit?
Buchdruck.

 

Welcher Moment hat alles verändert?
Ich lernte lesen. Und die Welt ging auf.

 

Was kannst du gar nicht?
Das Überleben von Topfpflanzen sichern.

 

Welchen Rat würdest du gern jedem Menschen geben?
Es gibt so viele Wahrheiten wie Menschen.

 

Dein Lieblingsschimpfwort?
Chutzemischt.

 

Bitte ergänze: Für einen Tag wäre ich gern mal…
…mein Gegenüber.

 

Wo ist deine Heimat?
Da, wo ich in den Seelen lieber Menschen lesen kann, und sie meine Sätze eloquent beenden.

 

Erzähle uns einen Witz!
„Monotheistische Gottheit mit einem Buchstaben? J.“
(Danke, Berlin. Hätt‘ ich ohne dich nie verstanden.) (Wir auch nicht! Anm.d.Red.)

 

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Ich würde das Kochen meinem Freund überlassen, aber mit Hingabe und viel Leidenschaft den Tisch decken, individualisierte Tischkärtchen schreiben, passende Getränke aussuchen und eine entspannte (weil nicht kochende) Gastgeberin sein.

 

Was würdest du verändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Den einen oder anderen zurückholen, der zu früh weitergezogen ist.

 

Wann hast du zuletzt etwas Neues ausprobiert und was war das?
Letzte Woche zwei Freundeskreise gemischt. Hat fantastisch funktioniert. Und dazu übrigens Lammbries gegessen. Das war auch eine Premiere.

 

Was sollte niemand von dir wissen?
Dass ich mir nie merken kann, wie man »Matratze«, »Terrasse« und »vermeintlich« richtig schreibt.

 

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
»Was kommt nach der Zukunft?«

 

Das letzte Wort:
…ist noch lange nicht gesprochen. Und geschrieben erst recht nicht.

 

Photo: martinbichsel.ch