Kristin Graf

Kristin Graf hat drei Kinder. Die ersten beiden Geburten erlebte sie wie viele Frauen als extrem schmerzhaft, beinahe traumatisch. Beim dritten Kind sollte alles anders werden. Und das wurde es. Durch eine selbst entwickelte, aber an HypnoBirthing angelehnte Methode erlebt sie eine komplett schmerzfreie dritte Geburt. Das hat sie so tief beeindruckt, dass die Schauspielerin für immer von der Bühne kletterte, um seither so viele Frauen wie möglich auf dem Weg zu einer positiven Geburtserfahrung zu unterstützen. Ihre Coachings und Kurse zur „Friedlichen Geburt“ sind uneingeschränkt großartig und völlig zurecht wahnsinnig erfolgreich. Aktuell gibt Kristin täglich um 10 Uhr auf Instagram eine Live-Meditation, nimmt wöchentlich eine neue Podcastfolge auf und arbeitet an einem schönen, geheimen Projekt, das sie aber noch nicht verraten darf…

Name: Kristin Graf
Alter: 41
Wohnort: Noch Berlin, aber wir ziehen in drei Wochen nach Kleinmachnow.
Beruf: Mentaltrainerin und Hypnose-Coach, Podcasterin, YouTuberin und natürlich Mama
Schuhgröße: 39
Lieblingsort in Berlin: „Mutter Fourage“ in Wannsee
Kontakt: info@die-friedliche-geburt.de

Hast du Kinder? Ja, sie sind 8, 12 und 14 Jahre alt.

Die wichtigste Botschaft, die du in deinen Kursen vermittelst, lautet: Freue dich auf deine Geburt und bereite dich gut auf sie vor, so wie du es auch bei anderen körperlich und mental herausfordernden Ereignissen wie einem Marathon oder einer Abschlussprüfung tun würdest. Konzentriere dich während der Geburt ganz auf dich und deinen Körper und entspanne dich gleichzeitig tief. Sorge immer für dich und hole dir Hilfe, wenn du Unterstützung benötigst.

Wann macht dich deine Arbeit glücklich? Wenn ich die Geburtsberichte meiner Teilnehmerinnen lese und sie so glücklich klingen wie ich nach der Geburt meiner Tochter. Und natürlich auch, wenn mich Hebammen und Ärzt*innen empfehlen oder Frauen nach der Anmeldung in der Klinik berichten, dass die Hebamme sagte: „Ah, mit Kristin, das ist großartig!“

Was hast du in den letzten Wochen über dich selbst gelernt? Dass nur ich selbst für mein Glück verantwortlich sein kann. Dass die Beziehungen im Außen meine Beziehung zu mir selbst spiegeln und es genauso wichtig ist, für mich selbst zu sorgen, wie für andere.

Was nimmst du dir schon länger vor, schaffst es aber irgendwie nicht? Ein Wochenende frei zu haben und wirklich nicht zu arbeiten. Und wenn ich das geschafft habe, nehme ich mir das gleiche für eine Woche Urlaub vor! Das wird herrlich!

Wen rufst du am häufigsten an? Ganz eindeutig meinen Mann.

Wessen BRAVO-Poster hattest du früher an der Wand? Oh Gott, wie hieß der denn noch mal? Richard Grieco! Da war ich aber noch echt jung…

Was tust du, wenn dich etwas bedrückt? Ich versuche, dem Gefühl auf den Grund zu gehen und es zuzulassen, damit es sich lösen kann. Und oft kann man ja auch ganz praktisch etwas tun, dann schaffe ich die Ursache gern schnell aus der Welt.

Wer kennt dich wirklich? Mein Mann!

Wann hast du dir das letzte mal gewünscht, dass der Tag nie aufhört? Das war bestimmt an meiner Lieblingsstelle am Wannsee mit meinen Kindern.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde den Hunger in der Welt ausrotten, Kriege befrieden und Genitalverstümmelung an Mädchen verhindern.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Wahrscheinlich ein Cocos-Curry-Gericht mit Reis und Gemüse.

Welche Superheldenkraft hättest du gern? Teleportation!!!

Was sollte niemand von dir wissen? Dass ich überhaupt nichts von Technik verstehe, obwohl ich ein Online-Unternehmen leite.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Ob ich auch mal überfordert bin, gereizt und unperfekt, so wie alle anderen Mütter. Die Antwort ist: Ja! Instagram zeichnet immer eine schöne Fassade, und ich mag das auch, aber niemand sollte sich davon unter Druck setzen lassen.

Das letzte Wort: Wenn du gerade schwanger bist, schau dir Tiergeburten an. Wie friedlich die Tiere in freier Wildbahn ihre Jungen gebären ist so beeindruckend, und genau so können wir Menschen das auch, wenn wir wieder zurückfinden zu unserem Instinkt.

FOTO: Josephine Neubert

Oliver Bischoff

Stell dir vor, du hast noch nie einen Kuchen gebacken, eröffnest trotzdem ein Restaurant, das ausschließlich Dessert serviert, bekommst deinen zweiten Michelin-Stern im März 2020 und dann das! Gut, man könnte die Pandemie-bedingte Zwangspause als Katastrophe erleben, man kann sie aber auch als eine Phase verstehen, die uns zu Innovation anspornt und Chancen hervorbringt. So sieht das zumindest Oliver Bischoff. Der gebürtige Hamburger hat mit seiner Gastronomie-Beratung ett la benn nicht nur bei gefühlt jeder gastronomischen Innovation seit 2006 die Finger im Spiel, er betreibt auch gemeinsam mit René Frank das weltweit gefeierte CODA in Berlin und ist Gründungsmitglied des Berlin Food Kollektiv, einem neu gegründeten Zusammenschluss selbstbestimmter Gastronomen und Hoteliers. Was sonst noch so ansteht? Wird nicht verraten. Nur so viel: es hat mit dem größten Transformationsprozess aller Zeiten zu tun. Hallo, nachhaltigere Welt!

Name: Oliver Bischoff
Alter: 41
Wohnort: Berlin
Beruf: Gestalter, Gastronom, Gastro-Consultant
Schuhgröße: 43
Lieblingsgewürz: Kardamom
Kontakt: oliver@coda-berlin.com

Silvester 2020: Was werden wir uns über das vergangene Jahr erzählen? Wir werden lange warten müssen bis ein Jahr wieder so viel Innovation und Chancen hervorbringt. Wer auf soliden Beinen stand und querdenken kann, wird von diesem Jahr eher profitieren als verlieren.

Beschreibe deinen Job in drei Worten: Innovation in Food

Was hast du in der letzten Woche über dich gelernt? Mal wieder bestätigt sich, dass ‘Entschlossenheit‘ eine große Stärke ist. Die Füße still zu halten ergibt für mich derzeit sehr viel Sinn. Chancen ergeben sich zu oft im Leben, da macht es am meisten Spaß auf die richtigen zu warten.

Worauf achtest du, wenn du jemandem zum ersten Mal begegnest? Dass mein Gegenüber anders ist und mindestens zwei Dinge viel besser kann als ich.

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt? Das CODA bekam im März 2020 seinen zweiten Michelin Stern. Wir sind erst dreieinhalb Jahre alt, das war sehr überwältigend. Dabei wollten wir eigentlich nur das Dessert revolutionieren. Insgesamt sind unsere Bewertungen so positiv, dass wir jetzt auch nicht Halt machen werden.

Welche geniale Idee hättest du gern selbst gehabt? Keine, weil ich sie wahrscheinlich nicht so gut umgesetzt hätte wie die- oder derjenige, der sie selbst hatte.

Was müsste unbedingt noch erfunden werden? Eine Maßeinheit, die den Einfluss jedes Einzelnen auf unsere Umgebung messbar macht.

Was kannst du gar nicht? Nichts tun, und das ist ein Problem, weil nichts tun bei mir zu einer inneren Unruhe führt. Ich würde recht oft gern einfach mal nichts tun, geht aber nicht.

Wie würden dich deine Eltern beschreiben? Ich kann so viel sagen: Meine Eltern haben anfangs immer Zweifel, ob meine Pläne aufgehen. Ich folge meiner Überzeugung hingegen so lange, bis das Ziel erreicht ist. Das würden meine Eltern mittlerweile unterschreiben.

Was bereust du bisher noch nicht getan zu haben? Ein Sabbatical, auch wenn es sich grad ein wenig danach anfühlt – und eine Familie gründen, da ich den Beruf bislang immer vorgezogen habe. Aber das kann sich ja noch ändern.

Wen bewunderst du und warum? Menschen, die ohne Angst durchs Leben gehen und dabei die Welt positiv verändern.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Alle Menschen mit überdurchschnittlicher sozialer Intelligenz und viel Empathie versehen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Gemüse der Saison im Ganzen gegrillt, ganz pur und nur das Produkt im Fokus. Es gibt wenige Dinge, die ich lieber tue als Kochen, und, zum Leid anderer, dauert es immer Stunden, auch wenn ich nur Gemüse grille.

Was sollte niemand von dir wissen? Ich habe noch nie einen Kuchen gebacken. Als ich mit der Idee um die Ecke kam, ein Dessert-Restaurant zu eröffnen, hielten mich eigentlich alle für bekloppt.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Was ich privat so mache…

Das letzte Wort: Gemeinsam sind wir stark. Einzelkämpfer werden gegen ein Kollektiv verlieren.

FOTO: Lisa Dietermann

Sandy Bartsch & Felix Göllner

Ein besonderer Reiz unserer 2 Minuten-Doppel-Interviews besteht darin, dass wir die Protagonisten getrennt voneinander befragen. Selten, nein NIE zuvor hat das zu so wunderbar komischen, sympathischen und – man muss es so sagen – grund unterschiedlichen Antworten geführt. Sandy und Felix sind ein Paar, also ein echtes. Sie arbeiten beide in der Musikbranche und machten sich im Winter 2019/20 auf eine fünfmonatige Elternzeitreise mit ihrem Sohn Filip und Säugling Benedict nach Südostasien. Zum Ende der Reise war die Welt plötzlich eine andere und sie saßen im Paradies fest, bis sie per Rückholaktion wieder nach Deutschland kamen. Die freiwillige Elternzeit hat sich seither um zwei unfreiwillige Monate verlängert. Wie das so ist und warum das Ganze? Lest selbst!

Name: Sandy / Felix
Alter: noch 36 / 36
Wohnort: Berlin-Mitte / Berlin
Beruf: Angestellte Officemanagerin bei Beatport in Teilzeit & selbstständige Visionärin immer auf der Suche nach neuen Business-Möglichkeiten / Musik-PR
Schuhgröße: 37/38 / 44
Lieblingslied: Massive Attack – Unfinished Sympathy / Hot Chip – Flutes (Aber eigentlich jeden Tag ein anderes)
Kontakt: via Instagram / info@unreeel-records.com

Hand aufs Herz, würdest du alles nochmal genau so machen?
Sandy: Nein, es gab viele Verirrungen in meinen 20ies muss ich zugeben, weil ich ziemlich naiv war/bin, was mir andererseits auch viele Türen geöffnet hat. Jedoch hätte ich im Nachhinein niemals studieren sollen. Alles, was ich jetzt gut kann und liebe, habe ich intuitiv und autodidaktisch gelernt.
Felix: Klar, aber ob alles noch mal genau so passiert?

Was machen mehrere Monate Elternzeit auf Reisen mit einem?
Sandy: Es lässt dich erkennen, dass Erziehung nicht weniger anstrengend im Paradies ist. Du lebst auch in die Tage hinein, aber diese werden durch deine Kinder bestimmt. Von der freiwilligen Familienzeit sind wir aktuell in eine unfreiwillige hineingerutscht. Wir kleben somit schon fast 7 Monate aneinander, ohne wirkliche Hilfe von außen. Schlafen, Yoga und Qualitytime alleine oder zu zweit werden auf unbestimmte Zeit verschoben.
Felix: Organisationstalent schmieden, Perspektive schaffen und Familienbund stärken

Was bereust du, nicht getan zu haben?
Sandy: Ich hab so viel erlebt und auf so vielen Festen die Nächte durchgetanzt. Alles was davon geblieben ist, ist diffus und kaum in Bildern mehr vorhanden. Deswegen bereue ich es, dass die Umstände nicht schon viel früher gegeben waren, dass ich hätte Felix früher treffen und eine Familie gründen können.
Felix: Auf Reisen? (M)einen Tauchschein

Was werden wir uns in zehn Jahren über die Corona-Krise erzählen?
Sandy: Die Corona-Krise wird ein Wendepunkt für uns alle und in Pre- und Post-Corona-Zeiten eingeteilt.
Felix: Weißt du noch, wieviel Zeit wir damals mit den Kindern verbracht haben?

Deine drei besten Tipps für Homeoffice mit Kindern:
Sandy: 1. Viel Obst und Gemüse essen. Felix schnibbelt jeden Morgen einen Obstteller zurecht, von dem wir alle den Tag über naschen. 2. Kids first: Filip ist in einem Alter, in dem er sich eine gewisse Zeit gut alleine beschäftigen kann, vorausgesetzt, man hat zuvor intensiv mit ihm gespielt und bildlich gesprochen den ‘Liebesspeicher’ aufgefüllt. 3. Das richtige Mindset! Ministeps und Miniziele pro Tag, pro Woche setzen und alles andere ist zum größten Teil auch selbst gemachter Stress.
Felix: Hörspiele, Snacks, Kinderdisco

Was war bis jetzt dein größter beruflicher Erfolg und warum?
Sandy: Mein größter beruflicher Erfolg geht einher mit dem beruflichen Scheitern und der Einsicht nach dem Lehramtsstudium und inmitten des Referendariats, dass ich mich überhaupt nicht mit der Rolle des Lehrers identifizieren kann. Alles, was danach kam, war pure Selbstbestimmung.
Felix: Äh, ich hab schon mal in der Panoramabar aufgelegt?!

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt?
Sandy: Die freiwillige Arbeit und Spendenaktion von meiner Freundin Julia auf Bali (Blonde Communication via Instagram), denn dort trifft die Menschen die Corona-Krise sehr hart.
Felix: Die (Haus)Geburt unseres 2. Sohnes

Was wolltest du mal werden, wenn du groß bist?
Sandy: Das hat sich jede Woche geändert: Schauspielerin, Umweltaktivistin, Sängerin, Rechtsanwältin… :D
Felix: Pilot

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt!
Sandy: Der Liepnitzsee ist und bleibt mein magischer Ort!
Felix: Ceglarnia, Polen (der Ort, an dem wir geheiratet haben)

Sandy, beschreibe Felix in einem Satz: Vom ersten Kuss im Berghain zum Vater unserer beiden Kinder, mit dem man fünf Monate auf Elternzeitreise gehen kann – mit ihm ist das alles möglich!
Felix, beschreibe Sandy in einem Satz: Sandy ist die heißeste Frau, die ich kenne, multitalentiert, stets bedacht zu helfen und die beste Frau und Mutter, wo gibt.

Wenn du nicht mehr schlafen müsstest, was würdest du mit der zusätzlichen Zeit anfangen?
Sandy: YouTube-Videos abdrehen, Bücher/Ratgeber/Blogs schreiben, Programme lernen, mich online weiterbilden.
Felix: Ich würde ein Studio aufbauen und mir Musikproduktion beibringen, inklusive Gitarre und Keyboard. Das wär geil.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Sandy: Das aktuelle Finanzsystem durch ein gerechteres austauschen.
Felix: Armut, Obdachlosigkeit, Massentierhaltung, Müllproduktion, Krieg, Telefongebühren

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Sandy: Gemüselasagne geht immer!
Felix: Buchstabensuppe?

Was sollte niemand von dir wissen?
Sandy: Dass ich von Felix, der ein penetranter Klugscheißer ist, tagtäglich auf meine grammatikalisch falsche Aussprache hingewiesen werde, obwohl ich diejenige bin, die Germanistik studiert hat.
Felix: Sag ich nicht.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Sandy: Was hast du in den vergangenen Wochen neues gelernt? Brot backen!
Felix: Hätte hätte Fahrradkette

Das letzte Wort:
Sandy: Eine Elternzeitreise überhaupt machen zu können und in der Corona-Krise so abgesichert zu sein, zeigt mir aktuell, wie unglaublich privilegiert wir in Deutschland sind.
Felix: Supercalifragilisticexpialigetisch

FOTO: Ania Margoszczyn

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 19. Mai 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Dennenesch Zoudé

Die wunderbare Schauspielerin Dennenesch Zoudé bereitet sich gerade auf drei Filmprojekte vor, die demnächst gedreht werden sollen. Mal sehen, was Corona dazu sagt. Zuletzt war die gebürtige Äthiopierin in der Netflix Kultserie „Unorthodox“ zu sehen. Gerade wurde sie zum Mitglied des Vorstands der Deutschen Filmakademie gewählt, wo sie sich für das Thema Diversität einsetzt, damit sich die Vielfältigkeit der Gesellschaft auch auf der Leinwand abbildet. Seit 15 Jahren ist sie außerdem Schirmherrin der Stiftung Fairchance, die es sich zum Ziel gemacht hat, Kinder aus sozial benachteiligten Familien und insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund durch gezielte Sprachförderung zu unterstützen.

Name: Dennenesch Zoudé
Alter: Ist nur eine Zahl
Wohnort: Berlin/Frankfurt
Beruf: Schauspielerin
Schuhgröße: Ich lebe auf großem Fuß.
Lieblingszitat: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“ (Buchtitel)
Kontakt: denneneschzoude.com

Was erzählen wir uns in zehn Jahren über das Frühjahr 2020? Die Krise kam schleichend, wir konnten uns die weltweiten Auswirkungen nicht vorstellen. Und doch genossen wir die Verlangsamung, das Innehalten.

Drei Wörter, die dir zu „Corona“ direkt einfallen: Nicht zu schmecken, nicht zu riechen, nicht zu sehen.

Wann macht dich deine Arbeit glücklich? Wenn ich gute Drehbücher bekomme und mit Kreativen im Austausch bin.

Was ist wichtiger: Theorie oder Praxis? Für mich ist es die Praxis, ich muss Dinge umsetzen. Allerdings gilt auch: Wie soll man etwas wollen, was man es gedanklich nicht vorbereitet hat?

Die ganze Welt hört dir zu: Was sagst du? Liebt – Lebt – Genießt das Leben.

Mit welchen drei Worten würden dich deine Freunde beschreiben? Sensibel und stark, zart aber zäh. Ich weiß es sind vier..

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt! In Äthiopien, auf dem Hochplateau. Wenn man in die Weite schaut ,meine ich zu spüren, das ist der Ursprung der Menschheit.

Wie sieht es bei dir zu Hause aus? Kein Kommentar! Ich renoviere gerade…

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen? Für meine Familie und Freunde. Für ein gutes einmaliges Erlebnis – sei es die Oskar-Verleihung, ein Boxkampf oder ein Konzert.

Wenn du drei historischen Persönlichkeiten zum Essen einladen könntest, welche wären das? Muhammad Ali, Hildegard Knef, Dorothy Parker

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Armut

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Pasta Puttanesca

Was sollte niemand von dir wissen? Hahaha

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Bist Du glücklich?

Das letzte Wort: Liebt als gäbe es kein Morgen!

FOTO: Mirjam Knickriem / photoselection.de

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 13. Mai 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Anne Lakeberg

Anne ist ein schüchterner Mensch. Immer schon gewesen. Wenn ihre Mutter sie beispielsweise in der Oerlinghausener Einkaufsstraße vorschickte, um dem Gitarrenspieler auf der Straße Münzen in seinen Hut zu werfen, behagte ihr das gar nicht. Das hat sich bis heute nicht geändert. Trotzdem moderiert sie seit drei Jahren die Berlinale-Sektion ‚Berlinale Goes Kiez‘ an sieben Tagen in sieben verschiedenen Kiezkinos in der Hauptstadt. Und das kam so: Neben ihrem Studium der Soziologie und Lateinamerikanistik in Bielefeld fing sie an im Kino zu jobben. Über Umwege, einige Praktika und eine Weiterbildung zur Filmtheatermanagerin kam sie an das City Kino Wedding, eröffnete es wieder und machte diesen wunderschönen Ort auch über die Bezirksgrenzen und die Cineastenaficionadosszene hinaus bekannt.

Name: Anne Lakeberg
Alter: 37
Wohnort: Berlin
Beruf: Kinobetreiberin
Schuhgröße: 39
Lieblingsfilmzitat: Wenn ich Filmzitat mal nicht als Satz oder Sprache sondern als filmisches Zitat, also eine Szene eines Films verstehe, dann wäre es aktuell wohl das Ende von PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN. Die Kamera beobachtet Adèle Haenel, wie sie eine Oper schaut und dabei viele, viele Emotionen durchlebt, die gleichzeitig die ganze Geschichte des Films quasi Revue passieren lassen. Ich hätte diesem Gesicht und seinen Reaktionen noch Stunden zuschauen können.
Kontakt: info@citykinowedding.de

Beschreibe das City Kino Wedding in fünf Worten: Einladend, großzügig, elegant, 60ies, abwechslungsreich.

Was können wir tun, um in der Corona-Krise Kinos zu helfen? Zum Einen ist es wirklich eine große Hilfe – und viele, viele Menschen haben das schon getan! – wenn Gutscheine gekauft werden. Das kann ganz bequem online unter: citykinowedding.de/kinogutscheine gemacht werden. Damit haben wir jetzt Einnahmen und später dann die Gäste, auf die ich mich natürlich sehr freue! Zum Anderen habe ich gemeinsam mit anderen Berliner Programmkinos eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext initiiert. Damit unterstützt ihr nicht nur mein Kino, sondern eben die Vielfältigkeit der Berliner Programmkinoszene, was mir selbst auch ein großes Anliegen ist.

Was können wir alle aus den vergangenen Wochen lernen? Ich finde es sehr faszinierend, mit wie viel Unsicherheit die Menschen doch umgehen können. Ich selbst bin schon auch ein stückweit ein Kontrollfreak und ich denke, viele Menschen heutzutage sind das. Gerade lässt sich aber wenig kontrollieren, planen, vorausschauen. Verrückt, dass wir nicht alle komplett durchdrehen deshalb! Irgendwie finde ich das auch eine gute Herausforderung, mal loszulassen und sich zu lösen von dem großen Bedürfnis alles in der Hand zu haben.

Welchen Film möchtest du als Erstes zeigen, wenn das Kino wieder öffnen darf? Wie auch schon vor der Corona Krise darf WEDDING von 1989 nicht fehlen. Das ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, denn der erzählt eine kleine (fiktive) Geschichte aus dem Berliner Wedding vor der Wende und ist ein Stück Kiezkultur und irgendwie schon Kult, obwohl wir ihn erst seit einem Jahr ausgegraben haben und bei uns zeigen. Und fast immer, wenn er läuft, ist einer der Hauptdarsteller, Harald Kempe, zu Gast und erzählt den Gästen vom Dreh, von der damaligen Zeit etc. Abgesehen von WEDDING hoffe ich auf Filme, die eigentlich schon hätten starten sollen wie BERLIN ALEXANDERPLATZ von Burhan Qurbani und UNDINE von Christian Petzold. Als erstes werde ich sie wohl nicht zeigen, aber so schnell wie es mir der Verleih erlaubt!

Was macht dich an deiner Arbeit glücklich? Natürlich macht es mich sehr glücklich, wenn das Kino voll ist, die Leute kurz vor der Vorstellung alle aufgeregt in ihren Sesseln sitzen, es kaum erwarten können, dass der Film losgeht. Diese Stimmung, die fühlt man richtig in der Luft, wie ein Vibrieren, und die ist toll. Aber ich mag es auch die Leute zu beobachten wie sie aus dem Saal kommen, zu schauen, wie ihre Stimmung ist. Und letztlich macht es mir auch Spaß, ganz allein am Schreibtisch ein Programm fertigzustellen, es in seiner Gänze zu sehen und zu rätseln, wie es wohl ankommt. Sobald ich es in die Welt hinauslasse und sehe zum Beispiel wie der Vorverkauf läuft oder wie die Reaktionen in den Sozialen Medien sind, sehe ich auch, wo ich einen guten Riecher hatte und wo eher nicht. Und das ist echt oft sehr erstaunlich.

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Dass man sich selbst und seinen Werten und Vorstellungen treu bleiben muss. Wenn man sich verbiegt, kommt meistens einfach nichts Gutes dabei raus. Das ist eben so.

Wann hast du zuletzt etwas Neues ausprobiert und was war das? Ich bin kürzlich mit meinem Freund zusammen gezogen und tatsächlich ist es das erste Mal, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Aufregend, aber es ist toll! Manchmal muss man sich eben aus der comfort zone hinauswagen!

Wenn dein Leben einen Soundtrack hätte, von wem wäre der? Leonard Cohen und Sufjan Stevens zusammen! Und vielleicht noch eine Prise Cocorosie. Puh, klingt nach einer wilden Mischung. Umso besser!

Wer war der Held deiner Kindheit und wer ist es heute? Es gab in meiner Kindheit einen Grundschullehrer, den ich sehr bewundert hab und der mich irgendwie beeindruckte. Er war sehr groß und hat immer schwarze Anzüge getragen und eigenwillige Exkursionen mit uns Kindern gemacht, in die Natur, aber auch zu Künstlerhäusern und so was. Und er hat mich gefordert und gefördert. Ein bisschen war er wohl mein Held. Sonst konnte ich mich immer zwischen solchen Figuren wie Old Shatterhand oder Winnetou nicht entscheiden. Ich fand immer beide toll und wusste nicht, ob besser der „Indianer“ oder doch lieber der Cowboy. Heute kann ich das schwer sagen, es gibt Menschen, die ich bewundere, aber so EINE*N Held*in hab ich gar nicht.

Was ist dein wertvollster Besitz? Ich habs nicht so mit Besitz. Ich meine, ich habe schon gerne Sachen, schöne Dinge, die mich umgeben, aber ich merke doch bei vielem, dass ich auch darauf verzichten könnte wenn es sein müsste. Was mir sehr wichtig ist, ist meine Wohnung oder ein zu Hause! Aber ich bezweifle, dass ich jemals eins haben werde, das wirklich mir gehört :-)

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde gerne die Angst abschaffen. Klar ist sie ein Gefühl, das nützlich sein kann, wenn wir instinktiv Gefahr spüren und wegrennen oder so. Aber mir erscheint, dass die Angst heute in der Gesellschaft, in der wir leben, oft unnütz ist und sogar gefährlich. So oft entsteht Gewalt, Ablehnung oder Hass aus einer Angst, die nicht begründet ist. Gäbe es die Angst nicht, dann gäbe es bestimmt viele Probleme weniger in der Welt.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Ehrlich gesagt, ich kann nicht gut kochen. Ich denke, mein Freund müsste das übernehmen, denn er ist einfach viel besser darin! Vielleicht würde ich ihn fragen, ob er was mit Salbei macht. Ich liebe gerade Salbei!

Was sollte niemand von dir wissen? Ein paar Geheimnisse sollte man wohl haben!

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Was würdest du sein/machen, wenn dein Leben anders verlaufen wäre? Ha!

Das letzte Wort: Unbeschwertheit, bitte komm zurück – irgendwann!

FOTO: Anne Lakeberg

Peter Putz

Wenn in einem Interview Aristoteles, Niccolò Machiavelli und Sir Karl Popper vorkommen und dazu Nietzsche und Kant zitiert werden, dann hört man besser zu. Oder liest weiter, wie in diesem Fall. Peter Putz ist Co-Founder der Künstler*innen-Management-Agentur KARAKTER WORLDWIDE, der Talent Agentur Heavy German Shit und von Love Your Artist, einem fairen und transparenten one-stop-Onlineshopsystem für Veranstaltungen und Kreative. Darüber hinaus ist Peter als Projektconsultant tätig und hält Vorlesungen an Universitäten und bei Austausch-Programmen. Seit 2005 begleitet er Künstler*innen und Acts wie Get Well Soon, Anais Mitchell, Hundreds oder die einzigartigwunderbare Wallis Bird auf ihrem Weg. Ihm haben wir es übrigens auch zu verdanken, dass Wallis uns mit ihrem Auftritt beim MMW Festival #5 einen physisch musikalischen Moment für die Ewigkeit schenkte. Auf die müssen wir aktuell leider verzichten, was für uns natürlich ärgerlich ist. Für viele Kreativschaffende gilt es hingegen, eine wahrhaft existentielle Herausforderung zu meistern und das geht nur gemeinsam. Check: LYA

Name: Peter Putz
Alter: 42
Wohnort: Berlin
Beruf: Unternehmer in der Kreativindustrie
Schuhgröße: 45
Lieblingsohrwurm: Europa-Hymne
Kontakt: peter@karakter-worldwide.com

Was wird sich nach der Krise positiv verändert haben? Hoffentlich die bestärkte Erkenntnis, dass Nietzsche Recht hatte, als er sagte: „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“ Und ganz wichtig: Die Wertschätzung für Kitas ;-)

Fasse den letzten Monat in einem Satz zusammen: „The unexpected can happen.“

Was war bis jetzt dein größter beruflicher Erfolg und warum? Die Art und Weise, wie wir als Team gemeinsam mit den Menschen, die wir vertreten dürfen, Herausforderungen meistern und trotzdem unseren moralischen Kompass und die Lust an der Herausforderung, an Neuem und unsere Freundschaften erhalten.

Auf was könntest du in Deinem Leben nicht verzichten? Menschen um mich herum. Interessante Gespräche. Momente.

Du begegnest deinem 18-jährigen Ich. Welchen Rat gibst du dir? Zwei wichtige Punkte, an die man sich unbedingt orientieren sollte: 1. „If the grass looks greener on the other side, it’s because they take care of it.“ 2. „Gemütlichkeit ist die Relation von Zeit, Bier und Geld.“ (Gerhard Polt)

Wenn du drei geschichtliche Personen zum Essen einladen könntest, welche wären das? Aristoteles, Niccolò Machiavelli und Sir Karl Popper

Was ist das lustigste deutsche Wort? Fremdschämen

Wo fühlst du dich zuhause? In Berlin.

Was ist dein wertvollster Besitz? Optimismus. Kant soll einmal gesagt haben, es gebe auch eine sittliche Pflicht zum Optimismus.

Welche Superheldenkraft hättest du gern? Zeitmanipulation

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die Frage ist so groß, dass sie schwer zu beantworten ist. Ich könnte jetzt die offensichtlichen Punkte, wie Auf Mutter Erde zu schauen, Verteilungs-Gerechtigkeit, Weltfrieden, den Respekt unter Kulturen etc aufzählen. Das ist hoffentlich alles klar. Ich glaube die Antwort, die das alles eher real machen würde, wäre: Zugang zu bestmöglicher Bildung für alle Menschen. Das würde viele andere Probleme lösen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Wiener Schnitzel. Oder Käsekrainer.

Was sollte niemand von dir wissen? Eben.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Nicht diese.

Das letzte Wort: Omega.

FOTO: Jens Öllermann

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 29. April 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Kübra Gümüşay

Kübra Gümüşay ist Autorin und Aktivistin. Sie studierte Politikwissenschaften in Hamburg und an der School of Oriental and African Studies der Universität von London. Laut Deutschlandradio gehört sie zu den prägenden Köpfen des Islam in Deutschland. Ihr erstes Buch „Sprache und Sein“ handelt von der Sehnsucht nach einer Sprache, die Menschen nicht auf Kategorien reduziert. Sie geht darin der Frage nach, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Sie beschreibt, wie Menschen als Individuen unsichtbar werden, wenn sie immer als Teil einer Gruppe gesehen werden – und sich nur als solche äußern dürfen. Momentan arbeitet sie neben einigen spannenden Projekten, von denen sie allerdings noch nicht mehr erzählen kann, auch an ihrem nächsten Buch. Wir können es kaum erwarten. Teşekkür ederim!

Name: Kübra Gümüşay
Alter: 31
Wohnort: Hamburg
Beruf: Autorin
Schuhgröße: 39
Lieblingsort: Überall dort, wo ich mich inmitten von Herzensmenschen bewegen kann – an festlichen Tischen, bei gemeinsamen Projekten, in unseren Wohnzimmern – oder auch: in den Büchern, also Bergen von ihnen, in Bibliotheken.
Kontakt: kubragumusay.com

Fasse die letzten drei Wochen in drei Worte zusammen: Umbrüche, Neuanfänge, Zukunft

Was erzählen wir uns in zehn Jahren über die Corona-Zeit? Ich werde für mich persönlich wahrscheinlich eben diese drei Wörter nutzen. Was für eine gesamtgesellschaftliche Erzählung stattfinden wird, hängt davon ab, was wir aus und in diesen Zeiten machen. Unsere Zukunft, so viel steht fest, wird uns nicht einfach passieren. Und das, was an den Grenzen unserer Gesellschaft und unseren künstlichen Landesgrenzen passiert, erzählt aber jetzt schon viel über uns und diese Zeit.

Was macht dich richtig zufrieden? Wenn ich spüre, wie ich dazulerne, wachse. Wenn ich mit einem Menschen eine neue, tiefe Verbindung aufbaue. Wenn ich in einem Raum Liebe, Zugewandtheit, Freude füreinander spüre.

Welche Eigenschaft hast du von deinen Eltern geerbt? Die Freude am Helfen und Mitdenken.

Was kommt als nächstes? Diese Woche beginnt die Fastenzeit. Sie wird anders als sonst, aber ich hoffe, umso nachdenklicher, reflektierter und damit womöglich erfüllender, bewegender.

Du darfst den Duden um drei Wörter deiner Wahl ergänzen. Bitteschön: Muhabbet (Liebe & Zuneigung zwischen Menschen, die durch ein Gespräch entstehen kann), Yakamoz (die Reflexion des Mondes in der Nacht auf dem Wasser), yardımsever (Übersetzungsmaschinen sagen „karitativ“ sei eine gute Übersetzung. Finde ich nicht. Grob übersetzen ließe sich dieses Wort als die Beschreibung einer Person, „die es mag zu helfen“.)

Was ist gerade das Hintergrundbild auf deinem Telefon? Mein Sohn.

Was ist deine größte Schwäche? Mit jeder Stärke ist auch Schwäche verbunden, mit jeder Schwäche eine Stärke. Deshalb kann ich die meisten Eigenschaften nicht klar in „Schwäche“ oder „Stärke“ einordnen. Aber meine ausgeprägte Begeisterungsfähigkeit für ALLES, die manchmal in Zerstreuung zu kippen droht, finde ich aktuell sehr nervig.

Wen rufst du am häufigsten an? Aktuell via Mobiltelefon: Meine Familienmitglieder. Digitale Anrufe: Kolleg*innen, mit denen ich an diesen neuen Projekten arbeite.

Wofür hast du kein Talent? Zum Abmessen oder Abschätzen von Zeit.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die Strukturen unserer Gesellschaft in solche ändern, die alle gleichberechtigt umfassen und beheimaten können.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Kürbissuppe und Ofengemüse mit Hummus. Aber am liebsten koche ich mit meinen Gästen zusammen.

Was sollte niemand von dir wissen? That would defeat the purpose.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Welche Frage ich in diesem Bogen falsch beantwortet hatte (inzwischen korrigiert). (Ich hab beim Nachdenken über diese Frage gemerkt, dass ich ein höheres Alter eingetragen hatte. Wird wahrscheinlich mit meinem mangelnden Zeitgefühl und meiner Begeisterung für das nächste Alter zusammenhängen – oder auch der Tatsache, dass sich die ersten Monate dieses Jahres angefühlt haben wie ein ganzes Leben.)

Das letzte Wort: Loslassen.

FOTO: Mirza Odabaşı

Fiona Weber-Steinhaus

Was haben Stern Magazin, Spiegel Online, Guardian, Reportagen, Die Zeit und viele weitere internationale Toptitel gemeinsam? Richtig, sie alle veröffentlichen regelmäßig herausragende Reportagen von Fiona Weber-Steinhaus. Für ihre Rechechen und Geschichten ist die Deutsch-Schottin (sorry für that) auf der ganzen Welt unterwegs, beispielsweise im Nordosten des Kongo, in Bangladesch, den USA oder Sauen in Brandenburg. Dorthin hat sie die erste Frauenklasse der Ernst Busch Hochschule begleitet. Das Porträt dazu findet ihr in der aktuellen Zeit Campus. Die momentane Situation bedeutet für die Homeoffice-erprobte Fiona vor allem fertige Reportagen noch einmal anzufassen, damit sie auch in Corona-Zeiten noch aktuell zu lesen sind und das geliebte Fußballtraining mit ungleich eintönigerem Joggen zu kompensieren (we feel u). Ach ja, und dass sie sich hinten im Haar einen Dreadlock eingerubbelt hat, vom Holzwachs, mit dem sie ihren Stuhl lackiert hat (den sieht man aber bei Videokonferenzen nicht, ha!).

Name: Fiona Weber-Steinhaus
Alter: 33
Wohnort: Hamburg
Beruf: Journalistin
Schuhgröße: 38 (aber ich trage oft größere Schuhe, damit meine Füße nicht so klein aussehen)
Lieblingswort: Viele! Ich würde hier aber gerne für Satzzeichen plädieren. Wenn man ein Säckchen Satzzeichen zum Schreiben mitnimmt und nicht nur zwischen Punkt und Komma hin- und her wechselt, werden viele Texte besser – versprochen!
Kontakt: fionaws.com und hello@fionaws.com

Wie haben sich die letzten vier Wochen für dich angefühlt? Komisch. Auf der einen Seite habe ich normal Texte geschrieben und Sachen abgearbeitet, ich habe einen geregelteren Tagesablauf als sonst und das tut mir gut. Auf der anderen aber habe ich von Freunden und Bekannten aus eher politisch instabilen Ländern plötzlich Nachrichten bekommen, wie es mir ginge und ob meine Familie sicher sei. Es gibt so viele unbekannte Faktoren: Wie wirkt es sich auf die Menschen aus? Werden sich die Gräben zwischen Arm und Reich vertiefen? Wann werde ich meine Familie in Schottland wiedersehen können?

Welche drei Dinge werden nach der Corona-Zeit anders sein? Hoffentlich: zeigt diese Krise, dass vieles, was unmöglich schien, plötzlich doch möglich ist; Klimaziele erreichen, den freien Markt zu hinterfragen, Grundeinkommen. Wahrscheinlich: werden sich viele Menschen daran erinnern, wie wichtig es ist, sich gegenseitig in den Arm zu nehmen – und, leider, glaube ich, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehen wird. Ganz sicher: werde ich besser schleifen, sägen und streichen können. Mein Balkon ist schon jetzt viel schöner!

Wer gab dir den besten beruflichen Rat und welcher war das? „Andere kochen auch nur mit Wasser“ von meiner weisen und witzigen Großmutter. Der Satz hilft in Momenten des Selbstzweifels, wenn man denkt, man müsse erst promoviert haben, bevor man eine Meinung zu einem bestimmten Thema haben kann.

Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte: Ich bin eher davon überzeugt, dass die Welt besser wäre, wenn mehr Leute ihren Bibliotheksausweis ausreizen würden (oder sich Hörbücher anhören würden) – also einfach mehr lesen. Zwei Bücher, die ich immer wieder gerne verschenke: „A Little Life“ von Hanya Yanagihara und das „Das achte Leben – für Brilka“ von Nino Haratischwili (das kann man sich nach Corona auch im Hamburger Thalia Theater anschauen).

Für welche Sache kannst du dich so begeistern, dass du Essen und Trinken vergisst? Ehrlich gesagt: nichts, haha!

Welchen Beruf würdest du gerne mal für einen Tag ausüben? Profilerin. Dann kann ich endlich mein Geheimtalent, dass ich mir sehr gut Gesichter merken kann, ausnutzen – wenn sich denn Profilerinnen überhaupt Gesichter merken müssen?

Wenn Dein Leben verfilmt würde: Welche*r Schauspieler*in würde Dich spielen? Bjarne Mädel? Scarlett Johansson? Irgendwie wirken alle Antworten ein bisschen doof, oder?

Eine Begegnung, die du nie vergisst: Ich war mal mit zwei Kolleginnen bei einer Wahrsagerin, die mich sofort richtig analysiert hat. Eine Woche vorher sind wir über verquere Ecken auf einer Dachterassen-Party eines Literaturfestivals in Dhaka gelandet, wo plötzlich Tilda Swinton neben uns an der Bar stand. Das war einigermaßen skurril.

Welches war das schönste Kompliment, das Dir mal jemand gemacht hat? Mit Dir lache ich am liebsten!

Apropos: Bei welchem Film fängst du an laut zu lachen, auch wenn du ihn alleine guckst? Ich lache immer alleine bei Filmen! Wo ich wirklich laut gelacht habe (und nicht nur gekichert) war bei der Serie Fleabag (und habe mich, wie Tausende andere auch in den Priester verliebt)

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Mehr Warmherzigkeit an alle, viel mehr Geld in Kindergärten und Schulen, gerechter Lohn und gelebte Solidarität. Für mich persönlich: dass meine Haut mehr als nur Sommersprossen im Sommer bekommt; ich hasse LSF 50.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Rote-Bete-Mandel-Petersilien-Apfelsalat mit Feta – ein Gericht, das gleichzeitig Rezept ist (bzw. man sollte alles noch kleinschnippeln und zusammenhauen)

Was sollte niemand von Dir wissen? Erzähl ich nur nach 15 Gläsern Bier.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Worüber ich mich heimlich aufrege.

Das letzte Wort: Seid nett zueinander.

FOTO: Martin Jäschke

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 14. April 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Nina Skarabela-Brennenstuhl

„Iris Apfel ist mein Spirit Animal!“ Wer Nina Skarabela-Brennenstuhl zum ersten Mal trifft, weiß was sie meint. Bunt, straight und immer mit der nächsten guten Idee im Anschlag. Nina ist quasi von Geburt an Freiberuflerin, einen Angestelltenvertrag hat sie noch nie aus der Nähe gesehen. Jede Menge Grund für Unmut und Panik also momentan? Weit gefehlt. Denn sie betreibt nicht nur das vegane Beauty und Nagellack-Label OZN (schöne Finger braucht man auch für die Video Conference), sondern arbeitet außerdem als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Im Homeoffice hält sie ihre 12-jährige Tochter in Schach und telefoniert außer mit ihren regulären Klienten momentan auch mit besonders vielen Menschen, denen die aktuelle Situation zu schaffen macht oder die wieder mit alten Problemen wie Panik-Attacken zu kämpfen haben. Für die erste Stunde Beratung am Telefon verlangt sie nichts, weil sie froh ist, während der Krise etwas tun zu können, damit es anderen besser geht. Danke Nina.

Name: Nina Skarabela-Brennenstuhl
Alter: 41
Wohnort: noch München, aber ab 1.7. ziehe ich nach 5 Jahren Fernbeziehung endlich zu meinem Mann nach Berlin
Beruf: Heilpraktikerin für Psychotherapie und Gründerin des Beauty Brands OZN
Schuhgröße: 40
Lieblingsfarbe: Bunt
Kontakt: ninaskarabela.com und ozn-vegan.de

Fasse die letzten zwei Wochen in drei Worte zusammen: Homeschooling, Spazieren gehen und telefonieren.

Was macht Corona mental mit uns? Wir haben null Kontrolle über die Situation und wissen nicht, wie es weitergeht. Das macht erstmal Angst. Dazu kommt, dass viele von uns jetzt neue Strategien zur Krisenbewältigung erlernen müssen. Bislang ging man raus und hat sich abgelenkt, wenn es einem nicht gut ging. Das ist nun von heute auf morgen nicht mehr möglich.

Was wird sich nach der Krise positiv verändert haben? Ich glaube, die Erfahrung, dass sich das Blatt ganz fix wenden kann, das wird uns lange im Bewusstsein bleiben. Wir werden hoffentlich genügsamer und achtsamer sein.

Du findest einen Roman über dein Leben. Liest du weiter? Ich glaube nicht, wer will schon wissen, wie es weiter geht? Das ist doch langweilig.

Du kannst mit einer Zeitmaschine reisen, welches Jahr stellst du ein? 2500 v. Chr. Ich würde zu gerne wissen, wie die damals die Pyramiden gebaut haben, ich hab schon unzählige Reportagen darüber gesehen und so recht erklären kann das ja bis heute niemand.

Welche Superheldenkraft hättest du gern? Die Welt retten. Und als kleines Ad On: aus Sch… Gold machen.

Ohne was verlässt du nie das Haus? Handy und Labello

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Dass ich ganz allein für mich und mein Wohlbefinden verantwortlich bin.

Über welches Geschenk hast du dich in deinem Leben am meisten gefreut? Über die Frage musste ich echt richtig lange nachdenken. Ich habe in meinem Leben schon so viele wunderbare Geschenke bekommen, große und kleine, materielle und ideelle, die mir alle wahnsinnig viel bedeutet haben, ich will mich da gar nicht entscheiden müssen.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Oh Gott, da fallen mir 1000 Sachen ein, vom Klimawandel bis hin zu meinen Haaren!

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Homemade Pizza. Ich hab es leider nicht so mit kochen – sehr zum Leidwesen meiner Familie. Bei uns gibt es drei mal die Woche Pizza: den Teig macht der Thermomix und das Belegen bekomme ich gerade noch so hin.

Was sollte niemand von dir wissen? Haha, das werde ich hier gerade verraten!

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wie ich meinen Mann kennengelernt habe…

Das letzte Wort: Old ways won’t open new doors.

FOTO: Christian Brennenstuhl

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 07. April 2020 | Tags: , , Keine Kommentare

Andreas Tuffentsammer

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt.“ Der Satz stammt nicht von Andreas Tuffentsammer sondern von Forrest Gumps Mama. Schade eigentlich, denn zu ihm passen würde er allemal. Andi wurde vor neun Jahren als jüngster Koch mit dem Michelin Stern ausgezeichnet. Seitdem hat er seine eigene gastronomische Welt geschaffen, in der er sich mit allem auseinandersetzt, was gutes Essen ausmacht. Er entwickelt eigene gastronomische Lösungen, von Kochkursen über Private Dining, Supperclubs, Pop-Up Restaurants, Food Stylings bis hin zur Neu-Entwicklung ganzheitlicher Konzepte. Außerdem gibt er sein Wissen als Gastro Consultant weiter. Ach ja und dann hat er mit beets&roots eines der spannendsten Food Konzepte der letzten Jahre gegründet. Aktuell managt er seinen Alltag zwischen Corona-Krisenbewältigung und Home Cooking für die kulinarisch anspruchsvolle Kleinstfamilie. Seine Frau hat er übrigens mit Pralinen rumgekriegt. Nein, nicht so wie ihr denkt.

Name: Andreas Tuffentsammer
Alter: bald 34
Wohnort: Berlin Kreuzberg
Beruf: Koch / Unternehmer
Schuhgröße: 42.5
Lieblingssauce: Szechuan Pepper Sauce
Kontakt: andreas@beetsandroots.de

Was hast du in der letzten Woche über dich gelernt? Ich kann auch 8 anstatt 5 Stunden schlafen.

Was wird sich nach der Corona-Krise positiv verändert haben? Menschen werden flexibler in ihrem Denken und Handeln und dankbarer für die kleinen Dinge des Lebens sein.

Wie wirst du in einem Jahr auf den März 2020 zurückschauen? Glücklich, dass es doch nicht so schlimm geworden ist, wie manche angenommen haben.

Was kommt als nächstes? Ich setze gerade ein Delivery Modell für Unternehmen auf, die trotz Homeoffice ihren Mitarbeitern einen gesunden Lunch ermöglichen wollen und bei dem wir mit unserem beets&roots E-Bike den Lunch kontaktlos zu jedem einzelnen Mitarbeiter ins Homeoffice bringen.

Über welches Thema könntest du eine 30-minütige Präsentation halten, ohne jede Vorbereitung? Pralinen – meine Frau erzählt bis heute die Geschichte unseres ersten Dates: Ich war damals in der Ausbildung und habe ihr eine halbe Stunde im Detail die Herstellungspraxis von Pralinen inklusive aller kritischen Punkte und Tricks erzählt, woraufhin sie mich eher für einen Sonderling hielt. Gott sei Dank hat es dann trotzdem geklappt.

Was schätzt du an dir am meisten? Als Kind habe ich immer schon gerne gekocht, aber ohne das richtige Wissen waren nicht alle Kreationen essbar. Heute schaffe ich doch größtenteils leckere Gerichte zuzubereiten, was besonders in der aktuellen Situation vorteilhaft ist und gute Laune macht.

Eine Begegnung, die du nie vergisst: 2012 ein Abend mit Wolfram Siebeck, dem Gastro-Tester-Papst im Deutschland der Nullerjahre und davor, mittlerweile leider verstorben, besuchte mich im Restaurant, das 2011 mit einem Stern ausgezeichnet wurde und wir sprachen lange bei einem Glas grünem Veltliner über Gott und die Welt und natürlich Essen. Für mich damals wie heute eine beeindruckende und starke Persönlichkeit, die viel für die Kulinarik in Deutschland geleistet hat.

Welche drei Lebensmittel würdest du hamstern? Olivenöl, Mehl, Butter

Wie sieht es bei dir zu Hause aus? Helle Räume, da Dachgeschoss, viele kantige Gastroprofigeräte in der Küche, großer weißer Tisch, bunte Stühle, alte Ledersofas, Holzboden, viele Bücher, schön aufgeräumt, vereinzelt Spielzeug auf dem Boden.

Dein Film- oder Serientipp für ein Wochenende zu Hause? In letzter Zeit hat mich „Der unsichtbare Gast“ von Oriol Paul sehr begeistert, ansonsten bieten sich gerade Klassiker mit Überlänge an, z.B. von Scorsese. Morgens für gute Laune nach dem Aufstehen zum Kaffee kochen und andere morgentliche Tätigkeiten empfehle ich Tele Gym Aerobic aus den 90ern nebenher laufen zu lassen. Auch ohne viel Bewegung fühlt man sich direkt fit.

Was würdest du ändern wenn du die Macht dazu hättest? Neben aktuell unfassbar viel sozialer Ungerechtigkeit und schwieriger weltpolitischer Situationen, dass regionale Produzenten und Erzeuger staatliche Unterstützung bekommen um sich soweit zu professionalisieren, dass eine flächendeckende und lückenlose Versorgung systemgastronomischer Betriebe sicher und dauerhaft möglich ist.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Wahrscheinlich „Allerlei aus Kühlhaus 3“ wie es im Fachjargon heißt: ich liebe es Schubladen aufzuziehen und kleine Tapas-Portionen aus dem zu kochen was wir da haben. Wenn alle Stricke reißen gibt es Spaghettini mit Knoblauchöl und Parmesan.

Was sollte niemand von dir wissen? Bevor ich mit meinem Partner Max beets&roots gegründet habe, war Salat für mich eher die Nebensache auf der Speisekarte.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Was Männer mit Glatze machen, wenn der Trend mit dem Hipster Bart irgendwann vorbei ist.

Das letzte Wort: Ich wünsche mir, dass wir trotz Kontaktverbot füreinander da sein können und es zusammen schaffen die Krise zu überwinden.

FOTO: Carina Adam

Richard Pflaume Hoyer

Richard ist Fotograf. Ein ziemlich guter, um genau zu sein. Das nützt ihm momentan allerdings herzlich wenig. Kunden und damit Aufträge sind unter den gegeben Umständen nämlich erst einmal keine in Sicht. Nachdem alle aktuellen Auftragsarbeiten gecancelled wurden, hat er mit einer experimentellen Projektarbeit begonnen. „Remote from Quarantine“ beschäftigt sich im künstlerischen Sinn mit Fotografie aus der Ferne, wenn man persönlich nicht anwesend sein kann oder möchte. Wie das geht? Richard porträtiert beispielsweise Menschen in Quarantäne über ihre Desktop- oder Handykamera. Das Szenario lässt sich nach Corona auch auf andere Krisen- oder Ausnahmesituationen übertragen. Entstehen soll ein Buch oder Booklet. Passt, denn Anfang 2019 hat sich Richard dazu entschieden, weniger kommerzielle Werbung zu fotografieren, weil sie zwar finanziell reizvoll ist, aber die Halbwertszeit eines Magazin-Seitenschlags oder einer U-Bahnstation in Durchfahrt hat. Parallel arbeitet er an zwei Dokumentarfilm-Projekten und Fotobüchern. Wir glauben an dich!

Name: Richard Pflaume Hoyer
Alter: Dreiunddreißig
Wohnort: Berlin
Beruf: Global Story Scout in Bild und Schrift (copyright)
Schuhgröße: In 10 Jahren stimmen Alter und Schuhgröße überein.
Lieblingskamera: Als Fotograf schwöre ich euch: Das Objektiv ist wichtiger als die Kamera.
Kontakt: richardpflaume.com

Beschreibe deinen Job in drei Worten: Complex but fun.

Was war bis jetzt dein größter beruflicher Erfolg und warum? Meine Steuererklärung von 2016 vor zwei Wochen erledigt zu haben. Weil zu unserem Beruf leider mehr gehört, als Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Geschafft hast du es, wenn du dich nicht mehr selbst darum kümmern musst, dass alles zum Steuerberater kommt. Das muss Freiheit sein!

Wer gab dir den besten beruflichen Rat und welcher war es? Kein direkter Rat, aber: Ich hatte das Glück einige Male Juergen Teller assistieren zu dürfen. Ein sehr angenehmer und bodenständiger Mensch. Ich habe ihn bei seiner Arbeit viel beobachtet und denke für mich verinnerlicht zu haben, dass das Zwischenmenschliche die halbe Miete oder mehr ist. Manchmal hat er Stunden kein einziges Foto gemacht, nur um die Stimmung für das dann für ihn perfekte Bild zu schaffen. Das hat mich fasziniert. Vielleicht hört sich das pathetisch an, aber ich finde man fühlt die Nähe zu seinen Motiven in seinen Bildern.

Eine Begegnung, die du nie vergisst: Zwei, okay? Ich habe im tiefsten Bayern mal in einem fast privaten Moment Sophia Coppola freundlich die Hand geschüttelt ohne zu realisieren, dass sie es ist. Ich bin ein großer Fan ihrer Arbeit (Tipp: Das auf der DVD enthaltene BTS von Lost in Translation anschauen). Außerdem durfte ich vor einiger Zeit A$AP Rocky fotografieren. Was für ein feiner Kerl, alle Anwesenden inklusive mir waren verliebt in ihn.

Welchen Beruf würdest du gerne mal für einen Tag ausüben? Matrose auf einem Containerschiff. Die Dinger haben auf mich eine unerklärliche Anziehung.

Was ist gerade das Hintergrundbild auf deinem Telefon? Ein künstlerisch wertvolles Selfie meiner Partnerin. Nicht was du jetzt denkst…

Du begegnest deinem 18-jährigen Ich. Welchen Rat gibst du dir? Mach was du willst! Aber mach deine Steuererklärung von 2016 früher!

Welches war das schönste Kompliment, das dir jemand einmal gemacht hat? Komplimente sind mir unangenehm. Aber man sollte Leuten unbedingt öfter ehrliche Komplimente machen, wenn einem danach ist.

Was machst du, wenn dir langweilig ist? Ich schwöre mir ist nie langweilig. Im Kopf ist immer was los.

Verrate uns einen magischen Ort! Jedes Arthouse Kino.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die Zahlen auf meiner Steuererklärung. Okay, stop, der Witz ist durch. Ich würde sofort alle Kriegsursachen beenden.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Eine gute Pasta.

Was sollte niemand von dir wissen? Ihr wollt, dass ich jetzt sage, dass das eine Fangfrage ist, oder?

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Welcher der beste Fußballverein der Welt ist, wobei es darauf ganz klar nur die Antwort Eintracht Frankfurt gibt. (Fußball ist als Spiegel einer Gesellschaft total unterbewertet und wird viel zu oberflächlich rezensiert.)

Das letzte Wort: Auch in schwierigen Zeiten, glaubt bitte an euch! Und an mich. Danke fürs Gespräch!

FOTO: Benjamin Kim / Richard Pflaume

Vreni Jäckle

Vreni ist eine Fashion Changerin. Gemeinsam mit ihren Co’s Jana und Nina hat sie nämlich die gleichnamige Plattform für nachhaltige Mode und Fair Fashion gegründet. Das letzte Jahr stand für die Fashion Changers ganz im Zeichen der aktivistischen Arbeit, beispielsweise durch die Unterstützung der #fairbylaw Petition, die versucht, auf politischer Ebene ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Textilunternehmen (und alle anderen!) Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen müssen. Am 12. März erschien das Buch „Fashion Changers – wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können“ im Knesebeck Verlag. Darin dreht sich alles um das enorme Change-Potential der zweitgrößten Konsumgüterindustrie in Deutschland für Gleichberechtigung, Geschlechtergerechtigkeit, Diversität, Klimakrise und Nachhaltigkeit. Wir verlosen zwei druckfrische Exemplare. Schreibt eine Mail mit dem Betreff ‚KONSTANT IST NUR DER WANDEL‘ an hurra@muxmaeuschenwild.de. Zurück zu Vreni. Was wir bereits wissen: sie betreibt einen eigenen Podcast namens „Gern Geschehen!“, liebt Altes und Schönes, Rotwein und tiefgründige Gespräche. Was wir noch wissen wollen. Alles! Deshalb haben wir auch fast alles gefragt. Frage zehn wird euch überraschen.

Name: Vreni Jäckle
Alter: 26
Wohnort: Berlin
Beruf: 100% Fashion Changer ;) (nebenher mache ich Kommunikations- und visuelle Konzepte für LOVECO)
Schuhgröße: 39, aber wenn ich groß bin, will ich in den Fußstapfen von Iris Apfel wandeln.
Lieblingsgetränk: Berlin-Klischee, aber wahr: Mate.
Kontakt: @vrenijaeckle auf Instagram

Wofür brennst du? Für eine bessere Modebranche, die ihren Profit nicht auf die Ausbeutung von unzähligen Textilarbeiter*innen auf der einen Seite stützt und Marketing mit den Unsicherheiten von Frauen* auf der anderen Seite macht. Und für eine, die Umweltstandards nicht nur als PR-Tool versteht, sondern wirklich was für Klimaschutz macht.

Was war die härteste Arbeit, die du je gemacht hast? Meiner Familie zu erklären, dass ich als Vegetarierin auch nicht „nur ein bisschen Speck“ oder Fisch essen will. Als ich mich dann auch noch für eine vegane Ernährung und gegen den Quark-Auflauf entschieden habe, war das für alle Beteiligten nochmal extra hart.

Wenn du umziehen müsstest, wo würdest du gerne leben? Mir fällt eigentlich kein besserer Ort als Berlin ein, aber wenn ich wirklich müsste: Malmö, Kopenhagen oder Amsterdam.

Was wolltest du mal werden, wenn du groß bist? Balletttänzerin!

Was für eine Rolle hast du in deinem Freundeskreis? Ich bin die, die eigentlich immer etwas zu spät kommt, dafür keine Ausreden hat außer die eigene leichte Verpeiltheit – äh, Verträumtheit! – sich einen Wein einschenkt und dann spätestens nach einer Stunde völlig in einem tiefgründigen Gespräch versunken ist.

Wenn du drei historische Personen zum Essen einladen könntest, welche wären das? Das war zwar nicht die Frage, aber ich würde gerne mit Simone de Beauvoir, Wes Anderson und Iris Apfel einen Film drehen. Drehbuch: Simone de Beauvoir, Regie: Wes Anderson, Kostüm: Iris Apfel, Behind the scenes Stories auf Instagram: Vreni Jäckle.

Woran merkst du, dass du erwachsen geworden bist? An den Anrufen von meinem Steuerberater.

Wenn du ein Video haben könntest von einer Situation deiner Wahl aus deinem Leben. Welche Situation wäre das? Wie ich als Kind auf unserem damaligen Bauernhof die Hühner füttere.

Dein Song für die Ewigkeit? Metronomy – The Look

Welchen Wochentag magst du am liebsten und warum? Sonntag. Ich bin überhaupt nicht religiös, aber ich liebe es, wenn wir alle für einen Tag in der Woche aufhören, sinnlosen Kram zu kaufen und ein bisschen runterfahren. Und auch allein sein an einem Sonntag ist eine gute Übung, finde ich.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde ein Lieferkettengesetz, wie wir es mit der #fairbylaw Petition fordern, durchsetzen und einen Brief an das Wirtschaftsministerium senden, in dem steht: „Siehste, tat doch gar nicht so sehr weh!“

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Ich würde total vergessen, dass ich etwas hätte kochen sollen und ihr müsstet dann erstmal Gemüse mit mir schneiden.

Was sollte niemand von Dir wissen? Da fällt mir gar nichts ein, weil ich immer von radikaler Ehrlichkeit spreche und das auch wirklich so meine. Ich mache kein Geheimnis daraus, ob ich etwas gut oder schlecht kann und beantworte tatsächlich auch die Frage „Wie geht’s dir?” meistens ehrlicher als mein Gegenüber das vielleicht erwartet.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wann eröffnest du einen Vintage-Store?

Das letzte Wort: Wanna support women? Support fair fashion!

FOTO: Vreni Jäckle

Olivia Wenzel

Olivia Wenzel, Jahrgang 1985, wuchs als Kind einer weißen Mutter aus Ostdeutschland und eines schwarzen Vaters aus Sambia in der Nähe von Weimar auf. „Dort lebten wenige Schwarze, wir wurden ständig verwechselt“, sagt sie. Inzwischen lebt sie in Berlin und wird weniger oft verwechselt. Das Thema Alltagsrassismus hat sich damit aber nicht erledigt. In ihrem ersten Roman „1000 Serpentinen Angst“ thematisiert sie ihre ganz persönlichen Erfahrungen und teilt Gedanken zu Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit, Liebe und Angst. Im Buch geht es um eine eine junge schwarze Frau, die in Ostdeutschland Ende der 1980er Jahre auf die Welt kommt, später nach Berlin zieht und getrieben ist – von den Menschen in ihrer Umgebung, dem toten Zwillingsbruder, der überforderten Mutter und dem abwesenden Vater. Starker Tobak, starker Roman. Momentan ist Olivia dabei ringsum Interviews und Lesereisen zu bewerkstelligen. Ihr kafkaesker Hang zu To-Do-Listen kommt ihr da sicher zugute.

Name: Olivia Wenzel
Alter: 35
Wohnort: Berlin
Beruf: meistens Autorin & Musikerin, gebe manchmal auch Workshops & manage Kulturprojekte
Schuhgröße: Eine Größe zu groß für so genannte Damenschuhe.
Lieblingsort auf der Welt: Am Meer, egal wo.
Kontakt: Über meinen Verlag, S. Fischer.

Würdest du lieber etwas versuchen und dabei scheitern oder es gar nicht erst versuchen? Ich versuche gern und oft neue Sachen, in meiner Arbeit und generell. Scheitern ist für mich weder peinlich noch negativ. Nur beim Essen gefällt mir eine gewisse Routine; ich gehe sehr gern in gutbürgerlichen, langweilig anmutenden Restaurants essen.

Was wäre eine Sache, die du uns beibringen könntest? In sich selbst hineinzulauschen und sehr genau auf die „innere Stimme“ zu hören.

Was ist wichtiger: Theorie oder Praxis? Das geht für mich Hand in Hand, ich habe auch genau das studiert: Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis.

Wer oder was inspiriert dich? Filme wie „Beasts of the Southern Wild“, Bücher wie Jia Tolentinos „Trick Mirror“, Menschen in meinem Alltag, denen ich zufällig begegne und die herzlich und offen sind.

Wenn alle Jobs gleich bezahlt werden würden, welchen Beruf würdest du dann wählen? Ich habe das Glück und Privileg, von meiner künstlerischen Arbeit leben zu können. Viel Geld hat mich noch nie interessiert, eher überfordert. Sprich: Ich würde all das machen, was ich bisher gemacht habe, genauso.

Auf was für Veränderung hoffst du in der Zukunft? Verbot der AfD, verstärkte soziale Beschämung all derer, die menschenverachtend hetzen, ein Internet, das mir nicht ständig irgendwas verkaufen will, inklusive mich selbst, eine intaktere Natur, und, wie jedes Jahr: dass ich es endlich schaffe, genügend Sport zu treiben, um mich einigermaßen fit zu fühlen.

Wie alt wärst du gerne für immer? Ich glaube, 40 zu sein wird der Hammer.

Bist du ein Gefühls- oder ein Kopfmensch? 50/50

Welche aktuell lebende Person würdest du gerne mal treffen? Ich würde mich sehr freuen, wenn Tic Tac Toe sich wiedervereinigen und mir zuhause, im Wohnzimmer, ein Acapella-Rap-Konzert geben würden. Und ich würde sehr gerne mal ein paar Tage mit einer Spielerfrau irgendeines international bekannten Fußballstars verbringen, also Einblicke in ihren Alltag bekommen. Würde Sun Ra noch leben, würde ich auch ihn gern treffen, auf dem Saturn ein bißchen mit ihm umher floaten und von weit weit weg, mit großer Gelassenheit, auf die Erde schauen.

Wenn du nicht mehr schlafen müsstest, was würdest du mit der zusätzlichen Zeit anfangen? Ich liebe Schlafen. Aber wenn ich tatsächlich mal etwas mehr freie Zeit zur Verfügung hätte, würde ich gern monatelang chillen, gut essen, am Meer herumliegen und lesen. Also die Form von Urlaub als Alltag leben, für die so viele Leute so viele Jahre hart arbeiten gehen.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Siehe: Auf welche Veränderungen hoffe ich in der Zukunft.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Ich bin keine gute Köchin. An einem okayen Tag würde ich euch wahrscheinlich was Vietnamesisches bestellen, an einem schlechten Tag ’ne billige Tiefkühl Margherita in den Ofen hauen.

Was sollte niemand von Dir wissen? Womit ich mein Geld verdienen wollte, als ich nach Berlin zog.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Im Moment werde ich ziemlich oft gefragt, was in meinem Roman autobiographisch ist. Ich find’s toll, dass ihr das nicht gefragt habt.

Das letzte Wort: Schaut unser schönes Video an, das wir, von meinem Buch inspiriert, gedreht haben!

FOTO: Juliane Werner

Teresa Bücker

Teresa Bücker ist Journalistin, Moderatorin und Speakerin zu gesellschaftspolitischen Themen – ganz besonders Zeit, Arbeit, Feminismus und Familie. Zuvor war sie Chefredakteurin bei EDITION F, vorher Ressortleiterin Community und Social Media der Wochenzeitung der Freitag und Referentin für Digitale Strategie des SPD-Parteivorstands. Seit November 2019 schreibt sie für das Süddeutsche Zeitung Magazin Online die wöchentliche Kolumne Freie Radikale – die Ideenkolumne. Im April bekommt sie ihr zweites Kind. Die Zeit bis dahin nutzt sie zum Nachdenken, über das Thema ihres ersten Buches beispielsweise. Irgendwas mit Leopardenmustern, Feminismus, Akte X und Birnen-Schokokuchen vermutlich. Einen Titel gäbe es auch schon: „Nicht alle aus dem Sauerland sind so wie Friedrich Merz.“

Name: Teresa Bücker
Alter: 35
Wohnort: Berlin
Beruf: Journalistin
Schuhgröße: 38
Lieblingsbuch: Leslie Jamison – Die Empathie-Tests
Kontakt: teresabuecker.de

Mit welchen drei Worten würden dich deine Freund*innen beschreiben? Besonnen, empathisch, weitsichtig

Wenn alle Jobs gleich bezahlt werden würden, welchen Beruf würdest du dann wählen? Immer wieder Journalistin und Autorin.

Was war die beste Entscheidung deiner beruflichen Laufbahn? Mein Veterinärmedizin-Studium abzubrechen und zu erkennen, dass ich nicht aus vollem Herzen Tierärztin werden wollte.

Könntest du dir ein Leben ohne Internet vorstellen? Ja. Wenn wir alle weniger arbeiten würden und damit mehr Zeit für Freund*innen und Familie hätten.

Eine Begegnung, die du nie vergisst: Ein Treffen mit dem SPD-Politiker Egon Bahr, der als ersten Satz zu mir sagte: „Ich habe über Sie gelesen in Verbindung mit Cyber-War.“

Was kommt als nächstes? Die feministische Revolution. Wenn wir alle mitmachen.

Verrate uns einen magischen Ort! Modica in Sizilien.

Welches war das bisher schönste Kompliment, das dir jemand gemacht hat? Nach einer meiner Kolumnen im SZ-Magazin hat mich mein ehemaliger Nachhilfeschüler angeschrieben, den ich unterrichtet habe, als ich selbst in der Oberstufe war. Er hat sich für die Zeit mit mir damals bedankt und gesagt, er hätte danach nie wieder Nachhilfe gebraucht und gelernt, sich selbst zu motivieren. Mich hat das sehr berührt, dass er mir geschrieben hat und dass ich etwas in seinem Leben verändern konnte. Das hätte ich nie so eingeschätzt.

Welche Eigenschaft schätzt du an einem Menschen? Ein echtes Interesse an anderen zu haben, neugierig auf und offen für sie zu sein. Also zuhören und verstehen wollen.

Wessen BRAVO-Poster hattest du an der Wand? Unter anderem eines von Dana Scully und Fox Mulder. Das würde ich mir heute immer noch aufhängen. Vielleicht mittlerweile aber nur noch eins von Gillian Anderson, die ich nach wie vor vergöttere und die immer schöner wird.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die 20-Stunden-Woche einführen. Denn ich glaube, dass das vor allem zwischenmenschlich viel verändern könnte, wenn wir mehr Zeit füreinander hätten und weniger gestresst wären. Mehr Zeit für Liebe, weniger Zeit für Hass.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Ich würde meinen Partner für euch kochen lassen, meine Kochkünste beschränken sich auf eine gute Kürbissuppe. Dafür kann ich richtig gut backen, zum Beispiel einen sehr tollen Schokokuchen mit Birnen.

Was sollte niemand von dir wissen? Schwierige Frage! Denn eines meiner Anliegen ist, dass wir Tabus abbauen und uns verletzlich zeigen können, ohne dass daraus Nachteile entstehen. Es ist so wichtig, über schwere Zeiten und die eigenen Macken zu sprechen, damit andere merken, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Was ist schöner als Feminismus?

Das letzte Wort: Leopardenkleider machen glücklich.

FOTO: Jasmin Schreiber

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 03. März 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Elisabeth Schuh & Petra Moske

In Deutschland leben über eine Million Familien, die ein chronisch krankes oder behindertes Kind zu Hause pflegen. Ein Fulltime-Job für die Eltern, der sie physisch und psychisch an ihre Grenzen bringt – leider oft auch an den Rand der Gesellschaft. Vor 20 Jahren gründeten Petra Moske und Elisabeth Schuh den Verein nestwärme e.V., sammelten seither unermüdlich Spenden und gewannen zahllose Mitmacher, Kooperationspartner und Unterstützer. In 20 Jahren ist aus dem Verein ein Sozialunternehmen mit einem Netzwerk aus Zivilgesellschaft, Politik sowie Wirtschaft geworden, das Zeit und Wärme schenkt, berät, unterstützt und eine Brücke zwischen der Gesellschaft und besonderen Familien schlägt. Wir haben die beiden Kümmerinnen, Pflegerinnen, Psychologinnen, Hubschraubermuttis, Karnevalbegeisterte, Vorsorgerinnen, Menschenfischerinnen getrennt voneinander befragt. Endlich gab’s mal grundsolide Antworten auf die Kochfrage!

Name: Elisabeth Schuh / Petra Moske
Alter: 57 / 54
Wohnort: Trier / Trier
Beruf: Expertin und Erneuerin im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens / Beziehungsmanagerin und Sozialunternehmerin
Schuhgröße: 41 / 40
Lieblingsfilmzitat: „Ja Chef, Nein Chef, Weiss ich nicht Chef.“ (Dinner Rush) / „Irgendwas ist anders“. – „ Gut oder schlecht?“ – „Alles was anders ist, ist gut.“ (Und täglich grüßt das Murmeltier)
Kontakt: kontakt@nestwaerme.de

Was schätzt du an dir am meisten?
Elisabeth: Dass ich Action liebe und trotzdem auch Ruhe halten kann.
Petra: Meine Lebensfreude und meine Hartnäckigkeit

Warum machst den Job, den du heute machst?
Elisabeth: Weil ich so viel bewegen kann, und weil es mit Petra zusammen und unserem Team immer passt.
Petra: Es erfüllt mich sehr, Grenzgängerin, Aktivistin und Mitgestalterin zu sein – für etwas ganz ganz besonders Sinnhaftes! Nämlich zum Wohle für und mit Menschen (Kindern).

Auf welche Veränderung hoffst du in der Zukunft?
Elisabeth: Auf eine faire, friedliche und weniger gewinnorientierte Welt.
Petra: Auf eine inklusive Gesellschaft, in der menschliche Wärme und Zuwendung mindestens einen so hohen Stellenwert haben, wie Model-Influencer jetzt schon.

Welche ist deine früheste Erinnerung?
Elisabeth: Als mein Opa mir und meinem Bruder warnend zurief, damit wir nicht vom Strohboden runterfallen.
Petra: Mein Campingurlaub mit meinen Grosseltern in Südfrankreich.

Für welche drei Dinge in deinem Leben bist du besonders dankbar?
Elisabeth: Dass ich gesund und relativ unbeschwert aufwachsen durfte, für meine Familie und dass wir ein Häuschen für uns haben.
Petra: Als Frau in einem freien Land zu leben, meine Tochter und darauf, gesellschaftliche und berufliche Gestalterin zu sein.

Elisabeth, beschreibe Petra in einem Satz: Sie ist meine Muse und mit ihr geht immer was!
Petra, beschreibe Elisabeth in einem Satz: Durch dick und dünn gehende Schwester von Filzpantoffel bis High Heels und Unternehmerin für alle Fälle.

Wofür brennst du?
Elisabeth: Für meine Familie und für alle und alles bei nestwärme
Petra: Für Inklusion, Milchreis und Rotwein

Wen rufst du am häufigsten an?
Elisabeth: Ich telefoniere nicht gern.
Petra: Social Media-Experten in meinem Freundes-und Kollegenkreis

Du wirst wiedergeboren, als was?
Elisabeth: Katze
Petra: Giraffe

Meer oder Berge?
Elisabeth: Unbedingt Meer
Petra: Berg mit Meerblick

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Elisabeth: Dass es schon eine Lösung gäbe, wie wir alle miteinander die Verantwortlichkeit für eine faire, lebenswerte und ausgeglichene Weltgemeinschaft und Natur leben.
Petra: In Deutschland alleinerziehende und pflegende Mütter sowie RentnerInnen besser stellen und einige Länder von Despoten und Narzissten befreien.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Elisabeth: Dippe Lappes und Mousse au Chocolat
Petra: Gefüllte und gebratene Leber mit Äpfelstücken und Teerdich (Kartoffelstampf)

Was sollte niemand von dir wissen?
Elisabeth: Dass ich nachts schnarche :(
Petra: Wieviel Paar Schuhe ich habe.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Elisabeth: Auf wen hörst du am meisten? Auf meine Mutter, meine Kollegin Petra und meinen Mann.
Petra: Wer hat dir dein unverwechselbares Lachen geschenkt?

Das letzte Wort:
Elisabeth: „Friede im Himmel“ ha ha.. das ist ein original Trierer Scherz. Vielleicht aber auch: Empört Euch! (Stéphane Hessel)
Petra: …ist noch lange nicht gesprochen…

FOTO: nestwärme

Peter Kowalsky

Peter Kowalsky hat die BIONADE erfunden. Das passt, denn am liebsten macht er Dinge, die vor ihm noch keiner gemacht hat. Wenn man dann auch noch Braumeister und Lebensmitteltechnologe… Was er nicht so gern mag, ist angestellt zu sein, weshalb die Zeit nach BIONADE auch direkt zur Zeit vor INJU wurde, so heißt nämlich sein neues Unternehmen, mit dem er Erfrischungsgetränke entwickelt, die natürlich von innen stärken. FLASH zum Beispiel ist seine Kampfansage an alle künstlichen Energydrinks. Fun Fact am Rande: Weil die Familienbrauerei nicht lief und keiner in der Familie ahnen konnte, wann sie mit BIONADE Geld verdienen würden, eröffnete die Kowalsky-Gang eine Disco als Finanzierungsmodell. „Die Disko war in Ostheim vor der Rhön, hieß „08/15 – Der helle Wahnsinn“ und hatte Platz für 1.500 Leute, was in einem Ort mit 1.500 Einwohnern echt der Wahnsinn war“ sagt er. „Und wir hatten als zweite Diskothek in Deutschland einen Laser!“

Name: Peter Kowalsky
Alter: 51 Jahre
Wohnort: Berlin
Beruf: Braumeister und Unternehmer
Schuhgröße: 45
Lieblingsgeschmack: scharf
Kontakt: inju.com, immer Do., 17 Uhr im UG der Linienstraße 139 zur Führung durch das INJU-Produktionslabor

Was war die bisher größte Herausforderung in deinem Leben? Immer so zu bleiben, dass ich mich gut finden kann.

Wer gab dir den besten beruflichen Rat und welcher war es? Ein Ex-Konzernvorstand: „Peter, wenn Du in eine harte Auseinandersetzung gehst, musst Du Dir vorher vorstellen können, auch alles zu verlieren.“

Was machst du an einem freien Tag? Feuer

Welche geniale Idee hättest du gern selbst gehabt? Fassbier

Du begegnest deinem 18-jährigen Ich. Welchen Rat gibst du dir? Fürchte Dich nicht!

Die ganze Welt hört dir zu: Was sagst du? Hört lieber auf Euch selbst als auf andere.

Was ist gerade das Hintergrundbild auf deinem Telefon? Eine Skulptur von Helga Schmidhuber, einer tollen Künstlerin und Freundin.

Was ist dein wertvollster Besitz? Meine Freiheit

In welcher Beziehung bist du ein Spießer? Sauberkeit und Ordnung

Was ist dein verstecktes Talent? Spüren, wie es anderen geht.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Hungersnöte auf der Welt beenden

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Tafelspitz oder Rhöner Bratwürste (die würde ich aber grillen)

Was sollte niemand von dir wissen? Dass ich mal Minigolf-Champion war. Die aufregenderen Sachen kann ich natürlich nicht erzählen.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wollen wir was zusammen machen?

Das letzte Wort: Es kommt immer anders, als man denkt. Und das ist gut so.

FOTO: INJU

Dr. Kati Ernst & Kristine Zeller

Kristine und Kati kennen sich schon ein Jahrzehnt. Beide machten zunächst Karriere und stellten sich irgendwann die Frage nach dem Sinn. Also danach, wie sie mit ihrem Tun positiven gesellschaftlichen Einfluss nehmen können. Zunächst jede für sich, dann gemeinsam. Gott sei Dank! Denn mit ooia haben sie vielen Frauen zu einem freieren, selbstbewussteren und natürlicheren Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper verholfen. Ihre Periodenunterwäsche ist chic und praktisch, aber auch und vor allem ein Türöffner für einen unverkrampfteren Umgang mit femininen „Tabuthemen“. Was die beiden noch verbindet: der Anspruch als Working Moms Leben und Arbeiten in eine sinnstiftende Balance zu bringen und sich selbst treu zu bleiben. Wir haben die beiden mal unabhängig voneinander hochinvestigativ befragt. Auf die Frage, was sie zuletzt wirklich bewegt hat, erwähnt die eine die Super-Bowl-Halftime-Show von JLo und Shakira und die andere stellt sich die Frage, wie sie im Alter arbeiten möchte. Also wer da keinen Zusammenhang erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Name: Dr. Kati Ernst / Kristine Zeller
Alter: 38 / 38
Wohnort: Berlin / Berlin
Beruf: Unternehmerin / Co-GF und Co-Gründerin
Schuhgröße: 42 / 39
Lieblingsort in Berlin: Bötzowkiez / Oberbaumbrücke
Kontakt: @its.me.ooia / linkedin.com/kristine-zeller

Bist du besser darin, Dinge anzufangen oder zu beenden?
Kati: Beenden
Kristine: Zu beenden. Es gibt nichts befriedigerendes, als ein To-Do abzuhaken.

Was bedeutet beruflicher Erfolg für dich?
Kati: Selbstbestimmt zu sein
Kristine: Arbeit, die einen tieferen Sinn hat. Genug verdienen, dass ich davon leben und für das Alter vorsorgen kann. Genug Zeit mit Familie und Freunden.

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast?
Kati: Trau deiner Intuition auch im Business.
Kristine: Ich muss auf mich selbst aufpassen.

Eine Fee schenkt dir eine berufliche Fähigkeit. Welche wäre es?
Kati: Gestalterisch kreativ zu sein
Kristine: Weniger Angst, mehr Mut.

Du begegnest deinem 18-jährigen Ich. Welchen Rat gibst du dir?
Kati: Es wird so viel geiler als du denkst – trau dich einfach.
Kristine: Mehr Gelassenheit.

Die ganze Welt hört dir zu: Was sagst du?
Kati: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Kristine: Feminismus ist wichtig. Frauen, seid unbequem! Frauen, solidarisiert euch!

Kati, beschreibe Kristine in drei Worten: Herzlich, entschlossen, ehrlich.
Kristine, beschreibe Kati in drei Worten: Ungewöhnlich, mega schlau, kreativ.

Was wäre das Erste, das du tätest, wenn du unsichtbar wärst?
Kati: Mich zu Angie ins Kanzelamt reinsetzen und ein paar Tage mitmachen.
Kristine: Einen Tag mit Angela Merkel verbringen.

Wann hast du zuletzt von Herzen gelacht?
Kati: Letzte Woche.
Kristine: Mit Kati im Auto von Bielefeld nach Berlin. Thema ist nicht jugendfrei.

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt?
Kati: Keine Ahnung warum, aber die Super-Bowl-Halftime-Show von JLo und Shakira.
Kristine: Wie möchte ich im Alter arbeiten?

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Kati: Die Frauenquote einführen (auch bzgl. der Ausgaben von VCs)
Kristine: Gleichberechtigung für alle Menschen

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Kati: Spaghetti Bolognese
Kristine: Hummus

Was sollte niemand von dir wissen?
Kati: Dass ich britische Reality TV Formate suchte.
Kristine: Doofe Frage :-))

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Kati: Wieso gründen so wenig Frauen Startups?
Kristine: Welches Buch liest du gerade? (Sprache und Sein von Kübra Gümüsay) Was ist deine Lieblings-Netflix-Serie? (Haus des Geldes)

Das letzte Wort:
Kati: #normalizeperiods
Kristine: Ich bin immer auf der Suche nach geilen Trainings (vielfältige Themen). Wer einen Tipp hat für ein gutes Training, schreib mich an bitte!

FOTO: ooia

Dastan Kasmamytov

Dastan ist Programmierer, Queer-Aktivist und Nomade. Der Berliner stammt aus dem schönen Kirgisistan (wer nicht weiß, wo das liegt: nördlich von Tadschikistan, östlich von Usbekistan). Er spricht fünf Sprachen und bereiste mehr als 50 Länder. 13 davon durchquerte er mit dem Fahrrad und sammelte die Geschichten schwuler Männer vor allem im asiatischen Raum. Zuletzt gründete er die Menschenrechts-Kampagne „Pink Summits“. Gemeinsam mit seinem Team besteigt er die Seven Summits, die höchsten Berge aller Kontinente und hisst die Regenbogenfahne, um für mehr LGBT+ Sichtbarkeit in Zentralasien zu demonstrieren. Die Gipfel des Mount Kosciuszko in Australien, des Elbrus in Russland und des Kilimanjaro in Afrika haben sie bereits erklommen. Der Aufstieg zum Mount Everest soll im Jahr 2025 den Abschluss bilden. Seine inspirierenden und herausfordernden Reiseerfahrungen dokumentiert er online und sammelt Spenden für lokale LGBT+ Organisationen und queere Opfer von Gewalt. Über sich selbst sagt er: „Bergsteigen ist gefährlich, aber ein LGBT+ Aktivist in Kirgisistan zu sein birgt noch mehr Gefahren. Ich habe immer Adrenalin, einen Sturm von Emotionen, Angst, Verzweiflung, Hoffnung, Freude und Glück, sowohl in meinem Aktivismus als auch im Bergsteigen erlebt.

Name: Dastan (persisch: legendär oder episch)
Alter: 28 im Pass ;)
Wohnort: Berlin
Beruf: Entwickler & Data Scientist
Schuhgröße: meistens 44
Lieblingsberg: Pik Karakolsky, Terskey Alatoo, Kirgisistan
Kontakt: pinksummits.com

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Ich kann die Welt entdecken und gleichzeitig etwas Wichtiges für die Gesellschaft tun.

Welche geniale Idee hättest du gern selbst gehabt? Die Idee, alle Kontinente zu erradeln.

Was war die bisher größte Herausforderung in deinem Leben? Ich bin der erste Kirgise, der sich öffentlich geoutet hat – und folglich war meine bisher größte Herausfordung, meine Familie und mich vor Hass und Gewalt schützen.

Drei Punkte, die auf deiner Liste für 2020 stehen: 1. Mont Blanc 2. Expedition nach Zentralasien (wer kommt mit? Schreibt mir!) 3. Aconcagua in Südamerika

Was schätzt du an dir selbst am meisten? Neugier

Hast du ein verstecktes Talent? Leute inspirieren

Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte: Der Junge und das Meer (anderer Titel: Scheckiger Hund, der am Meer entlangläuft) von Tschingis Aitmatow

Schließ die Augen und denk an etwas Schönes. Woran denkst du? An meine Eltern, die noch in Kirgisistan wohnen.

Zu welcher Musik tanzt du am liebsten? Zentralasiatischer Elektro

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt? Unterstützung zu bekommen, welche ich nicht erwartet habe.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde die Verfolgung, die Gewalt und den Hass gegen LGBT beenden.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Zentralasiatische Plov oder Lagman

Was sollte niemand von dir wissen? Meine Träume. Die will ich immer zuerst umsetzen.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wie ist es schwul zu sein in Kirgisistan?

Das letzte Wort: Das kirgisische Sprichwort: Эрдик билекте эмес, жүрөктө. (Mut liegt nicht in den starken Händen, sondern im starken Herzen.)

FOTO: Pink Summits

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 04. Februar 2020 | Tags: , Keine Kommentare

Jesko Habert & Ortwin Bader-Iskraut

Jesko (rechts auf dem Foto) und Ortwin sind Kiezpoeten, soll heißen Mitglieder des gleichnamigen Poetry Slam- und Veranstalter-Kollektivs aus Berlin. Vor fünf Jahren erst gegründet, sind die Kiezpoeten inzwischen das größte Poetry Slam-Kollektiv Berlins und performen schonmal im Auftrag der Unesco-Kommission Deutschland oder anderer dicker Fische. Allein im gerade begonnenen Jahr stehen etwa 100 Poetry Slams, Songslams, Kleinkunstshows uvm. in Berlin und Brandenburg an. Zum Beispiel das Ostberlin Poetry Slam Open Air am 13. Juni im Freiluftkino Friedrichshagen oder die Berlin-Brandenburg-Meisterschaften im Poetry Slam vom 16.-19. April. Auf ein Wort, ihr Wortakrobaten.

Name: Jesko Habert / Ortwin Bader-Iskraut
Alter: 31 / 28
Wohnort: Berlin / Berlin
Beruf: Veranstalter, Poet, Redakteur / Musiker, Slam Poet, Veranstalter
Schuhgröße: 42 / 43
Lieblingswort: Fingerspitzengefühl / knorke
Kontakt: kiezpoeten.com

Ein Wort, das du viel zu oft benutzt:
Jesko: Schön
Ortwin: Entschuldigung

Welcher Moment hat alles verändert?
Jesko: 2012, als ich mit meinem besten Freund entschied, eine eigene Slam-Veranstaltung in meiner Uni-Stadt Halle zu starten, den Regioslam. Selbst plakatieren gehen und Stühle rücken, Teamtexte für den Feature-Slot zusammen schreiben, gemeinsame Moderation durchsprechen – das war anstrengend und ein Allround-Job, aber da hab ich Blut geleckt.
Ortwin: 2011, als ich damals zum ersten Mal mit ein paar mittelguten Gedichten auf meinem Laptop aus Versehen auf einem kleinen Dorfslam aufgetreten bin und gemerkt hab: ah cool, es reimt sich und die Leute hören trotzdem zu!

Hast du Lampenfieber?
Jesko: Nee, gar nicht. Außer mit einem neuen Text. Oder bei einer Meisterschaft. Oder wenn ich in der Nacht davor schlecht geschlafen hab. Ok, also manchmal.
Ortwin: Nur wenn ich meinen Text nicht kann. Ok, also meistens.

Was würdest du tun, wenn du nicht scheitern könntest?
Jesko: Fünfzehn Leute einstellen, die diese ganze nervige Marketing- und Bürokratie-Arbeit übernehmen, und die das so gut machen, dass sie ihr eigenes Gehalt wieder reinholen.
Ortwin: Das Poetry Slam Ding sein lassen und ne schöne Runde BWL studieren.

Welche tolle Textzeile hättest du gern selbst geschrieben?
Jesko: „Sichte ich dich, dichte ich von verlockenden Locken, die wie in der Werbung locker wie Flocken fallen“ (Bas Bötcher/Zentrifugal. Mein Beispiel wann immer ich Amis zeigen will, dass die deutsche Sprache nicht immer wie Nazis klingt.)
Ortwin: Nicht nur eine, sondern die meisten von Philipp Scharrenberg.

Du auf einer einsamen Insel, welche drei Bücher nimmst du mit?
Jesko: Kann ich stattdessen auch einfach drei Poet*innen mitnehmen? Welche, die ihre Texte auswendig können?
Ortwin: Die Stadt der träumenden Bücher, ein Telefonbuch und eine Bauanleitung für ein Nokia.

Wer war der Held deiner Kindheit und wer ist es heute?
Jesko: Der Held meiner Kindheit war wahrscheinlich irgendein Radiomoderator. Oder ein Ritter. (Ist ja fast das gleiche.)
Ortwin: Als ich klein war, vermutlich irgendein sinnloses Kind aus der Klasse über mir. Heute ganz klar alle Menschen, die es schaffen, regelmäßig zu einer einstelligen Uhrzeit aufzustehen und dennoch niemanden zu erschießen.

Wo fühlst du dich zuhause?
Jesko: Auf meinem „Home-Slam“, dem Schall & Rauch im Fabriktheater Moabit.
Ortwin: Überall, wo man mir ein Bier hinstellt.

Woran merkst du, dass du erwachsen geworden bist?
Jesko: Dass ich mit Ortwin öfter über Umsatzsteuer rede als über Reimschemata.
Ortwin: Wenn ich mich bei Jesko ausheule, dann seltener wegen Liebeskummer, sondern wahrscheinlich wegen meiner Steuererklärung.

Wovor hast du Angst?
Jesko: Dass ich mit Ortwin öfter über Umsatzsteuer rede als über Reimschemata.
Ortwin: Dass Jesko sich auch 2020 weigert meine Steuererklärung zu machen.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Jesko: Kaffee
Ortwin: N schönes heißes Wasser!

Was sollte jeder über euch wissen?
Jesko: Alles. Wir sollten einfach Teil der Allgemeinbildung sein.
Ortwin: Nur das Schlimmste. Dann seid ihr hinterher wenigstens positiv überrascht.

Was sollte niemand von euch wissen?
Jesko: Dass wir total sell-out sind. Gib uns genug Geld und wir schreiben dir nen Text über intermodalen Güterverkehr, oder Ortwin?
Ortwin: Ich muss seit fünf Jahren die Pausen zwischen den Texten und den Jurywertungen überbrücken. Ich glaube, es ist schon alles gesagt.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Jesko: „Wieviel Geld müsste ich euch geben, um einen Text über multimodalen Güterverkehr zu schreiben?“ und „Welcher Text liegt euch schon lange auf dem Herzen, aber ihr kommt einfach nicht dazu, ihn zu schreiben?“
Ortwin: „Kannst du mir nochmal deine IBAN schicken?“

Das letzte Wort:
Jesko: Hat immer Ortwin.
Ortwin: Danke Jesko.

FOTO: Tino Samland

Yared Dibaba

So, jetzt wird’s rasant. Gut, dass wir euch Yared Dibaba geschriebenen Wortes vorstellen können. Denn erstens brauchen wir derer viele und zweitens würdet ihr ihn wahrscheinlich nicht verstehen, wenn er es euch persönlich erzählen würde. Doch der Reihe nach: Yared ist Sänger, Schauspieler, Entertainer und ein Oromo (Volksgruppe, die in Äthiopien und im Norden Kenias lebt), der als Entwicklungshelfer für plattdeutsche Sprache in den Norden Deutschlands gekommen ist. Hä!? Plattdeutsch? Akkraat! Er betreibt einen eigenen YouTube-Channel, auf dem er Nachhilfe in Sachen platter Mundart gibt. Gerade eröffnet er außerdem mit drei Freunden den Club „UWE“ auf St. Pauli direkt auf der Reeperbahn. Außerdem wird es in diesem Jahr ein neues Album von ihm geben. Nochmal außerdem moderiert er beim NDR das MoMa und verschiedene Veranstaltungen im Rahmen der anstehenden Fußball EM. Darüber hinaus engagiert er sich für bedrohte Völker, schwerpunktmäßig für die Oromos, und gesellschaftliches Kuddelmuddel (Vielfalt).

Name: Yared Dibaba
Alter: 50
Wohnort: Hamburg
Beruf: Moderator, Sänger, Schauspieler, Entertainer und Autor
Schuhgröße: 43
Lieblingsort in Hamburg: Zuhause
Kontakt: yared.de

Wann macht dich deine Arbeit glücklich? Fast immer! Nach meinem Gefühl habe ich den tollsten Job der Welt, er füllt mich aus. Besonders glücklich bin ich, wenn ich mit dem, was ich mache, Menschen berühren kann.

Welchen Beruf würdest du gerne mal für einen Tag ausüben? Orchesterdirigent

Dein schlimmster Ohrwurm? Cotton Eye Joe

Welche geniale Idee hättest du gern selbst gehabt? Ich hätte gerne den Verschluss der Schuhcremedose erfunden.

Was war bis jetzt dein größter beruflicher Erfolg und warum? Der größte Erfolg für mich ist, dass ich das machen kann, worauf ich Bock habe.

Ein Wort, das du viel zu oft benutzt: Alter

Die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast? Ich kann alles schaffen, was ich mir vornehme.

Was machst du an einem freien Tag? Zeit mit meiner Familie verbringen.

Wer kennt dich wirklich? Ich und Gott

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt? Berichte über Oromos, die Opfer und Leidtragende der aktuellen politischen Situation in Äthiopien sind.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Kaffee. :-)

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Ich würde mich für Menschenrechte in meiner Heimat Oromia einsetzen.

Was sollte niemand von dir wissen? Dat geiht Di nix an.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Warum wissen die Menschen so wenig über deine Heimat Oromia?

Das letzte Wort: Wir sollten einander mit Respekt die Hand reichen und versuchen einander zu verstehen, auch wenn unser Gegenüber komplett anderer Meinung ist.

FOTO: Oliver Reetz

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 21. Januar 2020 | Tags: , , Keine Kommentare