Jonathan Funke

Jonathan Funke ist Aktivist der ganz frühen Sorte: Im fortgeschrittenen Alter von fünf Jahren gründete er mit seinem Papa seine erste NGO, einen Radiosender nur für Kinder. Dafür interviewte er viele inspirierende Menschen, wie den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und Affenforscherin Jane Goodall. Für sein damaliges Engagement wurde er sogar von der UNESCO ausgezeichnet. Heute setzt sich der 24-jährige zusammen mit zwei MitstreiterInnen für sein Startup “tip me” ein. Ziel: Über Partner-Onlineshops Trinkgeld einsammeln, das direkt an Erstproduzenten von Kleidung oder Sneakern nach Südamerika und Asien geht. Nebenbei hat er ein Singer-Songwriter-Album fertig, dass er gern endlich aufnehmen würde (Kann da mal wer helfen?). Aber keine Sorge, ansonsten ist Jonathan ein ganz normaler Mittzwanziger, der sich gerne mal ausschließlich von Nudeln und Gin Tonic ernährt. Puh… Danke für das sehr inspirierende Interview, lieber Jonathan.

Name: Jonathan Funke
Alter: 24
Wohnort: Berlin
Beruf: aktivistischer Gründer
Schuhgröße: 44
Lieblingstag: heute
Kontakt: jonathan@tip-me.org

Welcher Moment hat alles verändert und warum? Als ich meinen Mitgründer Robin kennengelernt habe. Ich bin oft mit meinem Kopf überall und habe 1000 neue Ideen für neue Projekte. Robin hat das tolle Talent, skeptisch zu sein. Mit ihm gemeinsam Pros und Contras abzuwägen und langsamer, aber geordnet einen Schritt nach dem anderen zu machen, hat alles verändert.

Wohin entwickelt sich die Menschheit? Sind wir auf einem guten Weg? Die Menschheit ist auf einem unglaublich guten Weg! Das klingt 2020 vielleicht ein bisschen weltfremd. Wenn man aber ein wenig rauszoomt und sich anschaut, wie sich die wichtigsten Werte zu Lebensstandards in den letzten 20-30 Jahren entwickelt haben, sieht man, dass wir vieles richtig machen: absolute Armut, Kindersterblichkeit, Tote durch bewaffnete Konflikte. Alles geht in die richtige Richtung und zum Teil viel schneller, als man es im Alltag mitbekommt. Es gibt aber zwei Dinge, die all das zunichte machen können: Die Klimakrise und der wachsende Einfluss von Autoritären. Und beides aufzuhalten wird kein Zuckerschlecken. Ich glaube, das geht vor allem, wenn wir ein neues Narrativ schaffen. Wir müssen natürlich gegen Kohle, gegen Rassismus, gegen Trump auf die Straße gehen. Aber damit es nach vorne geht, brauchen wir eine Vision von einer globalen Gemeinschaft, die inspiriert. Die Probleme des 21. Jahrhunderts sind global und können nur global gelöst werden. Ich glaube, wenn wir ein globales Narrativ schaffen, wo wir gemeinsam hinwollen, dann sind wir auf einem verdammt guten Weg.

Wofür gibst du zu viel Geld aus? Das ist einfach: Gin Tonics.

Wo würdest du gerne beruflich in fünf Jahren sein? tip me erreicht über eine Million Familien. Ich kann neben meiner Arbeit dort auch Regierungen helfen, mit Technologie sicherzustellen, dass es Näher*innen gut geht.

Was nimmst du dir schon länger vor, schaffst es aber irgendwie nicht? Ich hab ein Singer-Songwriter-Album, das ich endlich aufnehmen will.

Was bringt dich aus dem Gleichgewicht? Zu wenig Kaffee.

Was müsste dringend noch erfunden werden? Eine App, die dich zwingt, einmal kurz durchzuatmen bevor du eine emotionale Diskussion im Internet anfängst.

Was kannst du besser als alle anderen? Ich will ja nicht angeben, aber ich kann verdammt gut Dinge mit meinem Fuß aufheben.

Du begegnest deinem 18-jährigen Ich. Welchen Rat gibst du dir? Mach weiter. Aber stress dich nicht so dabei! Alles wird gut. Viel besser als du es dir erträumst.

Neben wem würdest du gern auf einem Langstreckenflug sitzen? Yvon Chouinard, dem Gründer von Patagonia. Er macht so ziemlich alles richtig. Die Produkte sind konsequent nachhaltig. Angestellte Mütter hatten von Anfang eine eigene Kita im Unternehmen. Im Sommer ist er drei Monate nicht erreichbar und geht einfach angeln. Ich glaube, das wäre ein witziger Flug.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Alle Produkte würden ihren “wahren Preis” kosten. Jede*r kann fliegen, Fleisch essen und Kleidung kaufen, wie er oder sie will. Aber alle Kosten sind eingerechnet: für Mensch, Natur und Gesellschaft.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Wir würden uns zusammen Sommerrollen wickeln!

Was sollte niemand von dir wissen? Meine Ernährungspyramide ist zu 90% Pasta.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wie kann man tip me unterstützen? Wir suchen gerade neue Partnerunternehmen. Wenn ihr jemanden in einem Fashion-Unternehmen kennt, erzählt ihnen von uns. Oder schreibt eurer Lieblingsmarke auf Instagram.

Das letzte Wort: Trinkt mehr Wasser!

FOTO: Alex Kleis

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 08. September 2020 | Tags: , , , Keine Kommentare

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