Kübra Gümüşay

Kübra Gümüşay ist Autorin und Aktivistin. Sie studierte Politikwissenschaften in Hamburg und an der School of Oriental and African Studies der Universität von London. Laut Deutschlandradio gehört sie zu den prägenden Köpfen des Islam in Deutschland. Ihr erstes Buch „Sprache und Sein“ handelt von der Sehnsucht nach einer Sprache, die Menschen nicht auf Kategorien reduziert. Sie geht darin der Frage nach, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Sie beschreibt, wie Menschen als Individuen unsichtbar werden, wenn sie immer als Teil einer Gruppe gesehen werden – und sich nur als solche äußern dürfen. Momentan arbeitet sie neben einigen spannenden Projekten, von denen sie allerdings noch nicht mehr erzählen kann, auch an ihrem nächsten Buch. Wir können es kaum erwarten. Teşekkür ederim!

Name: Kübra Gümüşay
Alter: 31
Wohnort: Hamburg
Beruf: Autorin
Schuhgröße: 39
Lieblingsort: Überall dort, wo ich mich inmitten von Herzensmenschen bewegen kann – an festlichen Tischen, bei gemeinsamen Projekten, in unseren Wohnzimmern – oder auch: in den Büchern, also Bergen von ihnen, in Bibliotheken.
Kontakt: kubragumusay.com

Fasse die letzten drei Wochen in drei Worte zusammen: Umbrüche, Neuanfänge, Zukunft

Was erzählen wir uns in zehn Jahren über die Corona-Zeit? Ich werde für mich persönlich wahrscheinlich eben diese drei Wörter nutzen. Was für eine gesamtgesellschaftliche Erzählung stattfinden wird, hängt davon ab, was wir aus und in diesen Zeiten machen. Unsere Zukunft, so viel steht fest, wird uns nicht einfach passieren. Und das, was an den Grenzen unserer Gesellschaft und unseren künstlichen Landesgrenzen passiert, erzählt aber jetzt schon viel über uns und diese Zeit.

Was macht dich richtig zufrieden? Wenn ich spüre, wie ich dazulerne, wachse. Wenn ich mit einem Menschen eine neue, tiefe Verbindung aufbaue. Wenn ich in einem Raum Liebe, Zugewandtheit, Freude füreinander spüre.

Welche Eigenschaft hast du von deinen Eltern geerbt? Die Freude am Helfen und Mitdenken.

Was kommt als nächstes? Diese Woche beginnt die Fastenzeit. Sie wird anders als sonst, aber ich hoffe, umso nachdenklicher, reflektierter und damit womöglich erfüllender, bewegender.

Du darfst den Duden um drei Wörter deiner Wahl ergänzen. Bitteschön: Muhabbet (Liebe & Zuneigung zwischen Menschen, die durch ein Gespräch entstehen kann), Yakamoz (die Reflexion des Mondes in der Nacht auf dem Wasser), yardımsever (Übersetzungsmaschinen sagen „karitativ“ sei eine gute Übersetzung. Finde ich nicht. Grob übersetzen ließe sich dieses Wort als die Beschreibung einer Person, „die es mag zu helfen“.)

Was ist gerade das Hintergrundbild auf deinem Telefon? Mein Sohn.

Was ist deine größte Schwäche? Mit jeder Stärke ist auch Schwäche verbunden, mit jeder Schwäche eine Stärke. Deshalb kann ich die meisten Eigenschaften nicht klar in „Schwäche“ oder „Stärke“ einordnen. Aber meine ausgeprägte Begeisterungsfähigkeit für ALLES, die manchmal in Zerstreuung zu kippen droht, finde ich aktuell sehr nervig.

Wen rufst du am häufigsten an? Aktuell via Mobiltelefon: Meine Familienmitglieder. Digitale Anrufe: Kolleg*innen, mit denen ich an diesen neuen Projekten arbeite.

Wofür hast du kein Talent? Zum Abmessen oder Abschätzen von Zeit.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Die Strukturen unserer Gesellschaft in solche ändern, die alle gleichberechtigt umfassen und beheimaten können.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Kürbissuppe und Ofengemüse mit Hummus. Aber am liebsten koche ich mit meinen Gästen zusammen.

Was sollte niemand von dir wissen? That would defeat the purpose.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Welche Frage ich in diesem Bogen falsch beantwortet hatte (inzwischen korrigiert). (Ich hab beim Nachdenken über diese Frage gemerkt, dass ich ein höheres Alter eingetragen hatte. Wird wahrscheinlich mit meinem mangelnden Zeitgefühl und meiner Begeisterung für das nächste Alter zusammenhängen – oder auch der Tatsache, dass sich die ersten Monate dieses Jahres angefühlt haben wie ein ganzes Leben.)

Das letzte Wort: Loslassen.

FOTO: Mirza Odabaşı

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