Susanne Mierau

Das 2 Minuten-Interview

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin, hat drei Kinder (mit denen sie vornehmlich im Wald oder per Rad unterwegs ist oder Gemüse anbaut) und betreibt seit sieben ganzen Jahren Deutschlands wohl erfolgreichsten Blog zum Thema bedürfnisorientierte Elternschaft. Das wären dann also mindestens eins, zwei, drei, vier, fünf gute Gründe warum wir sie a) dringend im Interview zu b) ihrem neuen Minimalismus-Buch „Einfach Familie leben“ befragen sollten. Und warum c) eben jenes Buch mehr ist als nur ein weiterer gut gemeinter Ratgeber. Keine Frage, sie weiß, wovon sie spricht und ihre Co-Autorin ist übrigens die liebe Milena Glimbowski von Original Unverpackt ff. Na da haben sich ja zwei gefunden… Wir verlosen ein druckfrisches Exemplar von „Einfach Familie leben“ an die besonders Ungeborgenen unter euch. Schreibt eine Mail mit dem Betreff „WOHIN DAMIT?“ an hurra@muxmaeuschenwild.de.

Name: Susanne Mierau
Alter: 39 Jahre
Wohnort: Berlin
Beruf: Diplom-Pädagogin
Schuhgröße: 43
Lieblingsbuch: Harriet Köhler: Und dann diese Stille
Kontakt: susanne@geborgen-wachsen.de

Du bekommst pro Tag eine Stunde Zeit geschenkt, wie nutzt du sie? Ich setze mich mit Tee, Kerze und einem Buch oder Hörspiel in die Badewanne.

Was ist eine gute Mutter/ ein guter Vater? Damit beschäftige ich mich gerade. Und meine Meinung ist: Es gibt keine pauschalen Antworten darauf, denn Familien sind so komplex – gerade heute. Wir müssen weg kommen von dem Gedanken, dass es „die gute Mutter“ oder „den guten Vater“ gibt. Gut ist es, wenn in einer Familie Bedürfnisse ausgeglichen behandelt werden, sodass es allen darin gut geht. Das ist oft gar nicht so einfach.

Wie geht bedürfnisorientierte Erziehung? Eigentlich ist die Theorie dahinter ganz einfach: Wir achten auf die menschlichen Bedürfnisse. Kinder und Erwachsene haben Grundbedürfnisse nach Nahrung, Schlaf, Sicherheit, aber eben auch nach sozialen Kontakten, Selbstverwirklichung etc. Im bedürfnisorientierten Familienleben berücksichtigen wir die kindlichen Bedürfnisse ebenso wie die Bedürfnisse der Erwachsenen. Es heißt also nicht: „Das Baby muss man schreien lassen, weil man es nicht verwöhnen darf“ (denn das würde das Bedürfnis nach Sicherheit verletzten) oder „Das Baby darf nur nach einem festen Zeitplan Nahrung erhalten“ (verletzt Bedürfnis nach Nahrung bei Hunger) oder „Das Kind muss sich meinen Wünschen unterordnen.“ (verletzt Selbstwahrnehmung). Bei der Bedürfnisorientierung wird hingesehen, was Kinder und Erwachsene wirklich brauchen und dementsprechend werden Lösungen gesucht, die für alle okay sind. Auf diese Weise können Kinder ein gutes Bild von sich selbst und ihren Bedürfnissen ausbilden. Das ist ja etwas, was uns Erwachsenen oft fehlt und was wir heute unter dem Begriff „Selbstfürsorge“ versuchen, wieder für uns zu entdecken. Übrigens bedeutet Bedürfnisorientierung nicht nur, dass wir auf uns selbst schauen. Es bedeutet auch, Bedürfnisse in der gesamten Gesellschaft zu betrachten.

Deine früheste Kindheitserinnerung? Wie mein Vater von der Arbeit nach Hause kam und mir mein Lieblingskuscheltier schenkte, das ich noch heute habe.

Das größte Problem deiner Generation? Sich nicht gut spüren zu können, weil uns das durch Erziehung aberzogen wurde. Das führt zu vielfältigen Problemen bei jedem Einzelnen, aber auch in Bezug auf das Zusammenleben.

Mit wem hattest du zuletzt ein inspirierendes Gespräch? Mit meinem Mann. Wir haben jeden Abend eine gemeinsame Zeit, in der wir auf dem Sofa sitzen und noch ein wenig reden.

Wer war der Held oder die Heldin deiner Jugend? Herr Simon hinter der Wand

Was möchtest du deinen Kindern mit auf den Weg geben? Liebe. Sich selbst zu lieben und andere Menschen lieben zu können.

Verrate uns einen magischen Ort, egal wo auf der Welt! Ich habe in Venedig geheiratet und diese Stadt hat für mich immer etwas besonders Magisches und Wunderbares.

Woraus schöpfst du Energie? Aus der Arbeit im Garten. Ich liebe es, einfach mit einem Spaten im Garten zu stehen und mit den Händen in der Erde zu wühlen.

Dein Lieblingsschimpfwort? Scheiße.

Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen? Nudeln mit Tomatensoße, das ist seit meiner Kindheit mein Lieblingsessen und ich liebe besonders eine ganz bestimmte Tomatensoße, die nach der Soße meiner Großmutter schmeckt.

Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gern mal einen Kaffee trinken? Mit niemandem. Ich hasse Smalltalk und treffe mich viel lieber mit meinen Freund*innen.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest? Hebammenmangel, Situationen in der Pflege verändern, Elterngeldregelungen, §218 würde aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden, ebenso wie §219a, bessere Unterstützung für Alleinerziehende, qualitativer Ausbau von Kitaplätzen, Kohleausstieg, Tempolimit, … Es gibt sehr viele Punkte, die wichtig sind und die verändert werden müssen, aber meine Schwerpunkte liegen auf Familie und Umwelt.

Welche Superheldenkraft hättest du gern und warum? Ich hätte gerne Hermines Zeitumkehrer.

Was sollte niemand von dir wissen? Ich bin sehr ungeborgen, wenn ich in Brettspielen verliere.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen? Wie man gute Musik hören kann, auch wenn man Kinder zu Hause hat?

Das letzte Wort: Danke

Kategorien: Leute | Autor: | Datum: 16. April 2019 | Tags: |  Keine Kommentare