Wir haben das ja nicht gewusst.

Es ist der 27. Februar 2019. Wir befinden uns im Klassenzimmer einer Oberschule in Berlin Mitte. Die Schüler sitzen im lockeren Stuhlkreis. In ihrer Mitte sitzt Anne aus Köln. Sie erzählt davon, wie sie den Horror des zweiten Weltkrieges erlebte und überlebte. Ihre Schilderung ist realistisch und zieht alle Umstehenden in ihren Bann. Wenn Anne vom Funkenflug erzählt, der sie an Schneefall aus Feuer erinnert, schwirren tatsächlich glühende Partikel durch den Raum. Anne Priller-Rauschenberg stammt aus Köln und ist keine Schauspielerin. Sie hat den Krieg wirklich erlebt. Sie ist Teil der letzten Generation von Zeitzeugen, die die Erinnerung an etwas lebendig halten, das für viele allein schon deshalb unvorstellbar ist, weil es so weit weg von ihrer Lebensrealität ist. Krieg, das war mal. In Schwarzweiß. Was habe ich damit zu tun? Irgendwann ist auch mal gut. Das mag für jene stimmen, die ihr bisheriges Leben im Deutschland der letzten Jahrzehnte verbringen durften. Für jene, die vor Tod und Terror zu uns flüchten, tut es das nicht. Menschen wie Anne helfen dabei, die Erinnerung wach zu halten. Sie erzählt als eine von bisher drei Protagonistinnen ihre Geschichte mithilfe moderner Technologie. Die neue History App des WDR, die gemeinsam mit der Hochschule Düsseldorf und LAVAlabs Moving Images erarbeitet wurde, holt die Erlebnisse der Kriegskinder in die Gegenwart. Sie sorgt dafür, dass diese letzten noch verfügbaren Erinnerungen nicht in Vergessenheit geraten, indem sie die Zeitzeugen mittels Augmented Reality als Hologramm in das eigene Wohnzimmer oder den Klassenraum projiziert. Im jetzt veröffentlichten ersten Teil des Projektes erzählen neben Anne Priller-Rauschenberg auch Vera Grigg aus London und Emma Barashkova aus Leningrad von ihren Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. Als nächstes werden Anne Franks beste Freundinnen Jacqueline und Hannah für die sprechen, die es nicht mehr können. Sie möchten wachrütteln und schildern, was es bedeutet, von einer ganzen Gesellschaft ausgeschlossen und bedroht zu werden. Die App ist ab sofort im iOS Store erhältlich. Die Veröffentlichung im Google Play Store folgt in Kürze.
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WDR AR 1933 – 1945 | www.itunes.apple.com | www1.wdr.de | Bild: WDR/Annika Fußwinkel

Kategorien: Produkte | Autor: | Datum: 26. Februar 2019 | Tags: |  Keine Kommentare