Heimlich treu

Manche Orte sind so schön und so geheim – oder manchmal auch heimlich – dass man am liebsten niemandem davon verraten möchte. Nun gut, job is job, wie der Franzose sagt, also raus mit der Sprache: Zwischen Zionskirchplatz und Gedenkstätte Berliner Mauer liegt versteckt im zweiten Hinterhof der Anklamer Straße 38 das heimlichTreu. Mehrere Jahre haben die beiden Betreiber Mike und Nikolai nach dieser für sie perfekten Location gesucht. Kein Hinweisschild weist den Weg in ihren kleinen Wohlfühltempel. Das viele Holz und die warmen, erdigen Töne fügen sich gemeinsam mit den modernen Lampen und den großen Fenstern zu einem harmonischen Ensemble, abgerundet durch die obligatorische Prise Industriecharme. Das Highlight dieser Tage ist aber sicher der Außenbereich, der einen Zeit und Raum mindestens für die Dauer eines großartigen Essens vergessen lässt. Blickt man auf das Menü, erwarten einen spannende Zutaten-Kombinationen, die auf Originalität und hoher Qualität beruhen. Perfekt gegarter Pulpo mit Chorizo und schwarzem Knoblauch trifft im Hauptgang auf Schwarzfederhuhn, Fenchel-Flocken-Tahini und Auberginen-Kroketten. Was zuerst fertig ist, wird auch zuerst gebracht und in der Mitte des Tisches für alle zum Teilen platziert. Dazu werden perfekt auf die Speisen abgestimmte Weiß- und Rotweine serviert. Später gibt es ungewöhnliche Drinks und Cocktails an der Bar. Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es von montags bis freitags ein feines Lunch-Menü. Am Sonntag gibt es auf unserer neuen Lieblings-Außenterrasse einen ausgiebigen Brunch. Aber nicht weitersagen, bitte!
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heimlichTreu | Anklamerstr. 38 (2. Innenhof), 10115 Berlin | Mo-Fr ab 12 Uhr, Sa ab 18 Uhr, So ab 11 Uhr | www.heimlichtreu.de

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 07. August 2018 | Tags: , , , , , , , , , Keine Kommentare

Blumenbilder

Also, über einen Mangel an Alternativen in Sachen Workshops kann man sich in Berlin nun wirklich nicht beschweren. Stricken, nähen, Pflanzen retten – es gibt quasi nichts, was es nicht gibt. Dementsprechend skeptisch sind wir inzwischen beim Beäugen der Möglichkeiten. Erst Recht, wenn jemand daher kommt, um mit Pflanzen zu malen. Wir wiederholen: mit Pflanzen zu malen. Richtig gelesen, es geht bei dem von Textildesignerin und Kunstlehrerin Nikolett Szakacs veranstalteten dreistündigen Workshop nicht darum, Pflanzen möglichst detailgetreu auf Papier oder Leinwand zu bringen, sondern auf sehr natürliche Art und Weise selbst Farben aus Pflanzen zu gewinnen. Dabei werden die organischen Materialien der gesamten Pflanze verwendet. Der erste Teil des Workshops befasst sich mit der Herstellung der Farben. Im zweiten Teil wird dann mit den Farben aus frischen Pflanzen tatkräftig gemalt. Die botanischen Inhaltsstoffe sind – anders als die synthetischen – völlig ungiftig. Besondere Vorkenntnisse werden übrigens nicht vorausgesetzt. Am Ende darf jede und jeder das selbst kreierte Kunstwerk sowie drei verschiedene Arten von Pflanzenfarbe behalten und mit nach Hause nehmen. Der Kurs kostet 60 Euro und findet als nächstes am Samstag Nachmittag im Prenzlauer Studio in der Winsstraße statt. Wer fix ist, kann hier per Mail noch einen Platz ergattern. Na und wer weiß, vielleicht hängt dann ja beim nächsten Gallery Weekend ein echter Rhododendron-Löwenzahn-Eiche im White Cube nebenan.
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Botanical Workshop: Plant To Paint | Sa, 28.04.18, 15:30-18:30 Uhr | Prenzlauer Studio / Kunst-Kollektiv, Winsstraße 42, 10405 Berlin | Facebook | Preis: 60€ inkl. Materialien | Reservierung

Folge dem weißen Pony!

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Vergesst alles, was ihr über Märkte im Allgemeinen und Designmärkte im Speziellen zu wissen glaubtet. Das weiße Pony ist los! Der WHITE PONY ist die Weiterentwicklung unseres geliebten BERLIN DESIGN MARKET, der seit seinen Anfängen im Jahr 2014 den Standard für moderne Marktkonzepte immer wieder neu definiert hat. Der Wochenendmarkt zog vom Kaufhaus Jandorf über die Neue Heimat des RAW-Geländes, den Strand des SAGE in Kreuzberg, bis zu Birgit & Bier und findet nun unter neuem Namen und an neuer Stelle eine feste Bleibe im ‚Von Greifswald’. Und wie es sich für einen Einzug gehört, lädt das weiße Pony am Ostersonntag, den 16.04.2017 ab 11:00 Uhr, zu einer fulminanten Einweihung in die aufwendig gestalteten Hallen. Der ehemalige Güterbahnhof erinnert mit seinem Holzgebälk und den weiß verputzten Klinkersteinen an alte Stallungen und bietet dem PONY und seinen ausgesuchten Lieblingsstücken das perfekte Zuhause. Von der Decke erstrahlt ein riesiger Kronleuchter und auf den türkisgestrichenen, alten Kirchenbänken lassen sich Food-Kreationen und neu eroberte Lieblingsteile in Ruhe probieren. Aber nicht nur der Name und das Zuhause sind neu; ein gemütlicher Biergarten mit langen Tafeln und genialer Bewirtung durch die Food-Bande um Kinski, lädt den ganzen Sonntag über zum Frühstück. Das Besondere am WHITE PONY: Alle Teilnehmer werden von Organisatorin und Gründerin Katja Weber, die auch schon der Zürcher Montagsmarkt und Frau Gerolds Garten ins Leben gerufen hat, mit ihrem Team nach strengen Kriterien ausgewählt. In ist, wer drin ist. Und nur wirklich einzigartige und hochwertige Aussteller kommen in die Auswahl. Der gesamte Markt wird aufwendig inszeniert – jedes Mal anders, jedes Mal neu und immer besonders. Wir sind da, wer noch?
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White Pony Sonntagsmarkt | Ostersonntag, 16. April 2017 Beginn 11:00 Uhr | Von Greifswald, Greifswalder Straße 80, 10405 Berlin | Eintritt frei | weitere Termine: 07.05. / 04.06. / 09.07.17 | www.berlindesignmarket.de | Facebook

Gracias, Gracia

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Daniel Brühl ist Barcoliner – halb Barcelonier, halb Berliner also. Gott. sei. Dank. Denn neben Freude stiftender Leinwandpräsenz hat er die Stadt inzwischen vor allem kulinarisch bereichert, indem er den Geschmack seiner Kindheit in die deutsche Hauptstadt brachte. Zuerst in Form der Bar Raval am Görli, und jetzt, sechs Jahre später, in der neuen Bar Gracia im Prenzlauer Berg. Das Erfolgsrezept ist dasselbe: Bällchen aus geräucherter Aubergine mit Ziegenkäse, Honig und Apfel. Oder Oktopus mit grünem Mojo, Brot mit Schokolade, Chorizo, Zitruskartoffelpüree… an dieser Stelle könnten wir den Artikel eigentlich beenden, es wäre alles gesagt. Wo können wir reservieren? Aber: Die Bar Gracia – deren Name auf den Stadtteil Gracia, den katalanischen Prenzlauer Berg anspielt – ist nicht einfach ein Ableger der großen Schwester ‚Raval‘, sondern eine eigenständige Bar mit mediterraner Atmosphäre und so genannten „Autoren-Tapas“, also Snacks mit einem Twist, einer eigenen kulinarischen Handschrift, einem Hauch Innovation. Mit etwas Glück kann man seinen spanischen Rotwein da auch mal mit dem Chef personalmente trinken – wohnt Daniel Brühl doch selbst nicht weit entfernt. In diesem Sinne: Gracias, Gracia. Und Daniel

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Bar Gracia | Göhrener Straße 5, 10437 Berlin | Öffnungszeiten 18:00 – 23:00 Uhr | www.bargracia.de | Facebook | Foto Credit: Bar Gracia

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 28. Februar 2017 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Gefunden

Daniel von Daniels Eatery ist so etwas wie unser Lieblings-Supperclubber. Der gelernte Marketingmann hatte irgendwann keine Lust mehr auf Clickrates und Klingeltöne und widmete sich zunächst nebenbei und dann ganz schnell voll und ganz seiner eigentlichen Leidenschaft. Die Liebe zum Kochen und zu großartigen, spannenden, abwechslungsreichen Gerichten. Daniels Eatery avancierte vollkommen zurecht zu einem der Renner in der hauptstädtischen Foodieszene. Inzwischen bekocht Daniel nicht nur kleine Gruppen, sondern ganze Firmenevents und dergleichen mehr. Eine neue, eine größere Küche musste her. Eine, die nicht nur als bloße Schnibbelstation dient, sondern gleichermaßen für Inspiration sorgt und das Kochen zum Ereignis macht. Sie liegt als Durchgangszimmer zwischen einem Neonschild-erleuchteten kleinen Büro nebst Geschirrablage und einem wunderschön eingerichteten… ja, was ist das eigentlich? ‚The Hidden‘ heißt die kleine Wohlfühloase in der – ebenfalls zurecht – völlig unterfrequentierten Heinrich-Roller-Straße in Berlin Prenzlauer Berg. Dieser Raum, den wir gerade nicht so recht fassen konnten, ist eingerichtet wie eine Mischung aus Wohn- und Esszimmer. Ein großer Holztisch bietet bis zu 13 Gästen Platz, Sessel, Bartisch und weiteres Mobiliar aus dem Hause MADE sorgen für heimelige Atmosphäre. Das The Hidden kann man mieten, sich von Daniel bekochen lassen oder selbst im Mittelzimmer Hand anlegen und anschließend im Esswohnraum verspeisen. Genau so haben wir es zu unserer Weihnachtsfeier gemacht und ehrlich gesagt unlauter per Raclette-Grill abgekürzt. Man kann an einem von Daniels Supper Clubs oder Workshops teilnehmen oder ganz einfach montags und freitags in der Zeit von 12.30 bis 14.30 Uhr zum Lunch vorbeikommen. Drei Plant-based-clean-eating-Gerichte stehen jeweils auf der Karte, wenn alle ist, ist alle. Geht da hin, es lohnt sich. Zur Feier des neuen Jahres verlosen wir obendrein einen Platz am Herd beim ‚Detox 2016 away‘ Kochkurs am 18. Januar 2017. (Ja, das ist dieses Jahr.) Schreibt eine Mail mit dem Betreff ‚IM WINTER NEHME ICH IMMER 1 KG ZU, ABER IM SOMMER HALTE ICH MEIN GEWICHT‘ an hurra@muxmaeuschenwild.de.
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The Hidden by DANIELS EATERY | Heinrich-Roller-Straße 8, 10405 Berlin | www.thehidden-berlin.com

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 03. Januar 2017 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Klein ist das neue Groß

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Berlin boomt. Berlin ist eine einzige, riesengroße Baustelle. An allen Ecken schießen neue Wohnhäuser in die Höhe, die Investoren überbieten sich gegenseitig. Man raunt sich das G-Wort zu. Und immer mal wieder, wenn wir uns die Zeit nehmen um hinzuschauen, entdecken wir in dem ganzen explosiven Erweiterungs-Wahn ein Kleinod. Eine Preziose mit Geschichte und Charakter. So wie die Musikbrauerei in unserer unmittelbaren Nachbarschaft im Prenzlauer Berg. Umzingelt von homogenen Townhouses steht das 120 Jahre alte Backsteingebäude als Zeugnis einer anderen Zeit. Unverputzt sind die katakombischen Räume der ehemaligen Brauerei, ungeschönt, ohne Schnörkel, nackt. So passt die Musikbrauerei perfekt als Location für das Konzert des ensemble mini heute Abend. Das Mini-Orchester, bestehend aus 20 Musikern, eröffnet reduzierte, minimalistische Perspektiven auf klassische Musik. Große Symphonik muss nicht bombastisch und teuer sein, um gut zu klingen – dieses Prinzip, das Arnold Schönberg vor 100 Jahren etablierte, führt der junge britische Dirigent Joolz Gale mit seinem ensemble mini weiter. Junge Musikerinnen und Musiker der Berliner Philharmoniker wagen sich an abgespeckte Versionen opulenter Kompositionen – ohne jeweils die Essenz des Werks zu verfälschen. Heute Abend spielen sie im intimen Rahmen eine prägende Symphonie: Mahlers Zehnte. Diese letzte, unvollendete Symphonie des Komponisten ist ein sehr persönliches Werk und spannt nicht zuletzt einen Bogen zur Situation der Musikbrauerei, die ausharrt, obwohl die neuzeitliche Architektur versucht, sie zu überrollen. Während Gustav Mahler 1910 an seiner Zehnten schrieb, erfuhr er vom Verhältnis seiner Frau zum Architekten Walter Gropius, was ihn in eine tiefe Krise stürzte und ihn bei der weiteren Arbeit stark beeinflusste. Seine Verzweiflung fand Niederschlag in seinem Schaffen. Was bleibt, ist ein Werk voller Ausdruck und Kraft, wie gemalt für diesen Ort. Wie heißt es so schön, wo man singet, da lass dich ruhig nieder. So machen wir das.
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Late Night Konzert: Mahler 10, ensemble mini | 09. Juni ab 22 Uhr | Musikbrauerei Berlin | Tickets für 20 € (inkl. Freibier) oder 15 € (ermäßigt)

Chez Maurice

Wir waren essen in unserem Lieblingsrestaurant direkt ums Eck in der Bötzowstraße 39. Am Nachbartisch saß eine Dame mittleren Alters – ebenfalls Stammgast genau wie wir – im farbigen Kostüm nebst Begleitung. Sie unterhielten sich angeregt alltäglich während wir intensiv die übersichtliche Karte des Chez Maurice studierten. Übersichtlich bedeutet, dass es neben den Vorspeisen wie Thunfischtartar in Spargelemulsion, gratinierter Zwiebelsuppe oder warmem Ziegenkäse jeweils nur sechs Gerichte zu bestellen gibt. Rind ist dabei, Fisch, zwei helle Fleischkreationen und ein vegetarisches Gericht. Dazu der Alltime Favourite Blutwurst mit in Thymiankaramell glasierten Apfelspalten, Zwiebelmarmelade und Kartoffelpüree. Mittags gibt es sogar noch ein günstiges Zwei- oder Dreigang-Menü mit marktfrischen, saisonalen Gerichten. Der Auswahlstress ist unbegründet, denn egal was man bestellt, alles ist auf den Punkt, perfekt komponiert, herrrlich einfach und dabei so raffiniert. Chez Maurice wurde 1997 als Wein- und Feinkosthandlung eröffnet, um direkt importierte Weine von kleinen französischen Weingütern zu fairen Preisen anzubieten. Inzwischen ist der Gastraum etwas gewachsen, aber noch immer türmen sich die Weinflaschen bis zur Decke in die nostalgische Einrichtung – nix Moderne, nix Schischi, dafür ganz viel Substanz. Die Atmosphäre erinnert eher an ein Essen mit Freunden in einem nicht so gehypten Pariser Stadtteil als an einen Restaurantbesuch im verkehrsberuhigten Prenzlauer Berg. So geht Erlebnisgastronomie. Am Ende sind wir satt und glücklich vom guten Essen, sagenhaften Weinen und dem Gefühl des perfekten Abends in lockerer Runde. So geht es auch der Dame am Nachbartisch. Sie verabschiedet sich mit einem beschwingten „Tschüssiii“ in die Runde. Nach ein paar Minuten stürmt sie noch einmal herein. Sie hat etwas vergessen. Irgendwelche wichtigen Unterlagen, die sie extra im Kassentresen hatte einschließen lassen. Kann ja mal passieren. Sie lacht sich herzlich scheckig über ihre eigene Vergesslichkeit und winkt fröhlich, bevor sie in den schwarzen Audi steigt, der vor der Tür wartet. Keine Bodyguards, kein Rummel, kein Stress, nur „Maurice“, Angela Merkel und richtig gutes Essen. Bis zum nächsten Mal.
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Chez Maurice | Bötzwostraße 39, 10407 Berlin | Öffnungszeiten: täglich 18-23 Uhr, Mittagstisch: Di-Sa 12-15.30 Uhr, Sa. 12-15 Uhr | chez-maurice.com

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 18. Mai 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare