Power to the people!

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Wie elitär ist Mode? Und wie demokratisch ist Design? Kann Gestaltung Selbstbestimmung fördern? Das Projekt People Design des Karina e.V., Hilfe für Jugendliche in Not, stellt sich diesen Fragen auf kreative und integrative Weise. Genauer heißt das: Gemeinsam mit Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen arbeiten Designer an Editionen und fördern damit deren ganz eigenen Ausdruck. Die Jugendlichen selbst schneidern und zeichnen, verarbeiten und nähen – und bekommen eine Chance, etwas zu erschaffen, was Bestand hat und womit sie sich kunstvoll ausdrücken können. Die Kleidung und Objekte, die daraus entstehen, sind Abbild der Themen, welche die jungen Menschen beschäftigen – beispielsweise das Thema Heimat, das sich über die zweite Kollektion „Schnee im Sommer“ manifestiert. Unterschiedliche soziale und kulturelle Hintergründe verweben sich – im wahrsten Sinne des Wortes – zu textilen Stücken. Das gemeinsame Label ruft paradoxerweise dazu auf, nicht zu labeln. Denn was ist Mode? Individueller Ausdruck. Eigener Geschmack. Textile Selbstdarstellung. Wie die Heimat angezogen sein könnte, zeigt der Pop-Up Store von People Berlin. Noch bis zum 10. September können alle Interessierten an der Torstraße das Projekt, die Designer und ihre Arbeiten kennenlernen.
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People goes public: Pop-Up Store | 27.8.2016 – 10.9.2016 | Torstraße 161, 10115 Berlin | peopledesign.de | Facebook | Foto: Sebastian Mayer

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 07. September 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Stell dir mal vor…

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Mein Gott ist die Uckermark schön! Unzählige Seen, weiche Hügel, zauberhafte Alleenstraßen und die Weiten unberührter und vor allem sehr sehr grüner Endmoränen-Landschaft. Und das alles einen Kieselsteinwurf von Berlin entfernt. 80 Kilometer Weg, der gut eine Stunde Zeit mit Auto oder Bahn dauert, benötigt man bis ins Herz der Idylle. Wir haben ein ganz besonderes Örtchen entdeckt, das größte Kleinod im grünen Paradies, wenn man so will. Das Herrenhaus Röddelin, ein stattliches Haus mit Garten aus dem späten 19. Jahrhundert hat fünf Zimmer, fünf Bäder, zwei Gemeinschafts-Wohnzimmer, eine Küche, Terrasse und mehr. Der gestaltete Garten verbindet das modern ausgestattete Haus direkt mit dem anliegenden Röddelinsee. Was für ein Ort um mit den Liebsten und Besten eine entspannte Urlaubswoche zu verbringen oder einfach für ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen. Wer auf kreative Gedanken kommen möchte, kann das Herrenhaus neben der privaten Nutzung auch für Meetings außer Haus, geschäftliches Köpfezusammenstecken, Workshops oder Yogaretreats anmieten. Ach und heiraten kann man natürlich auch. Praktisch, da hat man Schwiegermutter samt Gefolge dann direkt schon mit im Haus. Also weit genug weg einquartiert versteht sich, denn die 320 Quadratmeter bieten ordentlich Platz. In harten Fakten: traumhafte Idylle, wunderschönes Haus mit Schlaf- und Wohngelegenheit für bis zu 10 Personen ab 1.500€/ Woche. Wir kommen!
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Herrenhaus Röddelin |  herrenhaus-roeddelin.de | Röddeliner Dorfstrasse 26, 17268 Templin-Röddelin | willkommen@herrenhaus-roeddelin.de

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 24. August 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare

Auf der Stelle!

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Was haben Lady Gaga, David Beckham und Lena Dunham gemeinsam? Alle drei bewegen sich verdammt gerne verdammt schnell auf der Stelle. Die Fitness-Revolution Indoor-Cycling, die in den USA ihren Anfang nahm, gibt es seit neuestem auch in Deutschland. Dabei geht es um weitaus mehr als Fahrradfahren auf der Stelle. Hier steht nicht allein der Sport im Vordergrund, sondern das gemeinschaftliche Happening und Lebensgefühl. BECYCLE aus Berlin verwandelt in seinem ersten Studio in der Brunnenstraße die auspowernde Cardio-Fitness in eine elektrisierende Elektro-Party. Beats von angesagten Berliner DJ’s sind auf das jeweilige Workout abgestimmt. Motivierende Trainer aus LA, New York und London inspirieren zu sportlichen Höhenflügen. Und alle so: Yeah! Jetzt muss man also nicht mal mehr beim Sport auf Clubfeeling verzichten oder anders herum, man muss nicht mal mehr im Morgengrauen an der Katertür warten um den Rhythmus der Stadt in die Glieder zu jagen. Der nämlich überträgt sich bei BECYCLE wie von selbst auf die Pedale und befeuert uns mit ansteckender Energie. Neben dem Spinning, das den Kern des Angebots bildet, kann man sich zu den neuesten Trends aus dem Bereich Core-Training stählen, sich beim Barre an der Ballettstange oder beim Yoga in unterschiedlichen Formen auspowern und erden. Die Kurse finden über den ganzen Tag verteilt statt und können einzeln über die Website gebucht werden. Eine Mitgliedschaft ist nicht notwendig. Das Leihen der Spinning-Schuhe ist übrigens im Kurspreis enthalten, Wasser, Shampoo, Handtücher und andere Annehmlichkeiten sind ebenfalls kostenlos. Haben wir schon erwähnt, dass das Studio auch noch unfassbar gut aussieht und sich mindestens genauso anfühlt? Unverputzte Wände, Holz, Wellnessduschen mit Leogant aufbereitetem Wasser und ein modernes Sound-System lassen fast schon Design-Hotel Flair aufkommen. Keine Frage, das Ding läuft, äh fährt, dreht, egal! Und zwar vollkommen zurecht.
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BECYCLE | Brunnenstr. 24, 10119 Berlin | becycle.de | Photo: Mike Fuchs

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 13. Juli 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Oh, wie schön…

Panama liegt an der Potsdamer Straße. Und zwar im Hinterhof eines ehemaligen, backsteinigen Fabrikgebäudes. Hübsch ist es da. Hell und strahlend. Ein bisschen sieht es da aus wie Urlaub. Und es riecht so richtig gut. Warum also in die Ferne schweifen? Hin da. Und zwar zum Essen und Trinken. Das Panama ist nämlich der dritte gastronomische Streich der Foodies vom Contemporary Food Lab. Nach dem ‚Katz Orange‘ in Mitte und dem Kreuzberger Deli ‚Candy on Bone‘ haben die interdisziplinären Visionäre mit diesem Restaurant- und Barprojekt eine Hommage geschaffen an die Utopie von Illustrator Janosch: Mit »Oh, wie schön ist Panama« erfindet dieser einen Ort, der einerseits das Fernweh entflammt, anderseits sich wohlig anfühlt wie zuhause. In diesem Realität gewordenen Traum inmitten der höchsten Berliner Gallerie-Dichte gibt es nicht spezifisch panamaische Gastronomie, also keinen Huhn-Gemüse-Eintopf und auch keine gekochten Maniokstücke. Aber es gibt Gerichte, die das Bekannte mit dem Neuen, Überraschenden verbinden. Serviert werden sehr wohl die heimische Salzwassergarnele oder das altbekannte, deliziöse Duroc-Schweinchen. Aber kombiniert werden sie mit Heidelbeere, Vanille oder Rhabarber. Es finden sich verfeinernde Zimtblüten, Häuche von Kurkuma, geräucherte Nussnoten und glühende Rote Bete unter den Zutaten – und entlocken Vertrautem ganz neue Aromen. Kopfsalat zum Nachtisch? Aber sicher. Mit Passionsfrucht, dunkler Schokolade und Koriandersaat für 8 Euro. Da zitieren wir gerne den Wahlspruch des Kleinstaates Panama: »Pro Mundi Beneficio«, »Für das Wohl der Welt«. Und auf das eurige!
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Panama | Potsdamer Straße 91, 10785 Berlin | Di-Sa ab 17 Uhr | +49 (0)30 983 208 435 oder hello@oh-panama.com | oh-panama.com | Photo: Philipp Langenheim & Corina Schadendorf

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 29. Juni 2016 | Tags: , , Keine Kommentare

Jubeltrubel!

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Was war das für ein Fest vor zwei Jahren, ein Rausch! Mitten auf der Berliner Torstraße errichteten wir einen riesigen weißen Zendome, zimmerten Tribünen und Sitzgelegenheiten aus eigenhändig lackierten Europaletten, hissten hunderte selbstgeschnittene Wimpelflaggen, installierten Bar, Kicker und Tischtennisplatte, servierten wechselndes Streetfood oder liebevoll handgebrutzelte Brat- und Tofuwürste. Der Rest ist Geschichte, Deutschland Fußball-Weltmeister, der vierte Stern am Revers. Keine Frage, unser muxmäuschenwild WM STUDIO war und ist eines unserer Alltime Highlights. Und schwups ist 2016, die Europameisterschaft hat begonnen und wir haben kein eigenes Public Vieving am Start. Leider, oder Gott sei Dank? Denn so können wir uns ganz entspannt und mit einem kühlen Bier in der Hand an den schönsten Schau-Plätzen unserer Freunde voll und ganz auf das Spiel konzentrieren. Als da wären: Das ELF FREUNDE EM Quartier ist gesetzt und bespielt mit dem Astra, dem Lido und dem Binuu gleich drei strategisch wichtige Positionen im zenralen Mittelfeld. Unser Leitwolf, wenn man so will. (Entschuldigung, habt ihr bitte mal die Fassade des Lido in Augenschein genommen!?) Stammplatzgarantie wegen großartig. Auch toll und ebenso turniererfahren die DIM Arena in der Kreuzberger Oranienstraße. Auf dem Hinterhof der ehemaligen Blindenanstalt hat Die Imaginäre Manufaktur, die in Fußball freien Zeiten vor allem für Design mit sozialem Anspruch bekannt ist, ein schlagkräftiges Team aus behinderten und nicht behinderten Menschen zusammengestellt. Auf großer Leinwand wird bei Grillgut und Getränk ausgelassen geguckt und gefeiert. Last not least und ganz neu im Team: der Baustellen Biergarten unserer Freunde von BRLO, die direkt am Park am Gleisdreieck demnächst ihr eigenes BRLO BRWHOUSE eröffnen. Frisch jezapftet Craft Beer und Fußball? We have a match! So, und nun heißt es Daumen drücken für Schland, Polen oder wem auch immer ihr die Fahne haltet. Möge das beste Team gewinnen und am Ende Thomas Müller das Siegtor schießen. Olé!
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ELF FREUNDE EM Quartier | Astra, Lido, Binuu | 11freunde.de | DIM Arena | Oranienstr. 26, 10999 Berlin | dim-arena.berlin | BRLO BRWHOUSE Biergarten Baustelle | Schöneberger Str. 16, 10963 Berlin | Facebook

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 15. Juni 2016 | Tags: , , , , , , , , Keine Kommentare

Essen in der Zukunft

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Das Roy&Pris am Weinbergspark in Berlin-Mitte hat rund drei Jahre zu früh eröffnet. Warum das so ist, erklären wir gleich. Erst einmal sagen wir kurz, dass im neuen Restauranthighlight der Berliner Gastronomen Axel Burbacher-Burzin und Guanfeng ‚Afon‘ Guan so mit das beste Dim Sum (also kleine Gerichte, die das Herz berühren) westlich der chinesichen Mauer zubereitet wird. Oktopussalat mit Rhabarber und Radieschen beispielsweise oder der vegane Lilienblütensalat. Letzterer ist so frisch, knackig, lecker und mit einer leichten zitrusfrischen Note abgeschmeckt, dass man glatt Gefahr läuft, beim nächsten Geburtstag herzhaft in den wohlig duftenden Strauß beißen zu wollen. Außerdem auf der Karte: Fleischiges wie Schweinerippchen, Lamm oder Ente, Vegetarisches, Lachs-Sashimi oder die fabulösen Man Tous, das sind kleine Hefeteigtaschen zum Selberfüllen und Belegen – beispielsweise mit butterzartem Schweinebauch, Pulled Duck oder Aubergine. Zwei bis drei dieser kleinen und mit 7 bis 12 Euro nicht ganz günstigen Leckereien schafft ein ausgewachsener Großstädter. Noch mehr Spaß macht es Family Style-mäßig in großer Runde. Nun zum Ambiente und damit zur eingangs erwähnten Terminhuddelei. Roy und Pris sind zwei Hauptcharaktere aus Ridley Scotts überlebensgroßem Debütwerk BLADE RUNNER aus dem Jahre 1982. Der Film spielt im Los Angeles der Zukunft und zeichnet ein düsteres neondurchtränktes Bild. Künstliche Lebewesen wie Roy und Pris sind damit beauftragt, neue Lebensräume zu erschließen, zumindest so lange, bis sie vom Blade Runner alias Harrison Ford gejagt und „in den Ruhestand versetzt“ werden. Überall flimmert Werbung und Licht. Das Setdesign und die Ausstattung des Films sind bis heute unerreicht und stilprägend. Unzählige Designer, Grafiker, Modedesigner, Fotografen und dergleichen mehr haben sich am visionären Look orientiert. Der Film sorgt so quasi selbst dafür, dass ein Teil seiner fiktiven Zukunft tatsächlich Realität wird. So geschehen im Januar dieses Jahres, als das Roy&Pris erstmals die Tore öffnete. Gemeinsam mit dem großartigen Designstudio ett la benn und dem Künstler Darius Ghanai, der als Titel- und Corporate Designer für Kinofilme wie Good Bye Lenin, Das Parfum oder Don’t Come Knocking verantwortlich war, schufen die Macher ein Stück Blade Runner Wirklichkeit. Mit einer Mischung aus Zwielicht, Düsternis, riesigen Sternenbildern und neonfarbenen Leuchtfäden, die sich durch den Raum ziehen, entsteht eine Spannung, die gleichzeitig entspannt, obwohl die gewohnte Ordnung ausgesetzt wird. Die Neon Installationen kommen natürlich von unseren Lieblingen von sygns. Das. ist. nicht. von. dieser. Welt. Oder eben nicht aus dieser Zeit. Blade Runner spielt nämlich im Jahr 2019. Und damit schließt sich der Kreis. Wir wünschen frohes Speisen und Genießen im Hier und Jetzt von übermorgen.
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Roy&Pris Starkitchen | Weinbergsweg 8a, 10119 Berlin Mitte | tägl. 12-24 Uhr | royandpris.com | Photo: Roy&Pris

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 08. Juni 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Kringelingeling

Wenn wir mal gnädig über blondondulierte Präsidentschaftskandidaten mit Intellekt-Allergie und ein paar andere Kleinigkeiten hinwegsehen, sind wir uns einig: Viel Gutes kommt aus Amerika. Was Homer Simpson, Dexter Morgan und – dem Klischee nach – unzählige amerikanische Polizeibeamte schon längst wissen und in die Welt tragen: Zum Besten aus den Staaten gehört der amerikanische Lochkrapfen, landläufig Donut genannt. Berlin wäre jedoch nicht Berlin, wenn es hier nicht eine zeitgemäße Adaption des süßen Hefeteiggebäcks mit Glasur gäbe. Vergangenes Wochenende haben die Back-Passionierten Bram und Jessica am Maybachufer den ersten veganen Donut-Laden Europas eröffnet. Was als einfaches Mitbringsel an eine Geburtstagsparty startete, wurde für die beiden Kringelfreunde nun zu einem festen Business. Nachdem die kreativen Kreationen von Jessica und Bram bereits einige Male auf Märkten Anklang fanden, haben sie nun mit dem kleinen Café ihren bunten Traum erfüllt. Die ellenlange Schlange beim Opening und die fröhlich-verzweifelte Nachricht auf Facebook  um 16 Uhr – „We are sold out of Donuts for now“ – zeigen: Es gibt einen Donut jenseits des Trieffetts! Die 29 Varianten von Brammibal’s Donuts, von Spekulatius, Schokolade mit Brezel über Matcha bis zu Blaubeer-Vanille und veganem Speck mit Kokos entbehren aller tierischen Bestandteile und Zusatzstoffe, nicht aber großartigen Geschmacks. Howdie, that’s finger licking awesome oder so ähnlich!
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Brammibal’s Donuts | Maybachufer 8, 12047 Berlin | Di-Fr 8-18 Uhr, Sa&So 10-20 Uhr | brammibalsdonuts.com Facebook

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 25. Mai 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Chez Maurice

Wir waren essen in unserem Lieblingsrestaurant direkt ums Eck in der Bötzowstraße 39. Am Nachbartisch saß eine Dame mittleren Alters – ebenfalls Stammgast genau wie wir – im farbigen Kostüm nebst Begleitung. Sie unterhielten sich angeregt alltäglich während wir intensiv die übersichtliche Karte des Chez Maurice studierten. Übersichtlich bedeutet, dass es neben den Vorspeisen wie Thunfischtartar in Spargelemulsion, gratinierter Zwiebelsuppe oder warmem Ziegenkäse jeweils nur sechs Gerichte zu bestellen gibt. Rind ist dabei, Fisch, zwei helle Fleischkreationen und ein vegetarisches Gericht. Dazu der Alltime Favourite Blutwurst mit in Thymiankaramell glasierten Apfelspalten, Zwiebelmarmelade und Kartoffelpüree. Mittags gibt es sogar noch ein günstiges Zwei- oder Dreigang-Menü mit marktfrischen, saisonalen Gerichten. Der Auswahlstress ist unbegründet, denn egal was man bestellt, alles ist auf den Punkt, perfekt komponiert, herrrlich einfach und dabei so raffiniert. Chez Maurice wurde 1997 als Wein- und Feinkosthandlung eröffnet, um direkt importierte Weine von kleinen französischen Weingütern zu fairen Preisen anzubieten. Inzwischen ist der Gastraum etwas gewachsen, aber noch immer türmen sich die Weinflaschen bis zur Decke in die nostalgische Einrichtung – nix Moderne, nix Schischi, dafür ganz viel Substanz. Die Atmosphäre erinnert eher an ein Essen mit Freunden in einem nicht so gehypten Pariser Stadtteil als an einen Restaurantbesuch im verkehrsberuhigten Prenzlauer Berg. So geht Erlebnisgastronomie. Am Ende sind wir satt und glücklich vom guten Essen, sagenhaften Weinen und dem Gefühl des perfekten Abends in lockerer Runde. So geht es auch der Dame am Nachbartisch. Sie verabschiedet sich mit einem beschwingten „Tschüssiii“ in die Runde. Nach ein paar Minuten stürmt sie noch einmal herein. Sie hat etwas vergessen. Irgendwelche wichtigen Unterlagen, die sie extra im Kassentresen hatte einschließen lassen. Kann ja mal passieren. Sie lacht sich herzlich scheckig über ihre eigene Vergesslichkeit und winkt fröhlich, bevor sie in den schwarzen Audi steigt, der vor der Tür wartet. Keine Bodyguards, kein Rummel, kein Stress, nur „Maurice“, Angela Merkel und richtig gutes Essen. Bis zum nächsten Mal.
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Chez Maurice | Bötzwostraße 39, 10407 Berlin | Öffnungszeiten: täglich 18-23 Uhr, Mittagstisch: Di-Sa 12-15.30 Uhr, Sa. 12-15 Uhr | chez-maurice.com

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 18. Mai 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare

Wo die wilden Kerle saufen

Naturweine spalten die Geister. Nach Erde würden sie schmecken, nach getragenen Wollsocken riechen, meinen die einen. Next! Die anderen wissen, dass Qualitätswein keine Zusatzstoffe braucht. Dass es auch in der wachsenden Naturwein-Familie schmackhafte, edle Tropfen gibt, die sich geschmacklich durch nichts von Top-Weinen inklusive Additiven unterscheiden. Man muss sich eben auskennen. Und Bock haben, seinem Gaumen, seinem Gewissen und seinem Schädel Gutes zu tun. So wie Ramses, Oscar und Tom. Die zwei Mexikaner und der Norweger sind die unprätentiösen Kenner-Köpfe hinter der neuen Naturwein-Bar ‚Wild Things‘ an der Weser-Ecke-Elbestraße im schönen Neukölln. Und sie sind auch die Jungs, die hinter ‚Industry Standard‘ stehen, dem Restaurant mit Bar, das sich der richtig guten, ganzheitlichen, mediterran inspirierten Küche verschrieben hat. Nun denken sie das Konzept weiter: Wer sich an den schmackhaften Menus im Standard sattgegessen hat, tapst künftig einfach ein paar Meter weiter und lässt sich zum gepflegt-genussvollen Weitertrinken in der zusammengezimmerten Bar nieder, in der sich alles um Weine dreht, die außer großartigen Trauben nichts zu bieten haben. Glücklicherweise. Wie wunderlich, dass sich viele Zeitgeister bei ihrem Essen so viele Gedanken um Herkunft, Verarbeitung und ökologische Produktion machen – aber beim Wein? Schmecken muss er. Punkt. Und ganz ehrlich, weil wir haben es getestet: Das tut er auch ohne Sulfite. Ohne Zucker. Ohne Pestizide. Ohne Fungizide. Ohne den ganzen added bullshit. In der improvisiert charmanten Bar mit Popcorn-Maschine kann man sich nun selbst davon überzeugen und sich vom weltumspannenden Wild Things-Team betüdeln lassen. Trinken soll man. Nicht lange labern, meinen die Jungs. Ein Wein soll für sich selbst sprechen. Als sehr willkommener Nebeneffekt murrt übrigens auch die Katze am nächsten Morgen nicht so laut nach einer langen Naturwein-Nacht. Denn der Kater entsteht in der Regel durch die bösen Zusatzstoffe. Hier geht es einfach nur um eins: Guten Wein. Oder, wie Mit-Besitzer Ramses sagt: ‚It’s just a bunch of pressed grapes, and that’s it‘.
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Wild Things Naturwein-Bar | Weserstraße 172, 12045 Berlin | täglich von 18 bis 2 Uhr geöffnet | Facebook

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 11. Mai 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare

Es grünt so grün

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Es grünt so grün.

Es war im April 2013, ziemlich genau vor drei Jahren also, als wir zum ersten Mal den Rasen und später auch die altehrwürdigen heiligen Hallen des ehemaligen Krematoriums Wedding betraten. Komisch war uns nur kurz zumute, vorher um genau zu sein. Denn was dieser bezaubernde Ort, der jeden Besucher mit seinen zwei Gebäudeflügeln wie mit Armen willkommen zu heißen scheint, für eine Ruhe, Friedlichkeit und ja Lebenskraft ausstrahlt, war und ist ziemlich einzigartig in dieser lauten, schnellen Stadt. Wir veranstalteten dort unser drittes Golden Dinner und in den vier Wochen seines Bestehens wurden wir quasi eins mit den Räumen, Fluren, Wänden und dem großen Kuppelsaal. Inzwischen belebt das silent green Kulturquartier Raum und Zeit in allen Facetten. Es versteht sich als offener, dennoch geschützter Raum, in dem gedacht, geforscht und experimentiert werden darf. Ein starker Fokus liegt auf Interdisziplinarität, Begegnung, Transformation. Und was eignet sich besser zum wechselseitigen Austausch als gemütliche, belebende Gastronomie? Genau. Die Frage ist natürlich rhetorisch, und trotzdem gibt es eine Antwort: Das Moos Restaurant an eben jenem Ort ist eine kulinarische Oase der Ruhe. Streetfood-Pionier und Deli-Profi Charlie Huber betreibt hochprofessionell und dauerhaft das luftig gestaltete Restaurant mit dem unverbauten Blick ins Grüne plus eigenem Garten und serviert täglich wechselnde Gerichte, Kaffee und Kuchen. Vegetarische und vegane Varianten sind selbstverständlich, lecker und frisch natürlich auch. Dogmatisch ist die Küche nicht, vielmehr überraschend – auch für den Koch, der oft erst auf dem Markt entscheidet, was es heute zu essen gibt. Wo Moose ihre wichtige Rolle als Nährstoffspeicher wahrnehmen, erfüllt das idyllische Kleinod seine Funktion als Nährstofflieferant auf kreative Weise. Herrlich angerichtet präsentiert sich das Frühstück an Wochenenden und Feiertagen. So herrlich, dass die Haus- und Hof-Eichhörnchen Erich und Egon auch gerne mal was abhaben wollen vom knusprigen Müsli. Und ab Mai werden die Abende mit Wein und kleinen Köstlichkeiten am flackernden Lagerfeuer im Restaurantgarten verbracht.
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Moos Restaurant im silent green Kulturquartier | Gerichtstraße 35, 13347 Berlin | geöffnet von Montag bis Freitag 12-18 Uhr, Sa. & So. von 10-18 Uhr | moos-restaurant.de | facebook | Photo: kathamau.com

 

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 20. April 2016 | Tags: |  Keine Kommentare

Ringelschwanz mit Anfassen

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Ringelschwanz mit Anfassen

Was kann passieren, wenn zwei exzentrisch-narzisstische, im besten Sinne ewig-pubertierende Modeblogger und Fashion-Week-Veteranen, die bis jetzt höchst erfolgreich in Zeitgeist, Porno, Pop und Freakshow gemacht haben, auf einmal die Futterluke öffnen? Richtig: Ein stilbildend rosiges Kulinarium nach Fastfood-Modell, das im Herzen Neuköllns multikulturell vegane Schnellküche in Pappkartons an Menschen bringt, die nicht nur hungrig nach effektiver Nahrung, sondern auch nach der Potenzialität von Zukunft sind. Am 16. April eröffnen David und Jakob aka Dandy Diary aka die bekanntesten Männer-Modeblogger Deutschlands, ach was der Welt, an der Karl-Marx-Straße ihr Dandy Diner. Die erste Filiale des selbst ernannten Imbissbuden-Imperiums wurde im Stil der großen Fastfood-Ketten der 1980er Jahre von Studio Karhard designt. Das sind im Übrigen die, die auch für die Toiletten im Berghain verantwortlich sind. Und so ist auch im Dandy Diner alles möglich – außer tierischen Produkten. Das Gastronomie-Angebot von Burgern über Salate, Sandwiches bis hin zu Desserts und Gebäck ist rein vegan und koscher und halal und sowieso. Zu trinken gibt es neben sehr gutem Kaffee, Bier und Wein auch Longdrinks – ein eindeutiges Plus gegenüber den imperialistischen Konkurrenten. Und weil bei den Dandys nix ohne Mode geht, wurden höchtsselbstverständlich auch die Uniformen des Diner-Personals formvollendet durchdesignt. Schürze und Mütze mit dem Schweinchen-Logo gibt es auch für Nicht-Angestellte im Voo Store zu kaufen. Umsonst gibt’s Ringelschwanz mit Anfassen, einen ersten Eindruck inklusive Burger, Drinks und lauter Musik, bei der Eröffnung am kommenden Samstag, den 16. April, pünktlich zum Geburtstag der dänischen Königin. Na wenn dit nüscht is?
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Dandy Diner | Karl-Marx-Straße 9, 12043 Berlin | Öffnungszeiten: täglich von 12 bis 0 Uhr | | dandydiner.de | Facebook | Opening: 16. April ab 20 Uhr

 

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 13. April 2016 | Tags: , , , , , Keine Kommentare

Jump around

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Jump around

Warum gehen, wenn du hüpfen kannst? Wir sind Christoph Ahmadi und Till Walz ausgesprochen dankbar. Die beiden Hamburger Unternehmer und Freunde seit Kindertagen bescheren uns nämlich die ultimative Legitimation zum Austoben. Immer mal wieder blinzeln wir neidisch auf wildgewordene Kinderscharen in Hüpfburgen und versuchen uns dabei abgebrüht zu geben. Aber jetzt dürfen wir endlich selber. Christoph und Till eröffneten letzte Woche das JUMP House Berlin und damit den größten Trampolinpark Deutschlands! In einer denkmalgeschützten Halle in Reinickendorf stehen über 120 Trampoline auf mehr als 4.000 Quadratmetern. Das Ganze wirkt ein wenig wie eine überdimensionale Gummizelle in cool. Trampoline am Boden, dicht an dicht, Trampoline an Wänden, um den insektenhaften An-Der-Wand-Hochlauf-Effekt zu üben, und davor hängen dann auch noch Basketballkörbe für den ersten echten Dunk deines Lebens. Hinter ihnen sind wahlweise riesige Schaumstoffgruben oder weiche Luftkissen angebracht, falls mal was oder wer daneben geht. Die Halle beherbergt auch die »Battle Box« für Möchtegern-Gladiatoren: Ein Schwebebalken über einem riesigen Schaumstoffgraben. Es treten zwei Gegner mit gepolsterten Lanzen gegeneinander an – hier verliert man gerne, weil das Fallen mindestens so viel Spaß macht wie das Hauen. American Gladiators lassen grüßen. Das Herzstück der Anlage ist jedoch der FreeJUMP. 75 zusammenhängende Trampoline mit der Lizenz zum Springen. Ein Endorphin-Generator der Spitzenklasse. Denn wer hier frei springt, der dreht auch irgendwann frei und ergießt sich in einen Herz hüpfenden Lach-Flash. Und Lachen ist ja bekanntlich gesund. Genauso wie Springen im Übrigen: Trampolinspringen ist ein effektives Kraft-Ausdauertraining, viel schonender zu Gelenken und Knochen als Joggen, es fördert die Körperhaltung, das Gleichgewicht und die Koordinationsfähigkeit, und man schafft es, mit einer Stunde Springen bis zu 1000 Kalorien zu verbrennen. Na dann, flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund!
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JUMP House Berlin-Reinickendorf | Miraustraße 38, 13509 Berlin | www.jumphouse.de/berlin | 12 Euro für eine Stunde

 

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 30. März 2016 | Tags: , , , , , , , Keine Kommentare

From Belize with Love

From Belize with Love

Mit guter Schokolade ist es wie mit gutem Wein oder Whiskey. Hat man einmal welchen probiert, kann man unmöglich zurück zum Discountfusel – niemals, jemals! Wer einmal auf einer rohen, puren und höchstens mit etwas Rohrzucker gesüßten Schokolade herumgekaut hat, weiß wovon wir sprechen. Diese Mischung aus Bitterkeit und leichter Süße, die einem buchstäblich das Wasser in den Mund laufen lässt, während man den zartschmelzenden Bissen forschend von einer Seite zur anderen schiebt, um a) möglichst alle Geschmacksrezeptoren in jedem Winkel in den Genuss kommen zu lassen und b) das Aromenspektrum dieser besten aller Leckereien in seiner gesamten epischen Breite und Dichte auszukosten. Diese Schokolade macht glücklich, manche berichten gar von rauschähnlichen Zuständen. Wenn dem so ist, dann ist das Belyzium in Berlin Mitte so etwas wie die Hells Kitchen der Schokoholiker. Denn hier gibt es den puren, den reinen, liebevoll, nachhaltig und ökologisch angebauten, geernteten, fermentierten, getrockneten, gerösteten, gemahlenen und veredelten Stoff. Schon einmal echte Schokolade gegessen? Schon einmal 100 % Kakao probiert? Man sagt, er habe magische Kräfte und verleihe Flügel. Zu Deutsch: Das Belyzium ist eine kleine ‚Tree to Bar‘-Kakao-Manufaktur, sprich das Team verantwortet die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau über die Verarbeitung der Bio-Kakaobohnen, die Rezeptur und Herstellung der feinen Schokoladenkreationen, bis hin zu Verpackung und Transport. Dabei geht es nicht nur um Geschmack, sondern auch um soziale, ökologische und wirtschaftliche Sinnhaftigkeit. Dieser Anspruch, dieser Wert steckt in jedem einzelnen Produkt, diesen Anspruch, diesen Wert schmeckt man in jedem einzelnen Produkt, ganz gleich ob pure Kakao Nibs, feine Trüffel, Eiscreme oder Schokoladentafeln mit oder ohne Kirschen, Maya-Chili oder Meersalz. Wem das Genießen allein nicht ausreicht, dem bietet das Belyzium jede Woche die Möglichkeit, in einem zweistündigen Workshop tiefer einzutauchen und seine ganz eigene Kreation zu schöpfen. Wir verlosen 1×2 Plätze beim nächsten Seminar an die besonders Genusssüchtigen unter euch. Schreibt eine Mail mit dem Betreff ‚BROWN SUGAR‘ an hurra@muxmaeuschenwild.de. Herzlich willkommen in Level 2!
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BELYZIUM – Tree to Bar Chocolate | Lottumstraße 15, 10119 Berlin | z.B. Belyzium 100 mit 100% Kakao, 50g Tafel, 5€ | belyzium.com

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 30. März 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Ganoven Gastro

Ganoven Gastro

Louis „Pretty“ Amberg, ein jüdischer Gangster der Kosher Nostra, teilte in den frühen 1930er Jahren mit seinen Kumpanen im Deli Pastrami und in Salz eingelegte Pickles. Bodenständige Kost für hart arbeitende Banditen. Louis selbst wurde zwar kurz danach auf sehr unkultivierte Weise aus dem Leben gerissen (wir ersparen hier die Details), geboren wurde aber eine neue jüdisch-amerikanische Deli-Küche. Bis heute wird diese zwar nicht koshere, aber auf traditionellen Rezepten basierende Gastronomie weiter entwickelt. Mit dem Kreuzberger „Louis Pretty“ erreicht sie einen neuen Höhepunkt. Oskar Melzer, Mitbegründer von Mogg & Melzer, tat sich mit James und David Ardinast zusammen, die er schon als Teenager im Summer-Camp kennengelernt hatte, und tüftelte ein halbes Jahr lang an der nass gepökelten, geräucherten, gegarten und marinierten Ochsenbrust. Entstanden ist Pastrami in seiner feinsten Form. Und die Berliner Version eines authentisch-amerikanischen Delis. Die Küchenleitung bleibt mit Joey Pasarella (klingt auch ein wenig nach Cosa Nostra) in New Yorker Hand, mit der Inneneinrichtung wurde die Geographie etwas erweitert: Die perfekte Pastrami-Rezeptur gibt es jetzt im farbenfrohen Palm Springs-Interieur zu kosten. Schon mal auf einem Swimming Pool gegessen? An der Ritterstraße geht das. Die Tische sind mit kristallklaren Pool-Motiven bedruckt, Flamingo-rosa Sessel kontrastieren mit einer satt orangenen Wand. Wem das zu viel ist, der darf die Pastrami-Varianten, Salate oder Suppen auch mitnehmen. Wir finden, der Farbtupfer tut der Ritterstraße gut. Und lassen uns gerne nach guter, amerikanischer Diner-Manier mit Filterkaffee volllaufen. Ob zum Frühstück, Lunch oder Dinner. Bete’avon!
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Louis Pretty | Ritterstraße 2, 10969 Berlin | 11.30 – 22.00 Uhr | www.louispretty.com

Photo: Steve Herud

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 02. März 2016 | Tags: , , Keine Kommentare

Kaffeesatzleser

Kaffeesatzleser

Ein Profiler ist ein Kriminalist. Er ist ein Fallanalytiker, der anhand von Indizien am Tatort Rückschlüsse auf die sozio-ökonomischen Merkmale des Täters zieht. Er ist ein reflektierter Schnüffler und akribischer Tüftler. Und was der Profiler (im Fernsehen und im echten Leben) mit Menschen macht, machen die Friedrichshainer Coffee Profilers eben mit Kaffee. Und mit Menschen. Das internationale Gründer-Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kaffee-Liebhaber mit dem für sie perfekt passenden Kaffee zusammenzubringen. Das tun sie auf unterschiedlichen Ebenen. In erster Linie sind die Coffee Profilers eine Kaffee-Bar. An einem Ort, an dem man kein modernes, hübsch designtes Café vermutet, nämlich an der historischen, aber etwas unbelebten Karl-Marx-Allee, unweit des Knotenpunktes Frankfurter Tor, haben sie sich niedergelassen. Hier dürfen wir eintreten in einen freundlichen, hellen Raum, an dem alles „Kaffee“ ruft: Der Duft, die Auslagen, die meterlangen Regale mit Kaffeemaschinen. Man wird freundlich nach seinem Verhältnis zu Säure befragt und darf aus verschiedenen Kaffeesorten auswählen – die übrigens fast täglich wechseln. Wen das schon überfordert: Keine Angst! Die Jungs, die hier an der Kaffeemaschine stehen, verstehen euch. Gerne erzählen sie. Über Anbauverhältnisse, über Röstgrade, Säuregehalt, Geschmacksrichtungen. Und dabei passiert etwas. Die Leidenschaft wird losgelassen: Ihre Augen leuchten. Ihre Ausführungen machen neugierig. Sie reden von unterschiedlichen Qualitäten, von Filter und Brew, von den kleinen, aber feinen Anbaugebieten in hoher Höhe, von denen sie ihren Kaffee beziehen. Und plötzlich tut sich eine Welt auf jenseits des Latte Macchiato. Großartiger Weise veranstalten die Profiler auch immer mal wieder Workshops und Kaffee-Degustationen. Wer also auf den Geschmack gekommen ist, darf sich auch mal mehr erzählen lassen als in den kurzen drei Minuten, bevor man eigentlich schon im Büro sein müsste. Achso, oder man bestellt einfach einen verdammt guten Kaffee.
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Coffee Profilers | Karl-Marx-Allee 136, 10243 Berlin | Mo-Fr, 8-18 Uhr, Sa 9-18 Uhr, So 11-17 Uhr | www.coffeeprofilers.com

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 24. Februar 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Nesthocker

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Nesthocker

Und es war Samstag. Und wir waren frühstücken. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee lag in der Luft, die Sonne zauberte einen hellen Lichtstreifen auf unseren Tisch, der keck im Orangensaftglas schimmerte und unseren Eggs Benedict einen standesgemäßen Heiligenschein verlieh. Nun gut, wir schweifen ab, aber genau so fühlt es sich nunmal an, wenn man sich zur unendlichsten Mahlzeit des Tages im wunderschönen Café Nest am Görlitzer Park niederlässt. Sicher, man kann zu jeder Tages- und Abendszeit hier einkehren, aber das Frühstück, das Frühstück… Neun verschiedene stehen täglich zur Auswahl, von vegan über Arme Ritter bis Apfelmüsli. Jeden Samstag von 10 bis 16 Uhr werden dann zusätzlich Leib- und Eierspeisen aufgetischt, die einem die Gaumentränen der Freude im Mund zusammenlaufen lassen. Pochierte Eier, wahlweise mit Rosmarinschinken, geräuchertem Lachs oder Blattspinat auf Toastmuffin, übergossen mit hausgemachter Sauce Hollandaise zum Beispiel, Weißwurscht oder ein English Breakfast wie es schmutziger nicht sein könnte. Unsere Highlight-Kombi für zwei besteht aus dem veganen Frühstück aus Avocado, leckeren Aufstrichen, Räuchertofu und einem grandiosen Obstsalat und den Eggs Atlantic mit Lachs und frischem Dill. So gut. Ab und an gesellen sich übrigens noch israelische Tagesspecials wie Schakschuka dazu und am Sonntag gibt es ein riesiges Brunch-Buffet. Kaffees, Tees, Säfte, Service und der Laden selbst nebst oben liegendem Co-Working Space für bis zu 23 Arbeitswillige sind über jeden Zweifel erhaben. So sieht er aus, so schmeckt er, der perfekte Frühstückswohlfühlort. Ende der Durchsage. Bete’avon!
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Nest Speise- & Schankwirtschaft | Görlitzer Str. 52, 10997 Berlin | Mo-So ab 10:00 Uhr | cafenest.de

 

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 17. Februar 2016 | Tags: , , , , , , Keine Kommentare

Butter bei die Fische und beim Gemüse und beim Fleisch

Butter bei die Fische und beim Gemüse und beim Fleisch

Erst waren wir ein bisschen skeptisch: Brasilianisch-französische Küche? Eine gewagte, ungewöhnliche Kombination. Wir hatten versucht, unsere kulinarische Brasilien-Erfahrung (eine Karnevalswoche lang Bohneneintropf mit süffigem Bier herunterspülen) mit französischen Gastro-Genüssen (alles, was an Land- und Meeresgetier jeder couleur zwischen Kir Royal und Délice de Bourgogne Patz findet) zu verbinden und scheiterten. Die Butterhandlung im Friedrichshainer Südkiez belehrt uns eines besseren und beweist: Die Kombi funktioniert ganz fantastisch! Zum Einstieg macht das Restaurant seinem Namen alle Ehre und serviert ungefragt Brot mit drei Butter-Variationen. Früher wurde die Butter hier hergestellt, jetzt wird sie hier verfeinert und kredenzt. Zum Beispiel mit Trüffel. Sowieso ist Trüffel hier ein Thema, und was für eins! Wer in der Butterhandlung ein Gericht mit Trüffel bestellt, kriegt auch Trüffel. Nicht drei Spritzer Trüffel-aromatisiertes Öl, sondern eine echte Portion der Pilz-Preziose. Zu jeder Hauptspeise, ob Fisch, ob Fleisch, ob komplett tierfrei, gibt es eine unverbindliche, aber professionelle Wein- oder Bierempfehlung. Nicht-Trinker werden belohnt mit der sagenhaft guten, nach Sommerurlaub schmeckenden Castro Street Lemonade. Für alle anderen gibt es zu späterer Stunde im Mikrokosmos Bar BoBu im hinteren Teil der Butterhandlung neben famosen Cocktails und Livemusik wunderbar jazzig-charmante Atmosphäre. Genau das hat der Friedrichshain verdient: Ein ernsthaftes Speiselokal, lecker und gemütlich, mit wunderbar weltgewandtem Personal ganz jenseits der lieblosen Glutamat-Hölle ein paar Straßen südwestlich.

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Butterhandlung | Scharnweberstraße 54, 10245 Berlin | Butterhandlung.de

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 17. Februar 2016 | Tags: , , , Keine Kommentare

Berlin Schlürfing

Berlin Schlürfing

An der Auster scheiden sich die Geister. Den einen liegt die harte, bucklige Schale zärtlich und weich in der Hand. Sie schließen ihre Augen und riechen das Meer. Der Muschelgeschmack weckt Erinnerungen an steilen Wind, raue See und Freiheit – was kostet die Welt? Den anderen ist das 250 Millionen Jahre alte Weichtier ein suspekter Graus. Wir gehören ganz klar zur freiheits-sehnsüchtigen ersten Gruppe. Und jubeln daher ob der Möglichkeit, uns vier Wochen lang an einer zeitgenössischen Austernbar zu laben. Am 11. Februar eröffnet Jenna Biberstein ihre Pop Up Oyster-Bar »Oy« in Mitte. Vor einem Jahr entdeckte die umtriebige Konzepterin die leckere Fülle an schön drapiertem Seafood im »Les Halles« in Lyon. Diese Idee nach Berlin zu bringen, ließ sie nicht los. Nachdem das Projekt ein Jahr auf Eis lag, liegen jetzt die delikaten Muscheln an der Torstraße auf Eis. Bei dieser modernen Interpretation eines elitären Gastro-Klassikers ist weniger mehr: Das sonst eher steife Etepetete rund um die Luxus-Muschel wird hier gestrichen. Statt dezenter Melodien eines steif gewandeten Streicher-Quartetts schmeißt ein DJ tanzbare Hip Hop Tunes in den Raum. Das Austern-begleitende Baguette wird in einer bescheidenen Papiertüte serviert. Und bei 25 Gästen ist die Bar auch schon voll. So geht Austern essen in Berlin. Ein bisschen weniger Show, ein bisschen mehr lecker. Sonntag und Montag ist das »Oy« eigentlich geschlossen, Ausnahme ist aber der diesjährig sonntägliche Valentinstag. Schließlich sind Austern Aphrodisiaka.
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Oy | Torstraße 161, 10115 Berlin | 11.2. bis 10.3., Di bis Sa ab 19 Uhr | Facebook

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 10. Februar 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare

La Grande Bouffe

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La Grande Bouffe

Sie sind in aller Munde: Das Hirsch-Tartar, der Räucheraal oder das royale Spiegelei von Tulus Lotrek. Und natürlich die Kreateure selbst. Erst im November öffnete das Speiselokal seine Türen in Kreuzkölln, und schon tritt es an, der Ära der nouvelle cuisine ein- für allemal ein lautes Au revoir hinterher zu schmettern. Subtil-vegetale Geschmacksneutralität ist hier nicht. Vielmehr ist stilvolle Völlerei die Ansage von Gastgeberin Ilona Scholl und Küchenchef Maximilian Strohe. Namensinspirator Henri de Toulouse-Lautrec hätte seine wahre Freude daran. Der Post-Impressionist ließ damals keine Party im Pigalle aus. Auch die bis zu zwölf Gläser Port, die der Bohémien täglich für seine innere und äußere Balance benötigte, animiert das Gastro-Duo in Berlin zu einer gewaltigen Weinauswahl. Und sie beweisen uns gekonnt: Manchmal muss man sich nicht zwischen Qualität und Quantität entscheiden. Das Versprechen »Wir sorgen schon heute für Ihren Kater von morgen« wird hier nicht mit wenigen Schlucken billigen Schnaps gehalten, sondern mit edlen Köstlichkeiten wie zum Beispiel einem 2006er Shiraz aus dem Barossa Valley. Der Tropfen ist geschwängert mit einem hauch von Tragik: Die Rebe leidet am »Dead-arm Disease«, bildet keine neuen Triebe aus und speichert daher alles an Sonne und Bodenschätzen in klitzekleinen Träubchen, was zu haben ist. Der Anti-Minimalismus zieht sich konsequent durch: So opulent wie die Gastronomie ist auch die üppige Tapete im gemütlichen Lokal. Ohne Angst vor falschem Benehmen dürfen wir hier auch mal genüsslich die Sauce vom Tellerrand lecken. Die Askese hat ein Ende. Und – ganz ehrlich – wir sind dankbar.
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Tulus Lotrek | Fichtestraße 24, 10967 Berlin | 030 4195 6687 | www.tuluslotrek.de | Di bis So, 19 bis 0 Uhr

 

The Monk Zone

The Monk Zone

„Willst du ihn klassisch oder vertraust du mir?“ Wir haben den besten Cocktail unseres Lebens getrunken. Es war ein Old Fashioned – richtig hartes Zeug also – allerdings mit Ahorn- statt Zuckersirup und einem besonders rauchigen Single Malt Whisky. Serviert wurde er in einem runden Kristall-Tumbler in dem ein einziger, monolitischer Eiswürfel bis zum Rand in die Höhe ragte und das ganze Arrangement in einen geometrischen Augenschmaus verwandelte. Es schmeckte nach Lagerfeuer an einem lauen Sommerabend irgendwo in einem riesigen Wald voller Leben mit See und allem was dazu gehört. Die Thelonious Bar in der Berliner Weserstraße ist einer dieser Orte an denen man viel zu oft vorbei läuft. Klammheimlich beinahe schmucklos liegt sie da zwischen Falafelbude, lauten Kneipen und (zugegeben Neuköllns bestem) Inder. Drinnen gibt es wenig Licht – rechteckiger Raum um rechteckigen Tresen. Irgendwer hat tatsächlich ein paar Tulpen darauf gestellt, an den Rand versteht sich. Die Atmosphäre ist berauschend, es wird geraucht, im Hintergrund läuft stilecht Jazz, die Barkeeper sind Profis, keine Studenten. Sie seihen und kippen die Destillate gekonnt über die Rückhand in den Shaker, der Sirup läuft über einen 50 cm langen Silberlöffel, die Gläser sind allesamt eisgekühlt. Niemand streckt oder puncht zum Wohlgefallen des Gastes – Cocktails zubereiten bedeutet schließlich Arbeit an der Perfektion. Jeder Griff sitzt und wird von allen drei Barleuten mit Finesse und Hingabe ausgeführt, auch dann, wenn niemand zuschaut – wären sie allein oder im Dunkeln, sie würden es ganz genau so machen, ganz einfach weil es so gehört. Das ist unprätentiös, sympathisch und erfrischend gut. Wüssten wir es nicht besser, wir wähnten uns kurz irgendwo zwischen East London und Williamsburg. Wir sind in Berlin. Unser Cocktailgedicht kostet unter 10 Euro. Wir kommen wieder. Regelmäßig.
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Thelonious Bar | Weserstr. 202, 12047 Berlin | Mo.-So. 19-02 Uhr | www.thelonious-bar.de | Photo: Cielito Vivas

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Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 03. Februar 2016 | Tags: , , , , Keine Kommentare