Hello World!

Ja, es ist wieder soweit. Das Gallery Weekend steht bevor und damit der fast schon obligatorische Gallerie-Marathon für alle Kunst- und/oder Prosecco-Fans (kleiner Spaß). Die Antwort auf alle Fragen lautet diesmal 47, denn genau so viele Galerien und Ausstellungen stehen zur Wahl. Wo sollte man unbedingt hingehen, was kann man sich getrost sparen? Ehrlich gesagt: wir wissen es natürlich auch nicht. Doch genau dieses Treibenlassen und Entdecken machen ja den besonderen Reiz des Kunstwochenendes aus. Drei unserer Highlights möchten wir euch dennoch ans Herz legen. Da wäre natürlich und allen voran der größte Player auf dem Spielfeld. Mit ‚Hello World. Revision einer Sammlung‘ untersucht der Hamburger Bahnhof kritisch die Sammlung der Nationalgalerie und ihrer vorwiegend westlichen Ausrichtung. 200 Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Filme von rund 80 Künstlerinnen und Künstlern bilden die Ausgangspunkte zur Erkundung verborgener Erzählungen und neuer Perspektiven auf die Sammlung und ihre Geschichte. Der gesamte (!) Hamburger Bahnhof wird dabei bespielt und zum gigantischen Spielfeld für die Erkundung der Ausstellung der Zukunft. In der König Galerie schafft Claudia Comte mit neuen Skulpturen, Fichten (ja, Fichten) und einer multi-chanel Video-Installation eine beeindruckende Atmosphäre. Die Ausstellung bringt maßgebliche Aspekte von Comtes Schaffenszeit zusammen. Der Fokus liegt auf der Geschichte von Materialien und dem Spiel zwischen dem Alten und der digitalen Technologie. Systematisches Chaos gibt es in der ersten Soloausstellung von Kitra. Für die Dauer der Ausstellung wird die Galerie Baull kurzerhand in ein Gesamtkunstwerk transformiert. Anstatt an der “Wand zu hängen” wird die neue Leinwandserie von ihm in den Raum integriert. So sind manche Werke laut und sichtbar, andere versteckt wie Chamäleons. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das ikonische “Bonjour Tristesse” Graffiti am Eckgebäude an der Schlesischen Straße. Dieser kleine Störer steht symbolisch für die Straßenkultur der Schlesi-Welt und könnte als Ausstellungstitel nicht gegensätzlicher zu der Farbigkeit von Kitra ́s Kunst stehen. Ach ja, die Kuratoren der Ausstellung haben wir im Interview. Einmal weiterscrollen bitte!
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Gallery Weekend Berlin | 27.–29.04. | gallery-weekend-berlin.de | Hello World. Revision einer Sammlung, Fr. 27.04.18, 20 Uhr, Hamburger Bahnhof, Berlin, Facebook | Claudia Comte | Evelyne Axell, Fr. 27.04.18, 18 Uhr, König Galerie, Berlin, Facebook | Kitra „Bonjour Tristesse“, Do. 26.04.18, 19 Uhr, Baull Galerie, Berlin, Facebook

Mutter und Sohn

„Kunst ist einfach mal loslegen, und schon ist es geiler als Picasso“. Der Satz stammt von Jonathan Meese, einem der kontroversesten und spannendsten deutschen Künstler unserer Tage. Und wenn Jonathan Meese einfach mal loslegt, erodieren nicht nur Genregrenzen. Malerei, Skulpturen, Installationen, Performances, Collagen, Videokunst und Theaterarbeiten – er beschränkt sich nicht auf ein Medium, er (be)nutzt, was immer nötig ist, um sich einer künstlerischen Aussage zu nähern. Sein neuester Coup ist die Virtual Reality Produktion Brigitte & Jonathan Meese: Mutter und Sohn = Realität trifft Kunst, die vom 21. – bis 29. April im Berliner Gropius Bau zu sehen ist. In einem virtuellen Atelier erlebt man dabei die Entstehung eines 360°-Gesamtkunstwerks der Zukunft: Der schlafende Künstler hat wunderbare und inspirierende Träume. Seine Mutter Brigitte bringt Kaffee und treibt ihn zum Malen an. Eine weitere Mutter Meese kommt hinzu, dann noch eine und noch eine… während ihr Sohn unablässig malt. So wandelt sich der Atelier-Raum zu einer mehrdimensionalen Leinwand. Mehrere Mütter kommentieren und bewerten eine Arbeit, die eine Reflexion über Alfred Hitchcock, Anthony Perkins, Richard Wagner und Joseph Beuys ist. Letztlich mündet das in einer zwingenden Erkenntnis: Jeder Mensch ist ein Künstler, zumindest unter dieser VR-Brille. Der achtminütige Film wird zeitgleich auch in der kostenlos erhältlichen ARTE360 VR-App und auf der ARTE-Website verfügbar sein, was natürlich nur halb so viel Erlebnis bedeutet. Hintergrund ist eine mehrjährige Kooperation von ARTE mit den Berliner Festspielen und der Immersion. Sie erforschen gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeiten und Grenzen der Virtual Reality Experience und des 360°-Films. Nach dem gemeinsamen Auftaktprojekt „RHIZOMAT VR“ von Mona el Gammal feiert nun die Brigitte & Jonathan Meese Virtual-Reality-Produktion Premiere. Für die spannende Vorstellung verlosen wir 2×2 Tickets. Schreibt eine Mail mit dem Betreff ‚IS NICH ECHT‘ an hurra@muxmaeuschenwild.de.
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Brigitte & Jonathan Meese: Mutter und Sohn = Realität trifft Kunst | 21.-29.04. | Gropius Bau, Niederkirchnerstr. 7, 10963 Berlin | www.berlinerfestspiele.de | Facebook | Eintritt frei | Tickets | Foto: René Paepke

The Long Now

Es ist ein Ort der andauernden Gegenwart. Ein Ort, in dem sich die Zeit selbst zu entfalten scheint und das Gefühl für Zeit und Raum schwindet. Die Rede ist ausnahmsweise mal nicht von einem Berliner Club, sondern von The Long Now. Das Projekt bildet den Abschluss des diesjährigen MaerzMusik-Festivals für Zeitfragen. Los geht es am 24. März um 19 Uhr, der Schlussakkord erklingt satte 30 Stunden später. Das musikalische Spektrum reicht von der Avantgarde mit Vertretern der Minimal Music und Spektralmusik über Live-Elektronik und Improvisation bis hin zu Größen der Ambient und Noise Musik. Dabei verteilen sich die Künstlerinnen und Künstler bei dem 30-stündigen Event auf verschiedenen Ebenen in der gewaltigen Räumlichkeit des Kraftwerk in der Köpenicker Straße. Die langen und über Stunden andauernden Konzerte ermöglichen Klang als räumliches und körperliches Erlebnis wahrzunehmen. Teilweise werden sogar Live-Improvisationen gespielt, die in dieser Konstellation noch nicht zu hören waren. Mit dabei sind unter anderem Robert Lowe, Tomoko Sauvage, Brian Williams aka Lustmord, Soundwalk Collective, The Necks und ‘A’ Trio. Wir verlosen 1×2 Tickets für den sinnklanglichen Erfahrungsmarathon. Schreibt eine Mail mit dem Betreff ‚HOW LONG IS NOW‘ an hurra@muxmaeuschenwild.de. Übrigens stellt der Veranstalter Betten vor Ort bereit. Ein Catering wird ebenfalls für euer Wohl sorgen.
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The Long Now | 24.03.18 19 Uhr bis 25.3.18, 24 Uhr | Kraftwerk Berlin, Köpenicker Str. 70, 10179 Berlin | Tickets ab 30 €, ermäßigt ab 25 € | Facebook | www.berlinerfestspiele.de

Lust for Life

Sisyphos, der gerissene Frevler aus der griechischen Mythologie, muss zur Strafe ewig einen Steinblock einen Berg hinaufwälzen, der kurz vor dem Gipfel immer wieder herunterrollt. Hartnäckig muss man sein, um so etwas durchzustehen. Hartnäckig ist auch die Pornoregisseurin und Politikwissenschaftlerin Erika Lust. Wie passend, dass sie diese Woche das Sisyphos mit Open Air Erotik bespielt. Die Schwedin gilt als eine wichtige Pionierin der feministischen Pornographie und hat es sich zum Ziel gesetzt, Sexfilme zu machen, die anders sind. Ansprechend. Unabhängig. Echt. Von cineastischem Wert. Ethisch produziert. Filme, die unterschiedliche Menschen und ihre Fantasien und erotischen Wünsche abbilden und erreichen. So hat sie das Projekt XConfessions ins Leben gerufen, die erste crowd-unterstützte Erotikfilm-Serie. Jede und jeder kann sich als Ideengeber einbringen, seine erotischen Fantasien anonym posten, und jeden Monat wählt die Regisseurin zwei Fantasien aus und macht daraus ästhetische, aufwendige und ehrliche Kurzfilme. Einige davon werden auch im Sisyphos zu sehen sein. An zwei Abenden stellt sie nicht nur ihre neusten Erotik-Kurzfilme vor – unter anderem einen des subversiven Kult-Filmemachers Bruce LaBruce – sondern sie stellt sich auch den Fragen des Publikums. Mit ihrer kontinuierlichen Arbeit fängt Erika Lust an eine Lücke zu schließen, die noch immer viel zu groß ist.
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Erika Lust: XConfessions Open Air | Sisyphos, Hauptstraße 15, 10317 Berlin | 12.&14.07.17, ab 20:30 Uhr | Tickets 14 € | Residentadvisor.net  | Facebook Eventlink

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Kategorien: Erlebnisse | Autor: | Datum: 11. Juli 2017 | Tags: , , , , , , , , , , , , , Keine Kommentare

Kleine Steine

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Kristiane Kegelmanns Kunst ist vergänglich. Denn Kristiane Kegelmanns Kunst ist essbar. Und nicht nur das, der kulinarische Konsum des visuellen Meisterwerks ist sogar der eigentliche Deal. Den künstlerischen Ansatz, dass ein Werk erst dann vollkommen ist, wenn es zerstört wird, treibt sie damit auf die leckere Spitze. Sie kreiert und inszeniert kostbare kleine Prailinen und Zuckerstücke in ihrem kleinen Studio im Prenzlauer Berg in Berlin, die dann in unterschiedlichen Rahmen ausgestellt werden. Der Clou: Gucken UND Anfassen erlaubt. Der Betrachter wird zum Teilhaber, er muss die Installation berühren, zerstören, konsumieren. Hierbei entstehen Sinnesregungen. Es wird weder erwartet, dass es besonders gut schmeckt (was sich natürlich sofort als Fehleinschätzung herausstellt), noch möchten die meisten Leute die Installation berühren, da die Schwelle zwischen dem Objekt und dem respektvollen Umgang damit überschritten werden muss. Das macht richtig Spaß! Am 18. und 25.02. ist ihr Studio jeweils von 10-18 Uhr für alle geöffnet, die in einem kleinen Rahmen ihre Arbeit erleben möchten. Am 6.3. steigt dann ab 18 Uhr das offizielle Grand Opening in der Danziger Straße 59. Ihre kostbaren Pralinen können bei den offenen Studio-Tagen erworben oder per Mail bei ihr bestellt werden. Wer nicht genug bekommt von Kristiane und ihrer süßen Kunst, morgen startet eine kleine Kickstarter Kampagne zur Finanzierung der Ausbaukosten. Lecker ist das schön!

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Kristiane Kegelmann, eat art/food design | Studio, Danziger Straße 59, 10435 Berlin | www.kristianekegelmann.com | Facebook | Foto Credit: Pujan Shakupa

Kategorien: Produkte | Autor: | Datum: 14. Februar 2017 | Tags: , , , , Keine Kommentare

Monument Mal

MMW_BorosBunker

Mitten in Berlin steht dieser Bunker. Ein Mahnmal der Scheußlichkeit, das glücklicherweise in sein Gegenteil gekehrt wurde: Einen Hort der Kunst. Denn was ist Kunst, aus dem Individuum geschöpft, anderes als die ultimative Bastion der Freiheit? Eben. Finden wir auch. Der Sammler Christian Boros kaufte 2003 den Bunker, der zwischenzeitlich als Kriegsgefängnis, Textilienlager, Speicher für Bananen und Technoclub genutzt wurde, um darin seine Sammlung zeitgenössischer Kunst einzurichten. Und im Gegensatz zu früher, als man sich im Bunker eingeschlossen und abgeschottet hat, soll dieser Koloss ein Ort für alle sein. Jeder darf sich die Sammlung internationaler Kunst (unter anderen von Ai Weiwei, Thomas Ruff, Olafur Eliasson und Wolfgang Tillmans) ansehen, normalerweise allerdings mit Anmeldung und Führung – schließlich wohnt der gute Mann auch in dem Gebäude. Wie gesagt, normalerweise: An den Wochenenden im Januar sind die 3000 wertvollen Quadratmeter nämlich mal ohne Reservierung zugänglich. Und, wir haben das für uns und euch getestet, sogar ohne allzu lange Warteschlangen. Fifteen minutes to Ultimo!
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Sammlung Boros | Bunker, Reinhardtstraße 20, 10117 Berlin | 21. und 22. Januar ohne Reservierung 10-18  Uhr geöffnet | Eintritt 12€, ermäßigt 6€ | sammlung-boros.de

Kategorien: Orte | Autor: | Datum: 18. Januar 2017 | Tags: , , , , , , , , , Keine Kommentare

Art ist, was du daraus machst.

Selig die Zeiten in der famosen Bar mit der Nummer 25. Als wir die Zeit vergaßen, an der Spree in die aufgehende Sonne tanzten und Freunde fürs Leben – denn ein Wochenende konnte ein ganzes Leben sein – fanden. Auf dem Dancefloor der legendären Location fanden auch Viva con Agua und Holzmarkt zusammen und schlossen eine Liebe fürs Leben. Schließlich glauben beide an das Gute: Viva con Agua setzt sich für weltweiten Zugang zu sauberem Trinkwasser ein und der Holzmarkt setzt neue Werte des gemeinsamen, sozialen und nachhaltigen Zusammenlebens in der Stadt. Und so paarte sich das Gute mit dem Guten und gebar Besseres: Ein Kulturfestival für freie Geister. Inspiriert von der Millerntor Gallery (www.millerntorgallery.org), der sozialen Kunstgalerie und dem Kulturfestival aus der Beziehung von Viva con Agua mit dem FC Sankt Pauli, entstand die WIDE(R)KUNST: ein Wochenende voller Kunst und Musik in der frisch geschlüpften Spielstätte „Säälchen“ auf dem Holzmarktareal. Internationale Künstler unterschiedlicher Genres präsentieren und verkaufen ihre Werke und beweisen in diesem bunten Dorf: Kultur macht Freude, sie bildet und regt zum Nachdenken an. Sie erweitert Horizonte und verrutscht Perspektiven. Und sie hilft auch. Die Erlöse aus dem Verkauf der ausgestellten Werke gehen zu gleichen Teilen an die Künstler selbst, an Viva von Agua und die Holzmarkt-Genossenschaft. Noch mehr Gutes? Könnt ihr haben. Im Rahmen der WIDE(R)KUNST erstellt Olafur Eliassons Energie-für-alle-Projekt Little Sun am 30. September und 1. Oktober ein Light Painting.
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WIDE(R)KUNST – The Art ist das, was du draus machst | 29.09.– 02.10.16 | Säälchen, Holzmarktstraße 25, 10243 Berlin | Facebook

mmw_widerkunst

Kategorien: Projekte | Autor: | Datum: 28. September 2016 | Tags: , , , , , , Keine Kommentare

Zines of Zones x Urban Spree

Picture me gone.

Zines of Zones, eine nomadische Non-Profit Bibliothek für kleine, selbst publizierte Magazine rund ums Thema Fotografie, tourt gerade kreuz und quer durch Europa und macht ab heute Nachmittag für zwei Tage Station in der Urban Spree. In jeder Stadt werden die kreativsten, außergewöhnlichsten Zines gesammelt, eingepackt und dann mit auf Tour genommen um sie in den anderen Städten zu präsentieren. Ziel ist es, den kreativen Austausch anzukurbeln und ein europaweite Plattform für Publikationen abseits des Mainstreams zu etablieren. Der Eintritt ist frei. Na dann mal nix wie hin und Bilderbuch gucken.

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Zines of Zones x Urban Spree | 17.04 – 18.04,  16 -23 Uhr |

Urban Spree Galerie,  Revaler Straße 99 |

urbanspree.com

 

 

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